Wirksamkeit zufällig entdeckt

Nasenspray-Impfstoff gegen Alzheimer: Klinische Erprobung gestartet

Der Impfstoff mit dem Wirkstoff Protollin wird nasal verabreicht und regt das Immunsystem dazu an, Ablagerungen im Gehirn zu beseitigen. (Foto: Symbolbild)
Der Impfstoff mit dem Wirkstoff Protollin wird nasal verabreicht und regt das Immunsystem dazu an, Ablagerungen im Gehirn zu beseitigen. (Foto: Symbolbild)
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02. Dezember 2021 - 16:28 Uhr

Hoffnung für Millionen Menschen

Ein schleichender Tod mitten im Leben: das ist die Alzheimer-Demenz. Alles, was einen Menschen ausmacht, wird von der Alterserkrankung allmählich ausgelöscht. Doch die Suche nach Medikamenten oder gar präventiver Impfung stellte sich in der Vergangenheit als äußerst schwierig heraus. Jetzt allerdings gibt es eine Meldung, die Hoffnung macht: In den USA geht ein Impfstoff in die klinische Überprüfung, wie verschiedene Medien berichten.

Protollin stimuliert das Immunsystem

Nach 20 Jahren Forschung beginnt jetzt in den USA die klinische Studie, in der wie bei jedem Impfstoff erst einmal in Phase I der Erprobung die grundsätzliche Sicherheit und Wirksamkeit eines Nasenspray-Impfstoffs gegen Alzheimer überprüft wird. Er soll das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit verhindern und verlangsamen. Der Wirkstoff ist ein Protein namens Protollin. Es wird aus Bakterien gewonnen und stimuliert das Immunsystem.

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Wirkstoff baut Ablagerungen im Gehirn ab

In bisherigen Studien hatte sich gezeigt, dass Protollin Immunzellen aus den Lymphknoten an Hals und Nacken dazu anregt, ins Gehirn zu wandern und dort die für Alzheimer typischen Ablagerungen von Beta-Amyloid zu beseitigen. Eigentlich ist der Stoff als sogenanntes Adjuvant, also Wirkverstärker, für andere Impfstoffe konzipiert gewesen. 16 Teilnehmer zwischen 60 und 85 Jahren mit beginnenden Alzheimer-Symptomen bekommen jetzt nasal zwei Impfstoffdosen Protollin im Abstand von einer Woche. Dabei wird gleichzeitig überprüft, welche Wirkung die Substanz auf das Immunsystem allgemein hat.

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Auch andere degenerative Erkrankungen im Visier

"Seit 20 Jahren gibt es immer mehr Hinweise darauf, dass das Immunsystem eine Schlüsselrolle bei der Eliminierung von Beta-Amyloid spielt. Die Forschung auf diesem Gebiet hat uns den Weg geebnet, einen ganz neuen Weg zu gehen, um möglicherweise nicht nur die Alzheimer-Krankheit, sondern auch andere degenerative Erkrankungen des Nervensystems zu behandeln", sagte Prof. Dr. Tanuja Chitnis laut Aponet.

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Alzheimer bei Risikopatienten verhindern

Der Start der ersten Humanstudie mit einem nasalen Impfstoff gegen Alzheimer sei ein bemerkenswerter Meilenstein, sagte dazu Dr. Howard L. Weiner, Co-Direktor des Zentrums für neurologische Erkrankungen am Brigham and Women's Hospital in Boston. "In den letzten zwei Jahrzehnten haben wir präklinische Beweise gesammelt, die auf das Potenzial dieses nasalen Impfstoffs hindeuten", sagt Weiner weiter. "Wenn klinische Studien am Menschen zeigen, dass der Impfstoff sicher und wirksam ist, könnte er frühzeitig verabreicht werden, um Alzheimer bei Risikopatienten zu verhindern." (ija)

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