Theranostik hilft auch in schwierigen FällenNeue Hoffnung bei Krebs - Uniklinik Essen testet neue Behandlung

von Parviz Khosrawi

Wenn Sie an radioaktive Stoffe denken, denken Sie vermutlich zuerst an Gefahr und Strahlung. In einer neuen Spezialklinik für Nuklearmedizin in Essen gibt das Ganze dagegen krebskranken Patienten neue Hoffnung. Und rettet im besten Fall sogar Leben.

Vorsorge schwänzen kostet Leben

Viele Männer drücken sich vor der Vorsorgeuntersuchung. Hans-Hermann Schrader war einer von Ihnen. Der 72-Jährige konnte plötzlich kein Wasser mehr lassen. Als der ehemalige Schuldirektor daraufhin in die Klinik fuhr, folgte die Diagnose: Prostatakrebs. Der sogenannte prostataspezifische Antigen-Wert, kurz PSA, lag damals bei 400. Rund 100-mal höher als normal. Der Krebs hatte bereits gestreut, der Körper von Hans-Hermann Schrader war voller Metastasen. Eigentlich ein Todesurteil. Doch genau für diese Form der Tumorausbreitung gibt es an der Uniklinik Essen jetzt eine neue Behandlungsmethode. Die Theranostik. Sie verbindet Therapie und Diagnostik und wird zur Zeit erprobt.

Neue Methode hilft vielen Menschen

Bei den herkömmlichen Krebstherapien gibt es zum einen die Bestrahlung. Dabei wird der Tumor von außen mit hochenergetischen Strahlen beschossen. Das Problem: dadurch kann auch gesundes Gewebe geschädigt werden. Bei der Chemotherapie wird eine Flüssigkeit mit zellhemmenden Medikamenten verabreicht. Diese greift in den Zellstoffwechsel oder die Erbsubstanz ein. Um die unkontrollierte Teilung von Krebszellen zu stoppen. Das Problem: diese Therapie kann auch gesunde Zellen zerstören. Die Folge sind typische Nebenwirkungen wie Haarausfall und ein geschwächtes Immunsystem. Bei der Theranostik wird eine leicht radioaktive Flüssigkeit verabreicht. Sie markiert alle Metastasen. In dem diese an krebsspezifische Proteine andockt. In einem zweiten Schritt wird eine Infusion mit radioaktivem Lutetium-177 gegeben. Dieser Stoff erkennt die markierten Metastasen und zerstört den Krebs mithilfe der Strahlung gezielt von innen. Die Behandlung wird übrigens von der Krankenkasse übernommen.

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Essen ist Vorreiter bei der neuen Therapie

Die neue Methode hat laut Röntgenbildern alle Metastasen im Körper von Hans-Hermann Schrader beseitigt. Er fühlt sich wieder fit. Damit die Diagnose und Kontrolle der Behandlung noch verbessert werden kann, gibt es im Zentrum für Nuklearmedizin jetzt mehrere neue Computertomographen. Einer davon ist weltweit einzigartig. Damit das Erkennen von Tumoren noch präziser wird.