Daten geben keine Auskunft über Verlaufsschwere

Omikron bei zweifach Geimpften: Deutlich reduzierte Antikörper-Antwort auf die neue Variante

Eine deutlich reduzierte Antikörper-Antwort auf die Omikron-Variante zeigt eine neue Studie aus Deutschland.
Eine deutlich reduzierte Antikörper-Antwort auf die Omikron-Variante zeigt eine neue Studie aus Deutschland.
© GOWEB

10. Dezember 2021 - 10:00 Uhr

Antworten zum weiteren Verlauf der Pandemie

Wie gut bestehen die vorliegenden Impfstoffe gegen die neue Omikron-Variante des Corona-Virus Sars-CoV-2? Angesichts der offensichtlich hohen Ansteckungsfähigkeit von Omikron ist das eine Frage, die möglicherweise Antworten zum weiteren Verlauf der Pandemie gibt. Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte jetzt erste Ergebnisse einer Studie, die die Wirksamkeit der wichtigsten Impfstoffe untersucht. Allerdings sagen die Ergebnisse nichts über die mögliche Schwere von Erkrankungen aus.

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Schwächere Neutralisation gegen die neue Variante

Erste Labor-Untersuchungen zur Wirkung von Corona-Impfstoffen gegen Omikron deuten auf eine schwächere Abwehrreaktion gegen die neue Variante hin. Die Virologin Sandra Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt veröffentlichte am Mittwoch erste Ergebnisse auf Twitter, die eine deutlich reduzierte Antikörper-Antwort auf die neue Variante zeigen. "Die Daten bestärken, dass die Entwicklung eines an Omikron angepassten Impfstoffs sinnvoll ist", schrieb Ciesek dazu.

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Die Daten zeigen im Vergleich zur Delta-Variante: Bei zweifacher Biontech oder Moderna-Impfung, einmal AstraZeneca plus Biontech als Zweitimpfung gibt es nach 6 Monaten 0 Prozent Neutralisation bei Omikron, auch bei dreimal Biontech mit drei Monaten Abstand zur Boosterung nur noch 25 Prozent versus 95 Prozent bei Delta. Ciesek wies aber auch daraufhin, dass aus ihrer Auswertung nicht herauszulesen ist, ob Geimpfte bei Omikron vor einem schweren Verlauf geschützt sind. Denn die Immunantwort beruht nicht nur auf Antikörpern, sondern beispielsweise auch auf T-Zellen.

Drosten kommentiert: „Sieht nicht gut aus für zweimal Geimpfte“

Um die Wirkung eines Impfstoffes gegen eine bestimmte Variante von Sars-CoV-2 zu untersuchen, machen Forscher in der Regel sogenannte Neutralisationstests. Es wird geschaut, wie viele Antikörper ein Geimpfter im Blut hat, die an die Virusvariante binden können und sie damit ausschalten. Der tatsächliche Schutz von Geimpften kann damit aber nicht bestimmt werden, dafür braucht es klinische Studien mit Tausenden Probanden oder Auswertungen des laufenden Infektionsgeschehens.

Virologen-Kollege Christian Drosten kommentierte die Ergebnisse, ebenfalls bei Twitter. Er stellt darin fest, dass nun drei Forscherteams einen bis zu 40-fachen Verlust der Virus-Neutralisation bei Omikron durch die jetzigen Impfstoffe festgestellt hätten. "Sieht nicht gut aus für zweimal geimpft", schreibt er dort. Und empfiehlt: "Dritte Dosis erforderlich." Eine 40-fache Reduktion der Neutralisationsaktivität bedeute aber nicht, dass die Impfung 40-mal weniger schützt, so der Virologe in dem sozialen Netzwerk. Der reale Immunitätsverlust sei viel geringer. "Im Moment ist Dreifachimpfung der beste Schutz. Neue Impfstoffe erst nach der Winterwelle. Nicht warten, sondern boostern."

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Anmerkung der Redaktion: In einer vorhergehenden Version des Artikels hieß es in der Headline "Komplett-Ausfall der Antikörper-Immunantwort". Diese Darstellung war missverständlich und wurde von uns korrigiert.

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