Der große Reichweiten-Check

Familienurlaub mit E-Auto

07. Oktober 2020 - 11:31 Uhr

768 Kilometer bis zum Ziel - 385 Kilometer Reichweite mit dem E-Auto

Es ist ein Experiment, manche würden sagen: ein Wagnis. Familie Steinert fährt mit einem E-Auto in den Urlaub – von Kabelsketal in Sachsen-Anhalt bis nach Reifnitz am Wörthersee in Österreich. Wie die Reise der vierköpfigen Familie verläuft und was der Praxis-Unterschied zu einem Diesel- oder Benzinfahrzeug ist, zeigen wir im Video.

Ein Nissan Leaf als Familienauto

Franziska und Lars Steinert fahren eigentlich ein Diesel-Fahrzeuge, weite Strecken bringen beide gerne zügig hinter sich. Bei der Vorbereitung für diesen Urlaub ist Lars allerdings von Anfang an skeptisch. Er glaubt nicht daran, dass ein E-Auto für so weite Strecken tatsächlich geeignet ist: "Für den Stadtverkehr eignet sich ein E-Auto sicherlich. Den längeren Strecken stehe ich aber skeptisch gegenüber. Da man relativ oft anhalten und laden muss."

Als der Nissan Leaf schließlich vor der Tür steht, ist die Neugier groß – und die erste Enttäuschung stellt sich bereits beim Blick in den Kofferraum ein: Der ist ziemlich klein, finden die Steinerts. Ob alles reinpasst? Denn zusätzlich sind dort auch die verschiedenen Ladekabel für das E-Auto verstaut. Eins für den Hausstrom, eins für herkömmliche Ladestationen unterwegs. Das Kabel für die Schnellladesäulen befindet sich an den jeweiligen Stationen. "Jetzt ist es irgendwie noch ein bisschen komisch. Aber irgendwann hat man das dann wahrscheinlich auch drin, wie beim ganz normalen Tanken", stellt Franziska fest.

Familie Steinert hat drei große Koffer und eine kleinere Tasche im Gepäck, immerhin soll es für eine Woche an den Wörthersee gehen. Wer Kinder hat, weiß: Da kommt einiges zusammen. Tatsächlich dauert es aber keine zehn Minuten, bis das Auto beladen ist. "Das hätte ich nicht gedacht", staunt Franziska.

Ansonsten gefällt den beiden das Auto. Vor allem die hochwertige Inneneinrichtung überzeugt. Auch die verschiedenen Fahr-Modi des PKW sind einfach zu begreifen, der Bordcomputer ist verständlich gestaltet. Hier werden auch alle wichtigen Informationen angezeigt, zum Beispiel die Reichweite. Diese Anzeige wird für die Familie noch einen hohen Stellenwert bekommen.

Reiseplanung mit Ladestation-App

Mit Hilfe der App "Plugsurfing" planen Lars und Franziska ihre Reise. Auf der Karte werden entlang der Route Ladestationen für E-Autos angezeigt und je nach Batterieladestands des Fahrzeugs auch empfohlen. Die App weiß, welche Art Ladesäule vor Ort steht, ob sie belegt oder defekt ist und was sie kostet. Bezahlen vor Ort geht ebenfalls mit der App.

Sie wollen bis Salzburg fahren und dort übernachten, um das Auto über Nacht an die hoteleigene Ladestation zu hängen. Am nächsten Tag soll es weiter bis nach Reifnitz am Wörthersee gehen. Allerdings zeigt die App auch an, dass keine der Teilstrecken ohne Ladestopps zwischendurch geschafft werden kann. Die App schlägt vor, den ersten Stopp Nähe Nürnberg einzulegen, also nach zirka 283 Kilometern und dort das erste Mal zu laden. "Dann geht's weiter bis kurz nach München und von dort aus sollten wir dann theoretisch bis nach Salzburg kommen", hofft Franziska.

Die Batterie fast leer, Ladesäule defekt

Am nächsten Morgen kann es losgehen. Die Sonne scheint, die Kinder Luca und Finja haben gute Laune. Doch schon nach 30 Minuten auf der Autobahn macht Lars, der bisher 120 km/h gefahren ist, eine erschreckende Feststellung: "Ich habe die Geschwindigkeit jetzt auf 100 km/h gedrosselt. Sonst erreichen wir den ersten Ladestopp in Nürnberg noch nicht mal!" Überhaupt macht sich Familie Steinert viele Gedanken über die Reichweite. Auch deshalb, weil außerhalb des Autos ungefähr 32 Grad Celsius sind. Die Klimaanlage zieht zusätzlich Strom.

Nach 3:15 Stunden Fahrt und einer Restreichweite von 60 Kilometern kommen die Steinerts endlich bei der Schnellladestation in der Nähe von Nürnberg an. Allerdings wartet dort schon die nächste Überraschung: Die Ladestation will nicht. 24 Kilometer entfernt befindet sich die nächste Ladesäule. Mit einem unguten Gefühl steigt die Familie wieder ins Auto.

120 Minuten Ladezeit, keine Bank, pralle Sonne

Quelle: RTL.de/Luisa Graf
Hier muss Familie Steinert jetzt 120 Minuten ausharren, bis das E-Auto geladen ist.
© rtl.de, Luisa Graf

Eine Stunde haben die Steinerts durch die defekte Ladesäule vertrödelt, aber wenigstens funktioniert die Schnellladesäule auf dem nächsten Rastplatz. Der Zwischenstopp wird allerdings zu einem längeren Halt: Für eine komplette Aufladung des Akkus werden zwei Stunden angezeigt. Genug Zeit zum Mittagessen. Doch in der Nähe der Ladesäule gibt es keine Bank, kein Spielplatz - nur Sonne und eine Bordsteinkante, auf der es sich die Familie "bequem" macht. Nach über 2 Stunden bricht Lars den Ladevorgang ab – es sind nur 84 Prozent des Akkus aufgeladen. 

Jetzt fährt Franziska. Auch sie hält sich strikt an die 100 km/h. Im Gegensatz zu ihrem Mann ist sie davon allerdings genervt. Und auch auf diesem Abschnitt der Fahrt gibt es wieder eine Überraschung, allerdings ein erfreuliche: Der Reichweitenmonitor des Fahrzeugs und die App zeigen an, dass sie bis Salzburg durchfahren können. Das liegt übrigens an der Rekuperation, also der Energierückgewinnung des E-Autos. Regeneratives Bremsen sorgt dafür, dass der E-Motor zu einem Generator wird. Das Bremsen erzeugt Strom und lädt automatisch die Akkus des Elektroautos.

Zweiter Reisetag ohne Probleme

Die Steinerts kommen ohne einen weiteren Zwischenstopp endlich in Salzburg an, nach ungefähr 10 Stunden Fahrzeit. Das Hotel hat eine eigene Ladestation. "Es kommen immer öfter E-Auto Fahrer, die froh sind, dass wir direkt am Hotel eine Ladung anbieten können. Für unsere Hotelgäste ist das kostenlos, erklärt Georg Maier, Inhaber vom "Grünen Hotel zur Post".

Ausgeschlafen und mit voller Akkuladung fährt Familie Steinert weiter. Rund 220 Kilometer sind es noch bis zum Urlaubsziel Reinfnitz am Wörthersee. Nach dem ersten Tag im E-Auto sind Lars und Franziska fast Profis. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen sie nach fast 3 Stunden ihr Ziel.

Quelle: RTL.de/Luisa Graf
Glücklich und am Ende doch noch entspannt: Familie Steinert hats mit dem E-Auto bis an den Wörthersee geschafft.
© rtl.de, Luisa Graf

Fazit eines E-Auto-Abenteuers

Insgesamt haben die Steinerts 13 Stunden von Kabelsketal in Sachsen-Anhalt bis nach Reifnitz am Wörthersee gebraucht. Da sie nur zweimal kostenpflichtig geladen haben - zu Hause und auf der ersten Etappe, hat der Strom fürs E-Auto insgesamt 57 Euro gekostet. Mit einem Benziner wären es durchschnittlich 80 Euro gewesen, bei einer Fahrtzeit von 8 Stunden. Günstiger, aber eben auch länger. Und auch wenn die Reise tatsächlich entspannter war, als vorher gedacht, steht für Lars fest: "Ich würde es jetzt nicht unbedingt nochmal machen. Da es sehr zeitintensiv war." Franziska kann sich jetzt sogar ein E-Auto vorstellen. Allerdings nur für den Stadtverkehr.

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