Emotionales Treffen im Weißen Haus zum ersten Todestag

George Floyds Angehörige bei US-Präsident Biden: Was er sagt kommt von Herzen

26. Mai 2021 - 20:02 Uhr

Floyds Familie zu Gast bei Biden und Harris

"I can't breathe" – ich kann nicht atmen. Es sind Worte, die sich tief in das Gedächtnis vieler Menschen gebrannt haben. Es war der letzte Satz des gewaltsam getöteten Afroamerikaners George Floyd. Wenige Minuten nachdem er ihn aussprach, erstickte er unter dem Knie des Ex-Polizisten Derek Chauvin. Der Vorfall, der große Proteste nach sich zog, ist jetzt ein Jahr her. Zum ersten Todestag Floyds luden US-Präsident Joe Biden und Vize-Präsidentin Kamala Harris die Angehörigen ins Weiße Haus ein.

Verurteilung von Derek Chauvin war "wichtiger Schritt"

Derek Chauvin wurde mittlerweile schuldig gesprochen.
Derek Chauvin wurde mittlerweile schuldig gesprochen.
© AP, JE

Biden forderte nach dem circa einstündigen Gespräch im Weißen Haus weitere Maßnahmen gegen Rassismus und Polizeigewalt. Die Verurteilung des weißen Polizisten Derek Chauvin wegen Floyds Tod im vergangenen Monat sei ein wichtiger Schritt in Richtung Gerechtigkeit gewesen, sagte er. "Aber unser Fortschritt kann dort nicht aufhören." Biden appellierte an den Kongress, ein nach George Floyd benanntes Gesetz für Polizeireformen zu verabschieden. "Um eine wirkliche Veränderung herbeizuführen, müssen wir Rechenschaft ablegen, wenn Polizeibeamte ihren Eid verletzen." Er hoffe darauf, dass er das Gesetz bald unterzeichnen könne. "Wir müssen handeln. Wir stehen an einem Wendepunkt."

George Floyds Familie unterstützt Gesetz für Polizeireform

Bei einer öffentlichen Stellungnahme vor dem Weißen Haus forderten nach dem Treffen auch Floyds Angehörige eine Verabschiedung des Gesetzes. Sein Bruder Philonise Floyd sagte: "Wenn man Bundesgesetze machen kann, um den Vogel, den Weißkopfseeadler, zu schützen, kann man auch Bundesgesetze machen, um People of Color zu schützen."

Biden hatte versucht, das Gesetz spätestens zum Jahrestag von Floyds Tod zu beschließen – vergeblich. Die Demokraten haben den Entwurf zwar im März verabschiedet. Man sei aber im Senat auf die Stimmen einiger Republikaner angewiesen, die sich quergestellt hatten. (dpa/dky)

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Floyds Tochter Gianna: "Papa hat die Welt verändert"

George Floyd ist zum Symbol für den Kampf gegen Rassismus geworden.
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Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Bundesregierung Anreize für das Verbot von Würgegriffen bei Polizeieinsätzen schafft. Die Immunität von Polizisten soll eingeschränkt werden, um Strafverfolgung nach unzulässiger Gewaltanwendung zu erleichtern. Außerdem soll eine nationale Datenbank für polizeiliches Fehlverhalten aufgebaut werden. Damit soll erschwert werden, dass gewalttätige Polizisten nach einer Entlassung bei anderen Polizeibehörden anheuern.

An dem Gespräch mit Biden und Harris im Weißen Haus nahmen mehrere Angehörige Floyds teil, darunter auch dessen siebenjährige Tochter Gianna. Biden erinnerte in seiner Mitteilung daran, wie das Mädchen ihm vor der Beerdigung ihres Vaters gesagt habe: "Papa hat die Welt verändert." Biden fügte nun hinzu: "Das hat er."

George Floyds Tod löste weltweite Proteste aus

Floyds Tod am 25. Mai 2020 in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota hatte in den USA Demonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst, die über Monate anhielten. Daraus entstand die so genannte "Black Lives Matter"-Bewegung.

Wegen der Tötung Floyds wurde der Polizist Chauvin im April in einem Verfahren in Minneapolis unter anderem wegen Mordes zweiten Grades schuldig gesprochen. Das Strafmaß wurde noch nicht verkündet. Der Prozess gegen drei mutmaßliche Komplizen Chauvins soll im März kommenden Jahres beginnen. Auf Videos ist dokumentiert, wie Chauvin vor einem Jahr sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals presste, während der 46-Jährige flehte, ihn atmen zu lassen.