Plötzlich Probleme beim Atmen?

Viele haben sie, wissen es aber nicht: Ambrosia-Allergie in Deutschland auf dem Vormarsch

Frau mit Wollmütze niest und fasst dich an den Hals
Die Ambrosia-Pflanze breitet sich in Deutschland aus und sorgt für immer stärkere Symptome bei Allergikern - bis in den Oktober hinein.
IMAGO / Shotshop

von Diana Heuschkel und Ingo Jacobs

Noch mehr Belastung für Allergiker! Die eingeschleppte „Aufrechte Ambrosie“, auch „Traubenkraut“ genannt, sorgt auch hierzulande für immer mehr neu entwickelte Allergien. Trifft die im Herbst auf Atemwegserkrankungen, Vorerkrankungen oder gar Covid, wird es für die Betroffenen fast unerträglich. HNO-Arzt Dr. Mark Jakob berichtet aus seiner Praxis von immer mehr Fällen. Wir haben ihn gefragt, was Betroffene jetzt tun sollten.

Ambrosia-Pflanze sorgt in den USA für Stoßzeiten bei den Ärzten

Für viele Allergiker in manchen US-Bundesstaaten ist die dritte Septemberwoche die schlimmste Zeit des Jahres. Scharenweise suchen dort Patienten dann HNO-Ärzte und Allergologen auf. Der Grund: Die Ambrosia-Pflanze stößt zu diesem Zeitpunkt die meisten Pollen aus und gleichzeitig nehmen Atemwegserkrankungen wieder zu - nicht nur wegen Corona. Eine problematische Mischung!

Lese-Tipp: So erkennen Sie die gefährliche Ambrosia-Pflanze

Auch hierzulande macht sich die Ambrosia artemisiifolia, wie sie wissenschaftlich genannt wird, immer mehr breit. Dabei handelt es sich um einen sogenannten invasiven Neophyten, einer ursprünglich nicht heimischen Art, die durch Verunreinigung von Saatgut und Vogelfutter vor etwa 150 Jahren aus Nordamerika eingeschleppt wurde. Sie wird in Deutschland systematisch bekämpft. Nur ganz wenige Pollen sind notwendig, um Symptome in der Nase oder in den Augen auszulösen. Die sind allen durch Pollen ausgelösten Allergiebeschwerden sehr ähnlich.

ARCHIV  - Mit Schutzanzug, Handschuhen und Feinstaubmaske ausgerüstet beseitigt ein angehender Forstwirt im Forstrevier Dammendorf bei Müllrose (Landkreis Oder-Spree) Beifuß-Ambrosiapflanzen (Ambrosia artemisifolia), aufgenommen am 27.08.2009. Die Am
Ambrosiapflanzen werden vernichtet.
wü lof, dpa, Patrick Pleul

HNO-Professor Dr. Mark Jakob: Fälle häufen sich

"Auch in Deutschland ist die Allergie gegen Ambrosia in den letzten Jahren auf den Vormarsch", bestätigt uns der Kölner HNO-Professor Dr. Mark Jakob. "Ich sehe in meiner Praxis zunehmend Patienten, die eine Ambrosia-Allergie neu entwickelt haben." Da diese Allergie sich erst in den letzten Jahren zunehmend ausbreitet, wüssten die Patienten aber oft noch gar nichts davon. "Wenn dann zusätzlich Covid oder ein grippaler Infekt eintritt, kann es zu ausgeprägten Lungenbeschwerden kommen", weiß der Spezialist.

Lese-Tipp: Heuschnupfen durch Klimawandel – Forscher fürchten Ambrosia-Pollen

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

In Kombination mit Asthma und Infekten: Unbedingt einen Arzt aufsuchen

In Deutschland gehe man von circa 10 bis 15 Prozent aus, die sensibilisiert seien, doch nicht jeder hat auch Beschwerden. „Wir kennen die Entwicklung jedoch aus den USA“, gibt Jakob zu bedenken. „Die Probleme werden auch hier zunehmen, weil oft Asthma mit auftritt, zusätzlich zum allergischen Schnupfen und Augentränen.“ Kommt noch Rauchen hinzu, addieren sich die Probleme mit der Lunge und es komme zu Asthma mit trockenem Husten, Luftnot und Engegefühl. „Hier ist eine Therapie unbedingt notwendig“, rät der Professor. „Der HNO-Arzt oder Lungenfacharzt sollte dann aufgesucht werden.“

Lese-Tipp: Was Heuschnupfen-Geplagte jetzt unternehmen können, damit der nächste Sommer besser wird

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen relevanten Inhalt der externen Plattforminstagram, der den Artikel ergänzt. Sie können sich den Inhalt einfach mit einem Klick anzeigen lassen und auch wieder ausblenden. Weitere Einstellungenkönnen Sie imPrivacy Centervornehmen.

Allergiezeit von sechs Monaten: Beschwerden potenzieren sich

Die Ambrosiapollen-Zeit erstreckt sich von Juli bis in den Oktober. Die betroffenen Patienten haben oft auch eine Allergie gegen Birke und Gräser. Kommt dann noch Ambrosia dazu, zieht sich die Allergiezeit mit Beschwerden bei den Patienten fast auf sechs Monate. „Die Lunge wird somit sehr lange gereizt, die Beschwerden potenzieren sich dadurch“, so der Experte. Komme dann ein Infekt hinzu, könne es bei immungeschwächten Patienten zu einer sehr großen Belastung werden.

Lese-Tipp: Was Allergiker beim Putzen und im Haushalt beachten sollten

Das rät der HNO-Experte den Betroffenen:

  • Suchen Sie bei Beschwerden im Herbst frühzeitig ihren HNO-Arzt, Allergologen oder Lungenfacharzt auf
  • Meiden Sie bei starkem Ambrosia-Pollenflug Aktivitäten an der freien Luft
  • Kontrollieren Sie die Pollenbelastung mit einer Allergiker-App
  • Duschen Sie sich kurz ab, wenn Sie nach Hause kommen
  • Spülen Sie die Pollen mit einer Nasendusche aus
  • Halten Sie daheim einen Bereich, am besten das Schlafzimmer, so pollenfrei wie möglich
  • Betreten Sie diesen Bereich nicht mit Straßenkleidung
  • Lüften Sie das Schlafzimmer am besten kurz abends oder am frühen Morgen
  • Reduzieren Sie Risikofaktoren wie das aktive oder passive Rauchen
  • Verlegen Sie Freiluftaktivitäten, falls möglich, auf die Zeit nach einem stärkeren Regenfall
HNO-Arzt Dr. Mark Jakob.
Dr. Mark Jakob erklärt, was Allergikern hilft.
Dr. Mark Jakob (Privat)

Prof. Dr. med. Mark Jakob ist Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie Spezialist für Allergologie, Schlafmedizin und plastische Operationen. Im Bereich der plastischen Gesichtschirurgie liegen seine Schwerpunkte auf ästhetischen Nasenkorrekturen und funktionellen Nasen-OPs, etwa an Nasenscheidewand und Nasennebenhöhlen. Für RTL schreibt er in seinen regelmäßigen Kolumnen über die Gesundheitsthemen, die ihm in seinem Praxisalltag begegnen.