Studie der Uniklinik Bonn mit eindeutigen Ergebnissen

Es geht auch ohne Arzt: Geburt nur mit Hebamme verläuft sicher und schneller

Hebamme bei der Arbeit
© dpa, Sina Schuldt, ssd nic htf

27. August 2020 - 10:18 Uhr

Für jede Frau eine Hebamme - das ist selten so

Für jede gebärende Frau eine Hebamme, die die ganze Zeit dabei bleibt - das ist nur in wenigen Kreißsälen in Deutschland so. Dabei kämen die meisten Gebärenden laut einer neuen Studie der Uni Bonn auch ohne Arzt und große Eingriffe bei gleicher Sicherheit zu ihrem Baby.

Weniger Schmerzmittel kommen zum Einsatz

Eine Geburt im Kreißsaal nur mit einer erfahrenen Hebamme und ohne Arzt: Das ist einer neuen Studie zufolge sicher und verläuft im Durchschnitt sogar schneller. Auch kommen dabei meistens sogar weniger Schmerzmittel zum Einsatz. So die Ergebnisse des Forschungsprojekts "Hebammenkreißsaal" der Universität Bonn. Die stellte Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Montag in Düsseldorf vor.

Minister Laumann: "Geburt im Hebammenkreißsaal ist sicher"

Das Land NRW hatte die Studie mit rund 380 000 Euro gefördert. Alle 612 hebammengeleiteten Geburten an der Uniklinik Bonn aus den Jahren 2010 bis 2017 wurden dabei analysiert. Das Klinikum sei das erste, das das Modell vor elf Jahren eingeführt habe, sagte Laumann. "Die Studie zeigt: Eine Geburt im Hebammenkreißsaal ist sicher", so  Laumann.

Risikoschwangerschaften sind ausgeschlossen

Das Angebot richte sich an gesunde Schwangere mit unauffälligem Schwangerschaftsverlauf, die eine unkomplizierte Geburt erwarten könnten. Das heißt zum Beispiel: Die Frauen sind nur mit einem Kind schwanger und der Kopf des Babys liegt unten - nicht in Steißlage. Mehrlinge seien per se Risikoschwangerschaften, erklärte Waltraut Merz, Privatdozentin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe an der Universität Bonn. Auch bei Frühgeburten sei stets ein Arzt dabei.

Die Studie belegt also: Bei hebammengeführten Gebärenden kommt es nicht häufiger zu Komplikationen als in allen anderen Fällen. Im Vergleich zur Kontrollgruppe sind seltener operative Eingriffe vorgenommen worden - auch weniger Dammschnitte und PDAs.

Hebammen geben der Gebärenden mehr Zeit

Die Erklärung der Wissenschaftlerin: Hebammen geben der Frau bei einer normalen Geburt mehr Zeit. Ein hinzugerufener Arzt hingegen sei eher darauf eingestellt, zu intervenieren, sagte Merz. Eine weitere Beobachtung: Auch im Hebammenkreißsaal entscheide sich rund die Hälfte der Gebärenden für eine PDA. "Die Frauen wollen das Beste aus beiden Welten: Sowohl die Super-Betreuung, als auch eine extrem effektive Methode der Schmerzbekämpfung", berichtete Merz.

Positiver Einfluss auf Mutter-Kind-Bindung

Hebamme Victoria Herrmann sieht auch Vorteile für die Mutter-Kind-Bindung: "Durch eine intensive Hebammenbegleitung entstehen bei den Frauen weniger Ängste, so dass die Frau deutlich positiver und selbstbewusster in die Phase des Mutterseins reinkommt." NRW-Gesundheitsminister Laumann wirbt deswegen jetzt dafür, das Modell viel großflächiger anzubieten, um Frauen bei ihrem Wunsch nach einer interventionsarmen Geburt aus eigenen Kraft zu unterstützen. Bislang gibt es nur 23 solcher Angebote bundesweit.

IM VIDEO: Sensible Methoden für eine glückliche Geburt

Hebamme Nelly-Niculina Stancescu verhilft mit unkonventionellen Methoden vielen Frauen zu einer friedlichen und entspannten Geburt.