Er nutzte den eigenen Urlaub für seine Pläne: RTL-Urlaubsretter Ralf Benkö entlarvt Ferienhau-Betrüger
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Wer denkt, in Sachen Urlaubsbetrug schon alles zu kennen, der hat weit gefehlt. Denn jedes Jahr lassen sich Kriminelle neue Maschen einfallen, mit denen sie ahnungslosen Familien ihr Geld aus der Tasche ziehen. Urlauberin Yüksel Bavli ist kürzlich auf eine gestoßen und hat sich in ihrer Not an die RTL-Urlaubsretter gewandt.
Den eigenen Portugal-Urlaub nutzen, um später nichtsahnende Reisende abzuzocken? Das ist das Video eines offenbar dreisten Abzockers. Er hat in der von ihm gemieteten Ferienwohnung gedreht, um es später für ein Fake-Angebot zu nutzen. In einem kurzen Augenblick des Video-Rundgangs taucht im Spiegel des Bades der Mann selbst auf. Doch damit noch nicht genug. Interessenten für seine angebliche Ferienwohnung an der Algarve schickt er sogar eine Kopie seines britischen Passes. Ist das Dreistigkeit eines Täters, der denkt, er kommt einfach mit allem durch? Als seine Kundin, Yüksel Bavli, in Portugal vor Ort ist, fliegt das Ganze auf – sie wendet sich an uns.
„Und dann hat uns ein Mann aufgemacht aus Irland und er meinte, dass tatsächlich einige Familien schon da waren und geklopft haben. Und ja, wir waren wohl nicht die einzigsten, die darauf reingefallen sind.“
Wenn Urlaubs-Abzocker im Internet Namen angeben und Fotos zeigen, sind das in der Regel Fälschungen, logisch. In diesem Fall jedoch wird unsere Spurensuche Wochen später nach London führen und überraschende Ergebnisse bringen.
Angefangen hatte für Yüksel Bavli alles lange vorher mit einer Buchung bei dem bekannten Portal booking.com. Gebucht hatte sie ein Algarve-Apartment mit Pool und Meerblick. Doch dann bekommt sie einige Wochen später über das Portal die überraschende Meldung: Der Vermieter habe die Buchung storniert.
„Dann kam aber zwei Wochen später dann über WhatsApp eine Benachrichtigung von dem angeblichen Vermieter, ob ich das dann nicht direkt über ihn buchen möchte? Er hat ja meine Zeiten. Er wusste auch wirklich alle o Daten von mir und meine Zeitangaben waren ihnen auch bekannt und er würde mir dann auch noch mal 10 % Rabatt geben, weil es ja direkt über ihn laufen würde. Aber seine Voraussetzung war halt 20 % Anzahlung von dem Betrag."
So erzählt es mir Yüksel Bavli. Booking.com wird mir später schreiben, dass Anbieter keinen Zugriff auf private Telefonnummer oder Mailadresse von Kunden haben: „Daher können wir nicht nachvollziehen, wie sich die weitere Kommunikation direkt zwischen den beiden Parteien ergab.“
Und der Anbieter rät dringend, was auch mir direkt durch den Kopf geht: Wenn weggeführt von Portalebene – muss Alarmlampe angehen.
Doch da war ja noch das Video, auf dem man kurz einen Mann sieht, der filmt. Der scheint genau der zu sein, der später auch ein Fotos seines Ausweises schickt.
„Und ich dachte mir ja gut, ich meine, dann muss es ja stimmen. Also wenn du einen Ausweis hast und das passende Video. Ja, das hat mir natürlich dann noch ein bisschen mehr Sicherheit gegeben, woraufhin ich dann noch mal 500 € geschickt habe, weil er dann Druck gemacht hat. Kurz vorm Urlaub, zwei Wochen davor waren es, glaube ich."
Doch dann will er nach Anzahlungen von 316 € und 500 € für das Apartment plötzlich auch einen Großteil der restlichen 765 € VOR Anreise haben, obwohl das so nicht vereinbart war.
„Das kam dann für mich nicht in Frage, ist mir zu risikoreich." Auf ihre Beschwerde schickt Anbieter Mike diese Sprachnachricht: „Es tut mir leid zu sagen, ich habe Ihre Nachricht dem Besitzer gezeigt. Er war sehr verärgert. Er möchte, dass ich Ihre Reservierung storniere. Ich habe Ihre Informationen an unsere Stornierungsabteilung weitergeleitet, die Kontakt aufnehmen wird. Sie bekommen volle Rückerstattung.“
Doch eine Rückzahlung habe sie nie bekommen. Frustriert bucht die 40-Jährige auf die Schnelle ein Apartment in der Nähe – die Flüge für die Familie waren ja ebenfalls schon bezahlt. Aus Neugier schaut sie im Urlaub bei dem ursprünglichen Apartment vorbei – und deckt die Abzocke auf. Ich bekomme nun auch Kontakt zur echten Vermieterin, Lurdes Nuno. Im Videotelefonat erfahre ich: Es gebe angeblich noch einige Betroffene mehr. Sie selbst sei machtlos.
Hier das echte Angebot von Lurdes Nuno, auf einer anderen Plattform. Hier rechts das offensichtliche Fake-Angebot, zu einem deutlich günstigeren Preis. Wie kann das sein? Darauf werde ich mir noch Antworten von dem großen Anbieter von Hotelzimmern und Apartments holen. Parallel suche ich nach dem Abzocker selbst, der recht sorglos zu sein scheint. Ich finde auf britischen Internetseiten die Adresse der Firma, in deren Namen er die Angebote ins Netz gestellt hatte.
„Da vorne sehen wir hier eine Adresse im Großraum London – und da haben wir unsren Kollegen Ulrich Oppold angerufen, damit er da mal vorbeischaut."
Unser London-Korrespondent macht sich auf die Suche nach dem beschuldigten Anbieter, der offensichtlich einige Spuren hinterlassen hat. Doch der erste Versuch scheint ins Leere zu laufen. An der angegebenen Adresse kommen gerade Handwerker an, mein Kollege fragt nach.
„Haben Sie je einen Mann wie diesen gesehen? Und das ist alles jetzt Baustelle? – Da ist nichts - / Alles klar, Danke. Dürfen wir mal kurz reinschauen hier? – Oh da bin ich mir nicht sicher. Lassen Sie mich mit dem Boss sprechen…"
Zumindest erkennen wir einige gefüllte Briefkästen durch die Scheibe – und ein Klingelschild, das einen Firmennamen zeigt, der uns bekannt vorkommt. Doch niemand öffnet uns. Für die dubiose Firma sind mehrere Adressen angegeben – und bei der nächsten werden wir fündig werden. Auf dem Klingelschild
„Ich bin Ulrich Oppold von RTL, Deutsches Fernsehen. Es geht um ihn, kennen Sie diesen Herrn? Mister ... Oh, er ist einer unserer Kunden. Ihm gehört eine Firma. – Wirklich? – Ja. Wir kennen ihn nicht als Michael. Aber ich erkenne das Bild. – Sie erkennen das Bild wieder? Welchen Namen benutzt er? – Er benutzt diesen… Ich kenne ihn nicht als Michael, ich kenne ihn nur so - Wirklich interessant! – Vielen Dank! – Das ist in Ordnung."
Offenbar tritt Mike in England unter etwas abgewandeltem Namen auf – aber wir sind ihm auf der Spur. Parallel versuche ich aus Deutschland, mit ihm telefonisch in Kontakt zu kommen. Und tatsächlich – er nimmt den Anruf entgegen.
Auch wenn dieser Mike beinunserem Telefonat aufgelegt hat und sehr aggressiv dabei wurde – ich habe ihm dann ein Mail geschrieben mit sehr vielen, sehr konkreten Fragen, daraufhin hat er dann noch zweimal geantwortet.
Und die Antworten wirken ein wenig wirr. Er schreibt, er sei mit der Vermarktung dieses Ferienhauses beauftragt worden, dann aber von den Eigentümern betrogen worden. „Wir sind lediglich ein Vermittler und verwalten kein Geld“, sagt er uns – doch davon ist auf der Internetseite nichts zu sehen und auch die angegebene Kontoverbindung läuft ausschließlich auf seinen Namen. Hat er kassiert, muss er normal auch zurückzahlen.
Mein Kollege Ulrich Oppold in London hat unsere Recherche-Ergebnisse der britischen Polizei übergeben – die wird ermitteln. Eine Genugtuung für Yüksel Bavli. Ob sie ihr Geld wiedersieht, ist allerdings eher fraglich.
Booking.com hat uns mitgeteilt, dass die gebuchte Unterkunft am Anfang den Prüfprozess des Portals noch durchlaufen hätte. Sie sei dann von der Plattform entfernt worden sei, da sich Hinweise auf verdächtiges Verhalten seitens des Unterkunftsanbieters ergeben hatten. Solche Vorfälle seien sehr selten. Die Schutzmechanismen würden ausgebaut.
Immerhin: bei einer Buchung auf Booking.com selbst wäre Yüksel Bavli besser abgesichert gewesen. Deshalb raten große Buchungsportale dringend davon ab, auf Angebote dubioser Anbieter einzugehen, eine Buchung plötzlich für weniger Geld privat zu machen. Denn dann ist Schutz, den die Portale bieten, hinfällig.
