Frauen und Kinder fliehen vor den Bomben der Hamas

„Ich habe Angst um die Kinder, meine Enkel“

13. Mai 2021 - 10:00 Uhr

Nach Raketenangriffen der Hamas bringt israelische Armee Familien in Schutzräume

Mehr als 1.000 Raketen der Hamas fallen in Israel auf wehrlose Frauen und Kinder. Sie suchen Schutz in Luftschutzbunkern, versuchen verängstigt dem Raketen-Hagel zu entwischen. RTL-Reporterin Raschel Blufarb ist in Tel Aviv, sie erlebt den blutigen Konflikt hautnah. Mitten in der Nacht musste sie mit ihrer Familie und Nachbarn Schutz suchen. Viele sind verängstigt und können nicht mehr, berichtet Blufarb. "Ich habe Angst um die Kinder, meine Enkel", sagt eine Frau, die kurz zuvor in den Keller ihres Wohnhauses flüchten musste.

„Ich habe Angst, weil sogar der Bunker wackelt wegen den Raketen“

Die Küstenmetropole Tel Aviv erlebte in der Nacht die bisher schwersten Raketenangriffe seit Beginn des Nahostkonflikts. Millionen Menschen mussten aus ihren Wohnungen und Häusern fliehen, um Schutz in Bunkern zu suchen. Auch unsere Reporterin Raschel Blutfarb, die dort mit verängstigten Frauen und Kindern sprach. "Wir sitzen einfach nur hier, ich habe Angst in den dritten Stock in meine Wohnung zu gehen", erzählt eine Frau im Video. Wenige Minuten vorher hatte sie aus dem Fenster gesehen, wie Raketen in die Wohnungen ihrer Nachbarn einschlugen. Sofort rannte sie mit ihrer Familie in den Keller. Ein Kind sagte in die Kamera: "Ich habe Angst, weil sogar der Bunker wackelt wegen den Raketen."

Seit Montagabend kurz nach 18 Uhr beschießen militante Palästinenser Israel mit Raketen. Israels Armee reagiert darauf nach eigenen Angaben mit dem umfangreichsten Bombardement seit dem Gaza-Krieg von 2014. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza beträgt die Zahl der seit Montag getöteten Palästinenser 48 - darunter 14 Kinder und drei Frauen. 304 Menschen seien verletzt worden.

Raketen-Regen tötet Vater (52) und Tochter (16) in Lod

In einem arabischen Viertel in Lod bei Tel Aviv sind am frühen Mittwochmorgen ein 52-jähriger Mann und seine 16-jährige Tochter durch eine Rakete aus Gaza ums Leben gekommen. Sie wollten nachsehen, was draußen los ist statt sich in Sicherheit zu bringen, berichtet RTL-Reporterin Blufarb. "Es ist ein Schock, wir können nicht fassen, was hier passiert ist", sagte eine Bekannte der Opfer. Eine weitere 65-jährige Frau starb am Dienstagabend bei einem Angriff in Rishon Lezion südlich von Tel Aviv. In Jehud, im Großraum Tel Aviv, sei ein Wohnhaus von einer Rakete direkt getroffen worden.

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Israels Armee fängt rund 850 Raketen ab

Der Konflikt hat sich seit Beginn des Ramadan Mitte April zugespitzt, an diesem Mittwochabend endet der muslimische Fastenmonat. In den vergangenen Tagen hatte es zunächst vor allem in Jerusalem heftige Zusammenstöße zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gegeben. Auslöser waren unter anderem Proteste gegen Polizei-Absperrungen in der Altstadt sowie drohende Zwangsräumungen palästinensischer Familien im Viertel Scheich Dscharrah.

Wie das Militär berichtete, wurden rund 850 der gut 1.000 abgefeuerten Raketen entweder abgefangen oder sie gingen in Israel nieder. Etwa 200 weitere seien noch im Gazastreifen niedergegangen. In Israel starben bislang fünf Menschen durch Raketenbeschuss. Mehr als 200 weitere seien verletzt worden.

Netanjahu: "Wir werden den Bürgern Israels die Sicherheit zurückbringen"

Regierungschef Benjamin Netanjahu sagte, die militanten Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad würden einen hohen Preis für die jüngsten Angriffe auf Israel bezahlen. "Diese Operation wird Zeit brauchen, aber wir werden den Bürgern Israels die Sicherheit zurückbringen." Generalstabschef Aviv Kochavi sagte, man sei fest entschlossen, den militanten Gruppierungen einen harten Schlag zu versetzen.

Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen auf Israel scharf. "Dass es jetzt noch eine derartige Eskalation der Gewalt gibt, ist weder zu tolerieren noch zu akzeptieren", sagte Maas bei einem Besuch in Rom. "Israel hat in dieser Situation das Recht auf Selbstverteidigung."

Russland und die USA riefen alle Seiten zur Zurückhaltung auf. In New York zeigte sich UN-Generalsekretär António Guterres einem Sprecher zufolge sehr besorgt und "zutiefst traurig über die zunehmende Zahl von Opfern". Angesichts der zunehmend entfesselten Gewalt in Nahost soll der UN-Sicherheitsrat am Mittwoch zum zweiten Mal binnen weniger Tage zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen.

dpa/mor

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