Maria (41) und Tatiana (16) Gertsuski aus München vermisst

Verdächtiger Roman H. (46): Mutter und Tochter haben sich heftig gestritten

20. Oktober 2020 - 10:31 Uhr

Prozess gegen Roman H. in München - Polizei geht von Mord aus

Es war im Sommer 2019. Maria Gertsuski und ihre Tochter Tatiana aus dem Münchner Stadtteil Neuperlach sind plötzlich verschwunden. Die Polizei geht davon aus, dass sie getötet worden sind. Wie, ist unklar. Bis heute wurden weder die Leichen der beiden Frauen gefunden, noch gibt es Zeugen der Tat. Einen Verdächtigen gibt es dennoch: Marias Lebensgefährte Roman H., der Stiefvater von Tatiana. Gegen den 46-Jährigen begann am Montag der Prozess vor dem Landgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte Anklage wegen Totschlags an seiner Partnerin sowie wegen Mordes an seiner Stieftochter erhoben. Ein Prozess, nur mit Indizien – wie das funktioniert, erklärt Rechtsanwalt Christopher Posch im Video.

Roman H. streitet die Vorwürfe vor Gericht ab

Die Ermittler haben lange nach Indizien für den Mord an Maria und ihrer Tochter Tatiana am 13. Juli 2019 in München gesucht. Obwohl die Leichen bis heute nicht gefunden wurden, ist die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft ganze 188 Seiten lang. Roman H. soll seine Partnerin im Streit erschlagen und danach auch seine Stieftochter ermordet haben, um das erste Verbrechen zu vertuschen, heißt es darin. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass die beiden Frauen nicht mehr leben.

Am Montag hat der Prozess gegen den 46-jährigen Logistiker in München begonnen. Die Vorwürfe bestreitet er, wie RTL-Reporterin Julia Jende aus dem Gerichtssaal berichtet. "Am 13. Juli sind meine Frau und Stieftochter verschwunden. Sie haben gegen 16 Uhr das Haus verlassen, danach habe ich sie nicht mehr gesehen", sagt er, und weiter: "Was mir vorgeworfen wird, dazu habe ich keinen Bezug." Er gehe davon aus, dass beide noch am Leben seien, dafür will er sogar Beweise haben. Doch vortragen will er diese nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit, was der Richter ablehnt.

Verdächtiger Roman H.: Mutter und Tochter sollen gestritten haben

​​​​Der Verdächtige schildert zunächst den Tagesablauf, wann er am 13. Juli 2019 aufgestanden ist, wie er gemeinsam mit Mutter und Tochter gefrühstückt und zu Mittag gegessen hat. Wo er zwischen 16.30 und 17.40 Uhr war. Er habe im Baumarkt Zubehör zum Streichen der Wände gekauft, sagt er, um "mit großem Aufwand" Blutspuren zu beseitigen. Blutspuren von Maria und Tatiana. Die beiden Frauen sollen sich nämlich heftig gestritten haben, erzählt er. H. selbst habe den Streit schlichten müssen. Den Grund dafür kenne er nicht, er habe es nicht mitbekommen, sagt er. "Maria lag auf dem Boden. Tatjana saß auf ihr und wollte sie erwürgen", so der 46-Jährige. Maria habe aus der Nase und am Hinterkopf geblutet. Sie sei "in einem depressiven Zustand" gewesen, fügt er noch hinzu. Dann habe Maria mit ihrer Tochter sprechen wollen, beide hätten gegen 16 Uhr das Haus in Richtung Einkaufszentrum verlassen, sagt er.

Gegen 21.30 Uhr habe er versucht, Maria anzurufen, erfolglos, wie er sagt. Aus Sorge rief er Tatianas leiblichen Vater an, gemeinsam seien sie zur Polizei gegangen. Eine Vermisstenanzeige sei nicht aufgenommen worden.

Richter findet einige Ungereimtheiten in den Aussagen

Der Richter sieht einige Ungereimtheiten in den Aussagen des Angeklagten, zumal er den Streit zwischen beiden Frauen zum ersten Mal erwähnt. Ein Detail macht ihn aber noch stutziger: Mehrmals hatte die Polizei den Truderinger Wald im Osten der bayerischen Hauptstadt durchforstet, ohne die Leichen von Mutter und Tochter zu finden. Allerdings fanden die Ermittler einen Teppich aus der Wohnung der Familie sowie eine Fußmatte. An beidem haftete Blut von Maria und Tatiana. Spuren fanden sie auch im Auto und in der Wohnung des Verdächtigen.

Der Richter will wissen, warum H. den blutbedeckten Teppich im Wald und nicht im Hausmüll entsorgt hat. Er antwortet: "Erst jetzt verstehe ich, dass man den Teppich in den Restmüll hätte werfen können." In den Wald sei er außerdem mit Marias Wagen gefahren, weil seiner nicht angesprungen sei. Der Richter fragt H. auch, wieso er bei der Polizei aussagte, Mutter und Tochter seien in das Einkaufszentrum Neuperlach gegangen. "Es war die Absicht der beiden, dachte sie hätten es auch getan", sagt er. 

Staatsanwaltschaft habe genügend Beweise gegen Roman H.

"Was dem Angeklagten tatsächlich nachgewiesen werden kann, kann erst zum Ende des Prozesses feststehen", sagt Barbara Stockinger, Sprecherin des Landgerichts München. Die Staatsanwaltschaft München I habe zahlreiche Beweismittel zusammengetragen. Sie geht davon aus, dass der Angeklagte verurteilt werden kann, so die Sprecherin. Man habe die letzten Stunden von Mutter und Tochter rekonstruieren können. Im Prozess habe H. keine besondere Regung gezeigt und sich auch offen gezeigt, nicht mit einem Aktenordner vor seinem Gesicht, sagt Stockinger.