Schreierei und Aggressionen vor Gericht

Prozess gegen Terror-Zwilling aus Zörbig - Bruder pöbelt RTL-Team an: „Diesmal seid ihr dran!“

Der Zwillingsbruder des Angeklagten aus Zörbig pöbelte im Flur des Gerichts das RTL-Team an.
Der Zwillingsbruder des Angeklagten aus Zörbig pöbelte im Flur des Gerichts das RTL-Team an.
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09. April 2021 - 10:08 Uhr

Zwillingsbrüder verbreiten in Zörbig Angst und Schrecken

Fast jeder in Zörbig (Sachsen-Anhalt) kennt die 41 Jahre alten Zwillingsbrüder, die in den beschaulichen 10.000-Seelen-Ort Angst und Schrecken verbreiten. Bisher kamen die beiden relativ ungeschoren mit ihren Angriffen und Bedrohungen davon. Sie gaben sich einfach gegenseitig die Schuld. So ließ sich schwer nachweisen, welcher der eineiigen Zwillinge für welche Tat verantwortlich war - im Zweifel für den Angeklagten. Heute hat das Gericht in Bitterfeld-Wolfen den Bruder Michael B. aber zu einer Haftstrafe verurteilt. Selbst im Gericht pöbelten die Terror-Zwillinge noch herum und drohten sogar dem RTL-Kamerateam: "Diesmal seid ihr dran!"

Angeklagter Michael B.
Michael B. wurde wegen Körperverletzung zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt.
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Angeklagter griff Frau in ihrer Wohnung an

Angeklagt war Michael B. wegen Beleidigung, versuchte Nötigung, Körperverletzung und Bedrohung. Er soll im Juni einen Mann bespuckt und unter Druck gesetzt haben, eine Aussage gegen ihn zurückzunehmen. Wenig später habe er dann eine Frau in ihrer Wohnung angegriffen und verletzt. Nachweisen konnte man ihm zwar nicht alle der Taten, aber er wurde wegen Körperverletzung zu acht Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Wegen der langen Liste seiner Vorstrafen muss er diesmal ins Gefängnis.

Wie bedrohlich die Zwillinge werden können, weiß ein Vater aus dem Ort, der lieber anonym bleiben möchte, weil er Angst vor weiteren Angriffen hat. Im RTL-Interview erzählt er, wie er und seine Tochter zum Opfer der beiden Männer wurden. "Das ist einfach willkürlich, wie die hier auf die Leute losgehen. An dem Tag war ich halt dran, weil ich aus dem Fenster geguckt habe", erzählt er.

Zörbiger erzählt, wie einer der Zwillingsbrüder mit einer Axt in seinem Hausflur wütete

Als er Abends Lärm auf der Straße hörte, sah er aus dem Fenster. Das genügte, um die Männer gegen ihn aufzubringen. Zuerst seien Flaschen gegen sein Haus und seinen Laden im Erdgeschoss geflogen. Sie hätten gerufen: "Wir schlitzen dich jetzt auf, du Drecksvieh". Mit einer Axt in der einen und einem Schraubenzieher in der anderen Hand drang einer der beiden ins Haus ein. Während der andere Bruder ihn von der Straße aus lautstark anfeuerte, verwüstete er das Treppenhaus und hämmerte plötzlich gegen die Wohnungstür. Dabei schrie er: "Komm raus und bring deine kleine F***e von Tochter mit, die zerhacke ich jetzt vor deinen Augen."

Das neun Jahre alte Mädchen sei daraufhin weinend aus dem Kinderzimmer gekommen, habe gesehen, wie ihr Vater mit einem Schrank die Tür verbarrikadierte und sich verzweifelt dagegenstemmte, um den Angreifer aufzuhalten. "Papa, müssen wir jetzt wirklich sterben?", habe sie gefragt. Zum Glück kam dann jedoch die Polizei und die Zwillinge brachen ihren Angriff ab.

Zwillingsbrüder pöbeln im Gericht in Bitterfeld-Wolfen herum

Auch vor Gericht hielt B. sich nicht zurück. Der Angeklagte wurde laut und aggressiv, als er aussagen musste. Er behauptete, dass er den Mann und die Frau "nur" zur Rede stellen wollte. Um weiteren Stress zu vermeiden, verließ der Zwilling während der Zeugenaussagen den Gerichtssaal. Auch auf die Urteilsverkündung reagierte B. aggressiv, ließ die Richterin nicht ausreden und ließ sich sofort abführen, ohne sich ihre Erklärung anzuhören.

Sein Bruder kam nicht mit in den Saal, sondern wartete im Flur des Gerichtsgebäudes, wo er auch das Kamerateam anpöbelte und seinem Bruder hinterherbrüllte, als der aus dem Saal gebracht wurde. Weil er in den letzten Monaten immer wieder auffällig wurde, sitzt B. seit dem 19. März in Untersuchungshaft. Ihn werden wohl in nächster Zeit weitere Anklagen erwarten. Die Menschen in Zörbig können zumindest erst mal aufatmen, denn jetzt gibt es einen Zwillingsbruder weniger, der frei herumläuft und für Unruhe sorgt.