Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerks warnt

Wegen Corona: Werden unsere Kinder alle mediensüchtig?

07. Mai 2021 - 12:54 Uhr

Wann wird es zuviel?

Digitale Medien und Geräte sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken, und die Vernetzung wird immer weiter zunehmen. Kinder müssen lernen, sich in dieser Welt zu bewegen, sie müssen den Umgang auch mit Smartphone, Tablet und Internet üben. Aber wann wird es zu viel? Mediensucht ist in vielen Familien ein Thema - das zeigt jetzt der Kinderreport des Deutschen Kinderhilfswerks. Und die Coronakrise hat das Problem verschärft.

"Das ist ihre Nabelschnur zu ihren Freundinnen"

Die zwölfjährige Nina kann es nicht sein lassen. Sie ist zwar nicht süchtig nach ihrem Handy, aber ohne würde es auch nicht mehr gehen. Bis zu sechs Stunden pro Tag ist sie online. Homeschooling ist einer der Gründe – aber eben auch Chats, Spiele und die sozialen Medien. "Ohne Handy könnte sie nicht leben", weiß Ninas Mutter Silke. "Das ist ihre Nabelschnur zu ihren Freundinnen, das benötigt sie, um Musik zu hören."

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Freizeitmöglichkeiten enorm eingeschränkt

Ninas Mutter kontrolliert täglich, was ihre Tochter online so treibt. Es gibt klare Regeln, auch wenn die während der Corona-Pandemie aufgelockert wurden. "Wir haben in der Corona Pandemiezeit erlebt, dass die Freizeitmöglichkeiten von Kindern und Jugendlichen enorm eingeschränkt waren, insbesondere im räumlichen Sinne", sagt Kai Hanke, stellvertretender Bundesgeschäftsführer des Deutsches Kinderhilfswerks. "Das heißt, die Kinder waren teilweise an ihr zu Hause gebunden. Dementsprechend sind die Mediennutzungszeiten auch nach oben gegangen."

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Medienkonsum um ein Viertel gestiegen

Im Durchschnitt hängen Jugendliche etwas mehr als vier Stunden pro Tag am Handy, Laptop oder Tablet. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr ist diese Zahl um rund ein Viertel gestiegen, auch wegen Corona. Schule, Lernen, Freunde - momentan findet das meistens nur online statt. Aber: Immer nur online zu sein kann auch abhängig machen. Zwölf Prozent der im Kinderreport Befragten sagen von sich, dass er oder sie nach Medien süchtig ist und es nicht mehr schafft, das Handy auch mal zur Seite zu legen. Jeder zweite Jugendliche gibt außerdem an, dass er schon mal mit Mediensucht zu tun hatte.

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Symptome: Schlafstörungen, Über- oder Untergewicht, Reizbarkeit

Die Mediensucht ist mittlerweile eine anerkannte psychische Diagnose mit teils auch körperlichen Symptome: Schlafstörungen, Über- oder Untergewicht, Reizbarkeit - eine Mediensucht kann große Probleme verursachen. Doch gerade während der Pandemie ist es schwierig, auf das Online-Sein zu verzichten.

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Eltern müssen es vorleben

Kinderärztin Dr. Susanne Epplée
Kinderärztin Dr. Susanne Epplée
© RTL, RTL NEWS

Klare Regeln können da aber auch helfen: "Ich weiß, wie schwer es ist, wenn man im Homeoffice ist und eigentlich Ruhe braucht für Telefonate und Videokonferenzen", sagt Kinderärztin Dr. Susanne Epplée, "dann ist natürlich das Bequemste, es ist Ruhe, weil irgendwas online mit den Kopfhörern gespielt wird." Trotzdem brauche eine Familie klare Essens- und Ruhezeiten. Und auch Eltern sollen ein Vorbild sein. Also: Das Handy einfach mal weglegen oder den Laptop zuklappen.

GUT ZU WISSEN: Wieviel Medienkonsum und Bildschirmzeit in welchem Alter in Ordnung ist

Wir informieren uns über Smartphones und Tablets und schauen Streams über das TV-Gerät. Klar, dass Kinder das auch machen wollen - sie möchten schließlich lernen, wie das geht. Wie viel TV- und Bildschirmzeit ist denn noch okay, haben wir Medienpädagogin Dr. Iren Schulz gefragt. Sie beantwortet als Mediencoach Fragen auf der Plattform der Initiative "Schau hin". Dort werden folgende Bildschirmzeiten empfohlen!

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