Wieviel Medienkonsum und Bildschirmzeit in welchem Alter in Ordnung ist

Weil es nicht TV sehen darf: Kleinkind zetert, wütet, bettelt - ist dieser Trick die Lösung?

Geschwisterkinder, die abends fernsehen
© Evgeny Atamanenko (Evgeny Atamanenko (Photographer) - [None], iStock, Evgeny Atamanenko

06. Juni 2020 - 10:03 Uhr

Mehr Zeit vor Glotze und Co. während Corona

Home-Office, Home-Schooling und geschlossenen Kitas und Schulen: In der Corona-Krise war und ist es für viele Eltern der einzige Ausweg, das Kind mal länger vor TV oder Tablet zu parken. Um in Ruhe ein paar Sachen zu erledigen. Um mit dem Partner ein paar Dinge zu besprechen. Oder nur um einfach mal durchzuatmen. So ging es anscheinend auch einer Nutzerin der Internet-Plattform Reddit. Dort verrät sie Ihren einfachen aber effektiven Trick, wie sie die wachsende TV-Sucht ihres Sprösslings in den Griff bekommen hat.

Reddit-Nutzerin wendet ältesten Trick der Welt an

Verstecktes TV-Gerät
Nanu, wo ist das Fernsehgerät denn bloß? Na ja, scheint weg zu sein, dann beschäftige ich mich mit etwas Anderem!
© Reddit, reddit/lizdavis17, lizdavis17

Schon direkt nach dem Aufstehen hat der zweieinhalbjährige Sohn von Reddit-Nutzerin Liz Davis anscheinend keinen größeren Wunsch, als sich vor das TV-Gerät zu setzen. Die Mutter ist verzweifelt, denn der Wunsch des Nachwuchses wird altersgerecht von Wutausbrüchen und endlosen Bettel-Einheiten flankiert. "Ich habe das nicht mehr ausgehalten", schreibt sie dort.

Ihr Lösungsansatz ist dann so alt wie bewährt: Aus den Augen, aus dem Sinn! Also versteckte sie das TV-Gerät kurzerhand hinter dem Vorhang. Das Resultat war gigantisch: Es wurde nur noch am Abend ein wenig ferngesehen. "Am Wochenende hat er sogar darum gebeten rauszugehen und selbst, als wir selbst TV geschaut haben, wollte er lieber mit seinen Spielsachen spielen", berichtet sie den anderen Reddit-Nutzern. Na, also - geht doch!

Medienkonsum der Kids ist für viele Eltern generell eine Herausforderung

Liz Davis ist mit diesem Problem beileibe nicht alleine. Die Sache mit dem Medienkonsum und der Bildschirmzeit ist für viele Eltern generell eine echte Herausforderung. Zu viel Zeit vor Displays und TV-Geräten tut den Kleinen nicht gut: Denn Kinder brauchen Bewegung und lernen mit allen Sinnen - nur gucken reicht da nicht, die Dinge müssen in Bewegung ausprobiert und erfahren werden.

Aber wir leben im Informationszeitalter und das kennt mittlerweile nicht nur noch das TV-Gerät. Wir informieren uns über Smartphones und Tablets und schauen Streams über das TV-Gerät. Klar, dass Kinder das auch machen wollen - sie möchten schließlich lernen, wie das geht. Wie viel TV- und Bildschirmzeit ist denn noch okay, haben wir Medienpädagogin Dr. Iren Schulz gefragt. Sie beantwortet als Mediencoach Fragen auf der Plattform der Initiative "Schau hin". Dort werden folgende Bildschirmzeiten empfohlen:

  • bis fünf Jahre: bis eine halbe Stunde Bildschirmzeit am Tag.
  • sechs bis neun Jahre: bis zu einer Stunde Bildschirmzeit am Tag.

Bei älteren Kindern ab zehn Jahren empfehle es sich laut "Schau hin", ein wöchentliches Zeitkontingent zu vereinbaren. Kinder können so ihre eigenen Erfahrungen machen: Werde die vereinbarte Zeit an nur zwei Tagen verbraucht, bleiben die Bildschirme für den Rest der Woche dunkel. So können Kinder lernen, sich die Zeit einzuteilen. Eine zeitliche Orientierung bietet für Kinder ab zehn Jahren folgende Faustregel:

  • zehn Minuten Medienzeit pro Lebensjahr am Tag oder
  • eine Stunde pro Lebensjahr in der Woche.

Ausnahmesituation Pandemie - aber wie geht es dann weiter?

Wenn die Kinder jetzt eine Zeit lang mehr Zeit vor dem Bildschirm verbracht haben als empfohlen wird, sei das kein Drama, so Schulz. Größere Beeinträchtigungen für die Entwicklung der Kinder seien nicht zu befürchten. Allerdings ist es wichtig, wieder zu den normalen Bildschirmzeiten zurückzufinden. Und da müssen auch die Eltern, die sich in dieser Situation natürlich viel mehr über TV und Internet informieren, mitmachen: "Macht das Ding aus und seid Vorbilder", so ihr eindringlicher Appell. Denn schon Babys werden zum Beispiel vom übermäßigen Smartphone-Konsum der Eltern geschädigt.

Wie geht sinnvoller Medienkonsum?

Auch die Auswahl an Sendungen, Videos oder Games ist ein wichtiges Kriterium für einen guten Medienkonsum. "Es gibt ja auch Bewegungsspiele auf Youtube", führt sie als Beispiel an, "die kann man vor dem TV-Gerät ausführen." Ein weiterer Tipp der Medienpädagogin: "Die Inhalte sollten nicht nur passiv konsumiert werden. Nach einer Sendung können die Kinder gefragt werden, was sie gerade gesehen haben, damit sie sich auch aktiv und verarbeitend mit den Inhalten befassen. Ein kreative Ansatz ist bei älteren Kindern beliebt: "Nicht nur Video gucken - selber eins machen", könnte eine Devise für Eltern sein, so Schulz. Nicht zuletzt sollten Eltern statt purem Verbot aber auch immer eine Alternative im Köcher haben.

Alles in allem gilt für Mediencoach Schulz: "Eltern müssen einschätzen lernen und ein Gefühl dafür bekommen, wie viel Medienkonsum ihr Kind überhaupt aushalten kann." Dafür sei es wichtig, in dieser Sache immer ein Draht zum Kind zu haben - und auf Einhaltung der vereinbarten Regeln zu pochen. Schwach werden bei Wutanfällen und Betteleien sollten sie also besser nicht – das geht nach hinten los. Dann doch lieber die Strategie der Reddit-Nutzerin Liz: Aus den Augen, aus dem Sinn!