8. Mai 2019 - 18:24 Uhr

von Linda Kotterba

Herzogin Meghan wollte ihren Sohn eigentlich zu Hause bekommen - letztendlich musste sie für die Geburt dann aber doch ins Krankenhaus. In den Niederlanden werden sogar ganze 30 Prozent der Kinder zu Hause geboren. Sind Hausgeburten jetzt auch in Deutschland der neue Trend? Sarah Schmid brachte ihr Baby draußen in ihrem eigenen Garten zur Welt - ganz ohne fremde Hilfe und im Beisein ihrer anderen Kinder. Im Video erklärt sie, warum.

Steigt die Zahl der Hausgeburten?

Wie gebären die Frauen in Deutschland? Wir haben mit Ursula Jahn-Zöhrens, Hebamme und Präsidiumsmitglied im Deutschen Hebammenverband, sowie Helena Laginha, Hebamme und Frauenärztin, gesprochen.

Von einem Trend könne man nicht sprechen, denn die Zahlen seien stabil, so Jahn-Zöhrens. Sie schwanken meist zwischen 1,6 und 1,8 Prozent aller Geburten. "Was allerdings auffällt ist, dass Alleingeburten steigen. Allerdings gibt es keine Zahlen, die das auch bestätigen."

Warum wollen Frauen eine Hausgeburt?

"Kinder machen Sie ja auch zu Hause, oder nicht?", lacht Jahn-Zöhrens. Einen der Gründe, sich gegen das Krankenhaus zu entscheiden, sieht sie in der oft stressigen und langen Fahrt in die Klinik. Zudem kann das auch sehr gefährlich sein: "Der Mann ist total gestresst, fährt womöglich noch sehr rasant und die Frau ist auch superhektisch." Hausgeburten seien für viele durch die gewohnte Umgebung entspannender, die eigene Dusche und WC können genutzt werden und die Privatsphäre wird geschützt.

Ist es nicht gefährlich, sein Kind zu Hause zu bekommen?

"Gefährlich sind vorher geplante Hausgeburten nicht", so Jahn-Zöhrens. Auch bei Geburten in Kliniken seien oft keine Ärzte anwesend. "Das sind dann sogenannte "low-risk" Schwangerschaften, also Schwangerschaften, die gut verlaufen sind und bei denen es keine Anzeichen gibt, dass etwas schiefgehen könnte. Bei Risikoschwangerschaften werden natürlich Ärzte hinzugezogen." Meistens ist es auch eine zweite Hebamme oder ein Kreissaalarzt, der zur Geburt hinzukommt, "bei einer Hausgeburt ist das nicht anders".

Frauenärztin und Hebamme Helena Laginha bietet selbst keine Hausgeburten an. "Ich finde, dass das keine gute Idee ist, auch Patienten mit einer low-risk Schwangerschaft brauchen manchmal noch in letzter Minute einen Kaiserschnitt. Das geht zu Hause natürlich nicht."

Was ist, wenn bei der Geburt zu Hause etwas schief geht?

Wenn bei der Geburt zu Hause etwas schiefgehen sollte, fahren die Hebammen natürlich schnellstmöglich mit der Gebärenden ins Krankenhaus. "Es kann schon mal vorkommen, dass die erste Geburt sehr lange dauert und die Frau dann doch eine PDA möchte, dazu müssen wir natürlich ins Krankenhaus."

Aber auch nach der Geburt kann es zu Komplikationen wie starken Blutungen bei der Frau oder schwerer Atmung beim Kind kommen. "Die Schnittstellen zwischen Hebammen und Krankenhaus sind so gut, dass es überhaupt kein Problem ist, doch noch schnell ins Krankenhaus zu fahren." Frauenärztin Laginha sieht das etwas problematischer: "Manchmal muss es dann einfach sehr schnell gehen, wenn man dann noch ins Krankenhaus fahren muss, kann es zu einem Sauerstoffmangel bei dem Baby kommen - mit Folgen für die Gesundheit des Babys."

Warum gebären Frauen alleine, ohne Hebamme?

"Das hat oft leider sehr traurige Hintergründe. Einige Frauen haben vielleicht sehr schlechte Erfahrungen mit Hebammen oder medizinischem Personal gemacht, sind manchmal sogar traumatisiert." Manche Frauen finden, gerade in großen Städten, aber auch einfach keine Hebamme und müssen dann aus der Not heraus ihr Kind alleine gebären.

"Es kann sehr gefährlich für Frauen werden, wenn sie das Kind alleine zur Welt bringen", meint Frau Laginha. Das Leben und die Gesundheit der Mutter und des Babys würden dabei einem deutlichen Risiko ausgesetzt sein. "Die Frauen sollten natürlich auf dem Wege gebären, wie sie sich am wohlsten fühlen. Aber ehrlich gesagt glaube ich, dass Geburten im Krankenhaus stattfinden sollten. Dort gibt es die beste medizinische Betreuung."

Jeder muss selbst entscheiden

Letztendlich muss jede Frau selbst entscheiden, wie sie ihre Kinder bekommen möchte. Zu einer Geburt ganz ohne Hebamme raten jedoch beide Experten ab.