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Ukraine-Krise: Kann man Putins Friedens-Versprechen trauen?

Militärexperte sagt: Truppenabzug könnte „Täuschungsmanöver“ sein

Kann man Putins Versprechen trauen?

Was will Putin erreichen? Ein Psychogramm
02:22 min
Ein Psychogramm
Was will Putin erreichen?

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Alle Augen sind auf ihn gerichtet: Wladimir Wladimirowitsch Putin entscheidet über Krieg und Frieden. Zuletzt kündigt er einen Teilabzug aus der Ukraine an – aber was will der russische Präsident wirklich erreichen?

Lese-Tipp: Alle Entwicklungen im Ukraine-Konflikt lesen Sie auch in unserem Live-Ticker.

Wer traut Putins Friedensangebot?

Bilder von der ukrainischen Grenze zeigen das, was vor wenigen Tagen noch niemand erwartet hätte. Russische Truppen ziehen ab, zumindest teilweise. Russland hatte den Teilabzug zuvor bereits angekündigt. Die USA und Nato sind noch immer skeptisch. US-Präsident Biden hält einen Einmarsch weiterhin für möglich.

Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sieht noch keine konkreten Anzeichen einer Deeskalation im ukrainisch-russischen Grenzgebiet. Die Nato sei jedoch weiterhin zu Gesprächen mit Russland bereit.

Optimistischer ist die Stimmung in der Ukraine selbst. Die Regierung versteht den Teilrückzug als Zeichen der Entwarnung, und als Sieg der Diplomatie über die Bedrohung aus Moskau.

Olaf Scholz bemüht sich ebenfalls, das Beste aus der angespannten Lage herauszulesen. Nach seinem vierstündigen Gespräch mit Wladimir Putin am Dienstag sagte er: „Noch ist es nur eine kleine Hoffnung, dass dieser offizielle Teilabzug vielleicht der Anfang ist. Vom Ende dieser Krise.“ Doch wie realistisch ist diese Hoffnung vom Ende der Krise?

Könnte der Abzug ein Täuschungsmanöver sein?

Im RTL-Interview warnt Militärexperte und Brigadegeneral Erich Vad davor, vorschnell zu urteilen. „Ich glaube, man muss da sehr aufpassen“, sagt der Experte in Bezug auf Hoffnungen auf Frieden nach der russischen Ankündigung. Vad erinnert, dass zum Beispiel auch Saddam Hussein kurz vor der Invasion im Kuwait einen Teilabzug angeordnet hatte. „Die Idee vor einem Einmarsch als Täuschungsmaßnahme abzuziehen, ist weit verbreitet“, warnt der General. Man könne daher einen russischen Angriff weiterhin nicht ausschließen.

Derzeit sei sowohl ein Teilangriff als auch ein großangelegter Angriff etwa auf die ukrainischen Ballungszentren denkbar. „Die Möglichkeiten haben die Russen. Die Ukraine ist halbkreisförmig von russischen Streitkräften umzingelt“, so Vad. Einen Abzug ohne jegliche militärische Aktion hält Vad auch für unwahrscheinlich, weil Putin höchstwahrscheinlich sein Gesicht waren möchte: „Er kann jetzt auch nicht einfach nach Hause gehen, ohne Ergebnisse zu liefern.“

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Politikwissenschaftler Johannes Varwick gibt RTL in Berlin eine Einschätzung zu Putins politischer Strategie.
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Ergebnisse liefern – was bedeutet das für Putin? Politikwissenschaftler Johannes Varwick teilte RTL mit, Putin wolle „eindeutig ein Stoppsignal bei der Nato-Osterweiterung setzen“ und das inzwischen auch mit der „Drohung militärischer Gewalt.“

Putin sieht Russland vom Westen und speziell dem Nato-Militärbündnis bedrängt. Für ihn ist die Nato-Osterweiterung seit den 90er-Jahren ein Skandal. "Keinen Zentimeter Richtung Osten - das hat man uns in den 90ern versprochen, doch man hat uns betrogen", sagte Putin im Dezember letzten Jahres. Die Aussage macht deutlich, Putin fühlt sich von der Nato bedroht.

Will Putin also an der Ukraine ein Exempel statuieren? Will er zündeln? „Russland ist nicht Gaddafi oder Milošević, es ist ein relativ berechenbarer rationaler Akteur, den man auch lesen kann“, sagt Varwick.

Militärexperte Erich Vad betont, wenn es zu einem großflächigen Angriff auf die Ukraine kommt, sei auch mit dem Einschreiten der Nato zu rechnen. „Dann marschieren wir in Richtung eines Kalten Krieges“, warnt Vad. Außerdem würden Wirtschaftssanktionen greifen und das Projekt Nord Stream 2 wäre „mausetot“. Putin wisse jedoch auch, was in so einem Fall auf ihn zukomme. „Deshalb glaube ich, wenn überhaupt wird es eine begrenzte Militäroperation sein“, schätzt der Experte Putins Strategie ein. Für wahrscheinlich halte er etwa einen Teilangriff auf den Donbass.

Ist der Abzug der Anfang vom Ende oder der Auftakt des Kriegs?

Einen russischen Einmarsch wollen derzeit sowohl die Nato, als auch die Bundesregierung mit allen Mitteln verhindern. Diplomatie statt Krieg heißt das Gebot der Stunde. Große Hoffnungen setzte Deutschland auf den Besuch von Scholz in Moskau . Weiterhin soll es Gespräche mit der Nato geben.

Noch bleibt die Hoffnung, dass Putin mit dem Teilabzug das Ende der Krise signalisiert. Gleichzeitig befürchten Experten, dass der russische Präsident etwas ganz anderes plant und der Abzug der Auftakt einer folgenreichen russischen Truppenbewegung sein könnte. (jbr)

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