RTL News>News>

Wladimir Klitschko: Box-Legende hofft auf Steinmeier-Besuch in der Ukraine

Bundespräsident von Selenskyj nicht in der Ukraine erwünscht

Wladimir Klitschko: Hoffe, dass der Steinmeier-Besuch nur aufgeschoben ist

15.03.2022, Ukraine, Kiew: Wladimir Klitschko, ehemaliger ukrainischer Box-Profi, spricht vor einem von den russischen Truppen beschossenen Wohnhaus mit Journalisten. Der frühere Box-Weltmeister Wladimir Klitschko ist mit einer Delegation aus der ukr
Wladimir Klitschko: „Ich halte es für dringend erforderlich, dass wir als Ukraine weiterhin Brücken nach Deutschland bauen“
mbu jai, dpa, -

Der frühere Box-Weltmeister Wladimir Klitschko setzt nach der Ablehnung eines Besuchs von Frank-Walter Steinmeier durch die Ukraine auf eine spätere Reise des Bundespräsidenten in das Land. „Ich hoffe, dass der Besuch des Bundespräsidenten in Kiew nur aufgeschoben ist und in den kommenden Wochen nachgeholt werden kann“, sagte der Bruder des Kiewer Bürgermeisters Vitali Klitschko am Dienstagabend der „Bild“-Zeitung.

„Ich halte es für dringend erforderlich, dass wir als Ukraine weiterhin Brücken nach Deutschland bauen“, betonte Klitschko. „Deutschland ist Partner Nummer eins bei der finanziellen Hilfe für die Ukraine, leistet humanitäre Unterstützung, hilft massiv Flüchtlingen und schickt immer mehr Waffen, auch wenn wir davon mehr brauchen“, fügte er hinzu.

Lese-Tipp: Alle aktuellen Informationen rund um den Angriff auf die Ukraine finden Sie jederzeit im Liveticker

Steinmeier zeigte sich enttäuscht über Absage: "Ich war dazu bereit"

Die ukrainische Regierung hatte einen Besuch Steinmeiers abgelehnt und setzt stattdessen auf eine Reise von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nach Kiew. Wladimir Klitschko sagte, Steinmeier habe in der Vergangenheit „viele Fehler“ gemacht, die der Ukraine „massiv geschadet“ hätten. Diese habe Steinmeier aber eingestanden und sich entschuldigt.

Steinmeier selbst zeigte sich am Dienstag am Rande eines Besuchs in Warschau enttäuscht über die Absage. Eigentlich hätten der polnische Präsident Andrej Duda und er verabredet, zusammen mit den Kollegen aus Estland, Litauen und Lettland nach Kiew zu reisen, "um dort ein starkes Zeichen der europäischen Solidarität mit der Ukraine zu setzen", sagte er. "Ich war dazu bereit. Aber offenbar - und ich muss zur Kenntnis nehmen - war das in Kiew nicht gewünscht", fügte er hinzu.

Unsere Reporterin Heike Boese hat den Bundespräsidenten auf der Reise begleitet. Sie sagt: Steinmeier habe dennoch erstaunlich gelassen auf die Nachricht reagiert. Was das nun für die weitere deutsche Haltung zum Ukraine-Krieg bedeutet, ordnet sie im Video unten ein.

Steinmeier in Kiew "nicht erwünscht" Ukraine-Krieg

30 weitere Videos

RTL-Reporterin Heike Boese: "Steinmeier hat erstaunlich gelassen reagiert"

"Steinmeier hat erstaunlich gelassen reagiert" Heike Boese in Berlin

30 weitere Videos

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Berlin wundert sich über die Ausladung Steinmeiers

In Berlin stieß das Vorgehen der Ukraine auf Verwunderung. "Der Bundespräsident bezieht klar und eindeutig aufseiten der Ukraine Stellung", betonte ein Regierungssprecher. Nach seiner Wiederwahl habe Steinmeier an den russischen Präsidenten Wladimir Putin appelliert: 'Lösen Sie die Schlinge um den Hals der Ukraine!' und unterstrichen, dass kein Land der Welt das Recht habe, die Selbstbestimmung und Souveränität der Ukraine zu zerstören. "Deutschland gehörte und gehört international zu den entschiedensten Unterstützern der Ukraine und dies ist eng mit der langjährigen Arbeit des heutigen Bundespräsidenten verbunden", sagte der Sprecher weiter.

Hintergrund der ukrainischen Absage dürfte Vorwürfe gegen Steinmeier sein, er habe in den vergangenen Jahren einen zu Russland-freundlichen Kurs gehabt. Auch der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, hatte den Bundespräsidenten deshalb kritisiert. Der SPD-Politiker Steinmeier hatte sich 2014 um ein Ende der Kämpfe auf dem Maidan-Platz in Kiew und zusammen mit Kanzlerin Angela Merkel um den Abschluss des sogenannten Minsker Friedensabkommens für die Ostukraine bemüht.

"Die Reise des Bundespräsidenten nach Kiew wäre ein deutliches außenpolitisches Zeichen der Solidarität gewesen", sagte SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich der "Rheinischen Post". "Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass ein Besuch des Bundespräsidenten die fortdauernde Hilfe unseres Landes hätte unterstreichen können", fügte er hinzu.

Ampel-Politiker in der West-Ukraine

GO WEB PANO Strack-Zimmermann Hofreiter Roth Ukraine
Anton Hofreiter (Grüne), Michael Roth (SPD) und Marie-Agnes-Strack-Zimmermann (FDP).

Dagegen reisten drei Ampel-Politiker am Dienstag in die Westukraine, um dort Parlamentarier des ukrainischen Parlaments zu treffen. Dabei handelt es sich um die Vorsitzenden der Bundestags-Ausschüsse für Verteidigung, Außen und Europa. Der außenpolitische Sprecher der Union, Jürgen Hardt (CDU), kritisierte, dass die Ampel-Politiker die Einladung aus dem ukrainischen Parlament nicht weitergegeben hätten und im Nachhinein mit Geheimhaltungsgründen argumentierten. Dies sei "schlechter Stil". (dpa/reuters/eku)

Unsere Reporter vor Ort, Interviews und Analysen - in unserer Videoplaylist

Playlist: 30 Videos

So können Sie den Menschen in der Ukraine helfen

Helfen Sie Familien in der Ukraine! Der RTL-Spendenmarathon garantiert: Jeder Cent kommt an. Alle Infos und Spendenmöglichkeiten hier!