Zuviel PC, Tablet und Smartphone

Wie der Lockdown den Kinderaugen schadet

Kinderaugen schadet zu viel Bildschirmzeit im Lockdown enorm.
Kinderaugen schadet zu viel Bildschirmzeit im Lockdown enorm.
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07. April 2021 - 14:27 Uhr

Reihenuntersuchung an Schulkindern in China

Lockdown, Schulschließungen und Homeschooling haben eine unliebsame Nebenwirkung: Einer neuen Studie zufolge wirken sie sich negativ auf die Sehkraft von Kindern aus. Indizien dafür lieferte jüngst eine Reihenuntersuchung an Schulkindern in China. Als Ursachen sehen die Forscher seltenere Aufenthalte im Freien, Homeschooling und die vermehrte Benutzung von Smartphones und Tablets. Auch bei deutschen Augenärzten sorgt die Entwicklung für Sorgen.

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Macht Corona die Kinder kurzsichtig?

Die wissenschaftlichen Beweise dafür gibt es schon länger: Computerbildschirme, Tablets und Smartphones sind nicht gut für Kinderaugen. Vor allem bei jüngeren Kindern sehen Augenärzte schon länger Gefahren. Und die Probleme, die daraus entstehen, sind oft weit schlimmer als bloße Kurzsichtigkeit. Zwar hängt die Wahrscheinlichkeit, kurzsichtig zu werden, auch davon ab, ob und wie viele Elternteile eines Kindes kurzsichtig sind – doch allein durch eine Vererbung kann die seit Jahren erkennbare Zunahme von Kurzsichtigkeit nicht mehr erklärt werden. Eine neue Studie aus China zeigt nun, dass sich das Problem wahrscheinlich auch durch Corona bedingt verschlimmert hat.

Sehstärke der Kinder nahm um -0,3 Dioptrien ab

Das Ergebnis der Studie: Im Jahr 2020 hat die Kinder-Kurzsichtigkeit und der Anteil der Fehlsichtigen allgemein deutlich zugenommen. Im Durchschnitt nahm demnach die Sehstärke der sechs- bis achtjährigen Kinder um -0,3 Dioptrien ab. "Damit zeigt sich 2020 eine substanzielle Veränderung der Kurzsichtigkeit in dieser Altersgruppe", berichten Xuehan Qian von der Universitäts-Augenklinik in Tianjin und sein Team. Bei den neun- bis 13-Jährigen war der Effekt geringer, ihre Augen verschlechterten sich im Schnitt nur um -0,1 Dioptrien.

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Räumliches Vorstellungsvermögen leidet

Der Grund für diese Zunahme liegt für die Forscher auf der Hand: Erhöhte Bildschirmzeit während des Corona-Lockdowns. Die wird durch Homeschooling verursacht – und weil Kinder wegen ausgefallener Betreuung allgemein mehr Zeit mit Tablet, Smartphone und Co. verbringen. Auch die Stiftung Auge betrachtet die Tendenz zur immer intensiveren Handynutzung durch Kinder mit Sorge. "Da Smartphone- und Tabletbildschirme immer flach sind, kann Kindern bei intensiver Nutzung der Geräte der Wechsel zwischen Nah- und Fernsehen schwerer fallen und im schlimmsten Fall das räumliche Vorstellungsvermögen leiden", sagt Professor Christian Ohrloff, Mediensprecher der Stiftung Auge jetzt in einer Pressemitteilung.

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Deswegen führt die Nutzung von Smartphone, Tablet und PC zu Kurzsichtigkeit

Wenn Kinder täglich mehrere Stunden auf das Smartphone oder Tablet schauen, erhöht dies das Risiko für die Entwicklung einer Kurzsichtigkeit, teilt die Stiftung dort weiter mit. "Daran ist zum einen die meist schlechte Beleuchtung in Innenräumen Schuld", sagt Professor Frank G. Holz, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Auge.

Zum anderen komme es zu einem erhöhten Längenwachstum des Augapfels, wenn Kinder wiederholt über längere Zeiträume auf Dinge in geringer Entfernung schauen, so der Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn. Dies führt dazu, dass sich der Abstand zwischen Netzhaut und Linse vergrößert. Dadurch stimme die Brennweite des Auges nicht mehr und Betroffene sehen in der Ferne unscharf, erklärt der Experte.

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Darauf sollten Eltern beim Homeschooling achten

Da in der aktuellen Pandemielage viele Kinder etwa beim Homeschooling aber auf Smartphones oder Tablets sogar angewiesen seien, sollte hierbei vor allem auf zwei Dinge geachtet werden, so die Stiftung: "Der Arbeitsplatz der Kinder sollte möglichst hell sein und viel Tageslicht abbekommen. Außerdem ist es wichtig, dass der Abstand zwischen Bildschirm und Augen mindestens einen halben Meter, besser noch mehr, beträgt", rät der Experte. Insgesamt sei es immens wichtig, bei Kindern auf eine gesunde Entwicklung der Augen zu achten. "Wenn der Augapfel im Kindesalter erst einmal falsch gewachsen ist und sie kurzsichtig sind, lässt sich dies später nicht mehr umkehren", so Ohrloff.

Wie kann man Kurzsichtigkeit bei Kindern entgegenwirken?

  • Aufenthalt von mindestens zwei Stunden im Freien ermöglichen.
  • Mindestens einen Abstand von 30 – 50 Zentimetern zum Medium - TV-Nutzung ist also eigentlich zu bevorzugen.
  • Möglichst einen großen Bildschirm benutzen, da dadurch automatisch mehr Distanz gehalten wird.
  • Die Kinder regelmäßig ermuntern, sich kurz zu bewegen. Dadurch nimmt der Lidschlag wieder zu und die Augen trocknen nicht aus.

Die Mediennutzung sollte zeitlich begrenzt sein

Klicksafe, die EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, empfiehlt folgende Nutzungszeiten:

  • Kinder bis 3 Jahre: maximal 5 Minuten pro Tag
  • Kinder zwischen 4 und 6 Jahre: Knapp 20 Minuten, nicht unbedingt täglich
  • Kinder zwischen 7 und 10 Jahren: Täglich etwa 30 bis 45 Minuten

GUT ZU WISSEN: Deswegen sollte Sehschwäche bei Kindern so früh wie möglich behoben werden

Auch nur kleinste Sehfehler sollten frühstmöglicht erkannt und ausgeglichen werden, empfiehlt der Berufsverband der Augenärzte. Von daher können Brillen schon für Babys sinnvoll sein. Aber wie erkennen Eltern die Sehschwäche ihres Kindes? Das erfahren Sie hier!