Wichtige Fragen rund um die Coronavirus-Variante geklärt

Mit der (Booster-)Impfung gegen Omikron: Wie stark der Schutz wirklich ist

Impfstoffe, Moderna, hohe Wirksamkeit beim Boostern gegen die neue Virusvariante Omikron. 21.12.2021, Symbolbild: Impfstoffe 21.12.2021, Symbolbild: Impfstoffe *** 21 12 2021, symbol picture vaccines, Moderna, high effectiven
Wie wirksam sind Corona-Impfstoffe, wie der von Moderna, denn nun gegen die Virus-Mutation Omikron?
www.imago-images.de, imago images/MiS, via www.imago-images.de

Erster, zweiter und dritter Piks: Wie gut wirkt die Corona-Impfung wirklich gegen Omikron?

Auch in Deutschland droht die Coronavirus-Variante Omikron, die Ende letzten Jahres zum ersten Mal in Südafrika entdeckt wurde, vorherrschend zu werden. Die Ausbreitung der Mutation ist rasant. Immer noch sind nicht alle Fragen rund um Omikron geklärt, man weiß aber bisher, dass die neue Variante als besonders ansteckend gilt, aber mit milderen Krankheitsverläufen in Verbindung gebracht wird.

Trotzdem sind Experten sich einig: Nur die Impfung kann der Virus-Variante seinen Schrecken nehmen. Doch wie effektiv schützt die Grundimmunisierung wirklich gegen Omikron, wie gut der Booster? Und wird ein Booster-Booster nötig? Wichtige Fragen im Überblick.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen zum Coronavirus finden Sie in unserem Live-Ticker auf RTL.de

Wie gut wirkt die Impfung gegen Omikron?

Bei der Frage nach der Impfwirkung müsse man zwischen dem Schutz vor einer Infektion und dem Schutz vor einer schweren Erkrankung unterscheiden, sagt Immunologe Carsten Watzl der Deutschen Presse-Agentur. „Der reine Schutz vor Ansteckung mit Omikron wird mit den jetzigen Impfstoffen immer suboptimal sein“, so der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Der Grund dafür liegt darin, dass alle Impfstoffe, wie zum Beispiel von Biontech/Pfizer, Moderna und Co., für die ursprüngliche Variante (den Wildtyp) des Coronavirus entwickelt wurden. Mutationen wie Alpha, Delta und eben Omikron gab es zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Deswegen – und weil Menschen mit Grundimmunisierung oder gar Auffrischungsimpfung sich infizieren – erweckt es den Anschein, dass die Impfstoffe vor einer Omikron-Ansteckung weniger zu schützen scheinen.

Aber: „Die Impfstoffe tun trotzdem, was sie sollen: Sie schützen vor schweren Verläufen und das sehen wir aktuell bei Omikron.“

Eine gerade erst von der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA vorgestellte Analyse weist darauf hin, dass Booster-Impfungen der besonders gefährdeten Gruppe der Senioren auch bei Omikron einen hohen Schutz vor schweren Verläufen bieten. Drei Monate nach der Drittimpfung liegt der Schutz vor Einlieferung ins Krankenhaus für Menschen ab 65 Jahren demnach bei rund 90 Prozent. Der Schutz vor einer Corona-Infektion mit milden Symptomen liegt hingegen nur noch bei rund 30 Prozent, wie die vorläufigen Daten zeigen.

Wie unterscheidet sich die Impfwirkung von Grundimmunisierung und Booster-Impfung?

Eine Frau aus London erhält ihre Booster-Impfung.
Angst vor Omikron? Dann ist die Booster-Impfung alles andere als eine schlechte Idee.
www.imago-images.de, imago images/ZUMA Wire, Dinendra Haria via www.imago-images.de

Nach der Grundimmunisierung – also nach zwei Impfungen oder beim Vakzin von Johnson & Johnson nach einer Impfung – lasse der Schutz vor Ansteckung bei Omikron recht schnell nach, sagt Sebastian Ulbert, Impfstoffexperte vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie. D ie Booster-Impfung verbessert diesen Schutz zumindest für die erste Zeit nach der Impfung wieder deutlich, weil wieder mehr Antikörper gebildet werden. Der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité verwies im Podcast „Coronavirus-Update“ bei NDR-Info auf dänische Studiendaten, die zeigten, dass die dritte Impfung das Risiko für eine Omikron-Ansteckung stark senke und bei der aktuellen Verbreitungskontrolle den Unterschied mache.

Vor schwerer Erkrankung schütze hingegen wohl schon die Grundimmunisierung weiterhin recht gut, sagt Ulbert. Watzl verweist auf einen Report der britischen Gesundheitsbehörde UKHSA zur Effektivität der Impfung gegen einen schweren Verlauf mit Omikron, der dazu führe, das man ins Krankenhaus müsse. Demnach liegt der Schutz bis sechs Monate nach der zweiten Impfung bei etwa 72 Prozent, nach dem Booster sogar bei rund 88 Prozent.

Wie lange der Schutz jeweils anhalte, lasse sich im Zuge der noch jungen Omikron-Welle aber noch nicht seriös sagen, sagt Ulbert. Die Booster-Impfung weite die Schutzwirkung zumindest erheblich aus und rufe eine verstärkte Immunantwort hervor.

Lese-Tipp: Studie: Diese zwei Dinge bringen "Super-Immunität" gegen Omikron

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Welche Impfstoffe schützen am besten gegen Omikron?

Erste Studien legen nahe, dass nicht alle Impfstoffe gleich stark gegen Omikron wirken und manche Vakzin-Kombinationen bei Grundimmunisierung und Auffrischung effektiver sind. Ulbert rät aber von Pauschalaussagen dazu ab, welches Vakzin am besten schütze. Alle bisherigen Impfstoffe zeigten, dass der Schutz vor Ansteckung mit der Zeit nachlasse – dass die zirkulierenden Antikörper nach und nach weniger würden, sei normal. „Bei den wenigen Studien bisher zum Schutz vor Omikron wurden vor allem Ansteckungen oder Infektionen mit leichten Symptomen betrachtet.“ Um den Schutz vor schweren Erkrankungen beurteilen zu können, müssten die Studien länger laufen.

Watzl gibt eine erste Einschätzung: „Moderna ist der etwas bessere von den beiden mRNA-Impfstoffen – einfach, weil er die höhere Dosis verwendet.“ Mit Moderna Geimpfte seien „einen Ticken“ besser gegen Omikron geschützt als etwa mit Biontech Geimpfte.

Lese-Tipp: Diese Impfstoff-Kombi wirkt am besten gegen Omikron

Warum schwindet der Booster-Schutz?

In der Diskussion um die weitere Impfstrategie scheint klar: Auch nach der Auffrischungsimpfung wird der Schutz vor Infektionen mit der Zeit wieder nachlassen. „Die vielen Antikörper, die man nach dem Booster hat, gehen mit der Zeit wieder verloren. Das hat den Hintergrund, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert wie auf eine Infektion und erst einmal viele Antikörper produziert“, erklärt Watzl. Irgendwann würden diese aber nicht mehr gebraucht, so dass die Zahl sich deutlich reduziere. Damit steige dann auch wieder das Risiko, sich zu infizieren.

Wird deswegen der Booster-Booster nötig? Immunologe Watzl zufolge braucht es derzeit noch engmaschigen Impfschutz, weil es das wichtigste Ziel sei, die Virusverbreitung einzudämmen. Schließlich seien noch nicht alle ausreichend vor schweren Verläufen geschützt, „weil wir noch diese Impflücke haben“. Mit Blick in die Zukunft sei aber der Schutz vor schweren Verläufen das primäre Ziel – und der lasse viel langsamer nach. Bei Menschen aus Risikogruppen könnten dann zwar regelmäßige Booster sinnvoll bleiben. Bei jüngeren und gesunden Menschen sei künftig aber vorstellbar, dass keine regelmäßige Auffrischungsimpfung mehr nötig sei, solange sich das Virus nicht gravierend verändere.

Lese-Tipp: Kommt der 4. Corona-Piks jetzt schneller als gedacht?

Israelische Daten zur vierten Impfung hatten kürzlich gezeigt, dass sie zwar einen erneuten Anstieg der Antikörper bringt. Der sei zwar „gut, aber nicht ausreichend“, hatte Studienleiterin Gili Regev zu den vorläufigen Ergebnissen gesagt. Man sei kurz nach der vierten Impfung wieder auf demselben Antikörper-Stand wie kurz nach der dritten – und es könne nicht das Ziel sein, sich etwa alle vier Monate erneut gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Für gefährdete Gruppen wie Senioren sei die vierte Dosis vorerst der richtige Weg – für die übrige Bevölkerung sei das fraglich. (dpa/vdü)

VIDEO-PLAYLIST: Alles, was Sie über Corona wissen müssen

Playlist: 30 Videos

Spannende Dokus zu Corona gibt es auf RTL+

Das große Geschäft mit der Pandemie: Ausgerechnet in einer Zeit, in der jeder um seine Gesundheit bangt, finden Betrüger immer wieder neue Wege, illegal Geld zu machen. Ob gefälschte Impfpässe, negative Tests oder Betrügereien in den Testzentren – die Abzocke lauert überall. Sogar hochrangige Politiker stehen in Verdacht, sich während der Corona-Zeit die eigenen Taschen vollgemacht zu haben. Unsere Reporter haben europaweit recherchiert – die ganze Doku auf RTL+.