Lange Schlangen vor der Arztpraxis, ein volles Wartezimmer – das könnte künftig wieder ein ganz normales Bild werden.
Denn einfach mal einen Tag zuhause bleiben – ohne Krankschreiben? Das ist ab voraussichtlich 2027 Geschichte. Ab dem ersten Krankheitstag müssen Arbeitnehmer dann einen gelben Schein vorlegen.
„Wenn es jemandem wirklich gar nicht gut geht und man weiß ich nicht. Eine schwere Grippe oder so, das ist ja dann auch anstrengend ist, irgendwie zum Arzt zu kommen und sich ein Attest zu holen.“ “Wenn jetzt zum Beispiel eine Dame in ihren Zyklus hat, ja dann rennt sie doch nicht nur weil sie jetzt ihren Zyklus hat zum Arzt, ist aber einfach oft arbeitsunfähig und deswegen ist das vollkommen an der Realität vorbei.” “Wenn man krank ist, sollte man im Bett bleiben und telefonisch denke ich, ist das noch in Ordnung mit dem Arzt abzusprechen, ob man wirklich krank genug ist, um zu Hause zu bleiben oder ob man nicht doch zur Arbeit gehen kann.”
Aber auch die telefonische Krankschreibung wird durch die Reform abgeschafft. Bisher konnten sich Patienten per Telefon für maximal fünf Tage krankschreiben lassen, ohne beim Arzt vorstellig zu werden – damit fällt eine Entlastung für kranke Patienten weg, aber vor allem auch für die Praxen. Die drohen noch mehr denn je aus allen Nähten zu platzen.
„Die Praxen arbeiten an der Belastungsgrenze. Und wenn jetzt noch immer mehr Patienten dazukommen, die nicht mehr telefonisch krankgeschrieben werden können oder ab dem ersten Tag medizinisch völlig unnötigerseits eine Krankmeldung brauchen in schriftlicher Form, dann ist das für Patientinnen und Patienten und für die Praxen gleichermaßen eine Katastrophe.“
Schon jetzt sind die Deutschen im Schnitt fast 20 Tage im Jahr krankgeschrieben. Europäischer Spitzenreiter. Diese Zahl könnte durch die Reform sogar weiter in die Höhe schießen. Der Verband der Hausärzte befürchtet auch, dass sich die Leute länger krankschreiben lassen, wenn sie schon extra den Weg in die Praxis machen müssen.
Und was haben die Firmen von den Neuerungen? womöglich auch Aufwand, möglicherweise aber auch mehr Arbeitskraft, wenn – so der Generalverdacht der Bundesregierung – Arbeitnehmer den lockeren Umgang mit Krankschreiben nicht mehr zum Blaumachen ausnutzen können.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche