Prozess in Minneapolis

Getöteter George Floyd: Das kritzelte Ex-Polizist Derek Chauvin vor der Verurteilung auf seine Hand

Prozess um getöteten George Floyd: Ex-Polizist Derek Chauvin schrieb die Nummer seines Anwalts auf seine Hand.
Prozess um getöteten George Floyd: Ex-Polizist Derek Chauvin schrieb die Nummer seines Anwalts auf seine Hand.
© Reuters, POOL

24. April 2021 - 10:41 Uhr

Urteil: Derek Chauvin ist schuldig in allen Anklagepunkten

Knapp elf Monate nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd haben die Geschworenen ihr Urteil über Derek Chauvin gefällt: Der weiße Ex-Polizist ist schuldig in allen Anklagepunkten. Als er nach dem Schuldspruch aus dem Saal geführt wurde, fiel auf, dass Chauvin sich etwas auf seine Hand gekritzelt hatte. Jetzt wurde bekannt, um was es sich dabei handelt.

Im Prozess des getöteten George Floyd: Derek Chauvin ahnte, was auf ihn zukommen würde

Offenbar ahnte Chauvin, was auf ihn zukommen würde. Er war bislang gegen Kaution auf freiem Fuß gewesen. Das änderte sich, als Richter Peter Cahill ihn schuldig sprach. Chauvin werde in Gewahrsam des Bezirks-Sheriffs genommen, sagte Cahill und widerrief auf Antrag der Staatsanwaltschaft nach dem Schuldspruch die Kaution. Laut des Portals "TMZ" wollte der Ex-Cop vorsorgen und hatte sich genau für diesen Fall die Nummer seines Anwalts auf seine Hand geschrieben.

Chauvins Anwalt Eric Nelson sagte, sein Mandant habe gewusst, was im Falle eines Schuldspruchs auf ihn zukommen könnte. Der Ex-Polizist sei sich bewusst gewesen, dass er nur eingeschränkten Zugang zu einem Telefon haben werde, aber seinen Anwalt kontaktieren darf. Nach dem Urteil wurde Chauvin direkt aus dem Saal geführt und hatte keine Möglichkeit mehr, mit Nelson zu sprechen. "TMZ" vermutet, dass der Verurteilte die Nummer seines Anwalts nicht auf ein Stückchen Papier geschrieben hatte, um zu verhindern, dass dies beschlagnahmt wird.

Verteidigung kann noch Berufung gegen Derek Chauvins Urteil einlegen

Der schwerwiegendste Anklagepunkt gegen Chauvin lautet Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Darauf stehen im US-Bundesstaat Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Nach deutschem Recht entspräche dies eher Körperverletzung mit Todesfolge. Zudem wurde Chauvin auch wegen Mordes dritten Grades schuldig gesprochen, was mit bis zu 25 Jahren Haft geahndet werden kann. Auch muss er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen.

Das genaue Strafmaß soll in acht Wochen vom Richter festgelegt werden. Chauvins Verteidigung könnte noch Berufung gegen das Urteil einlegen.

Video zeigt George Floyds Festnahme: Er wehrte sich nicht

Die Erwartungen an das Verfahren waren in den USA immens: Viele Menschen, darunter viele Schwarze, hofften auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzt. Bei einem Freispruch oder einer kurzen Haftstrafe befürchteten Experten neue Gewaltausbrüche. US-Präsident Joe Biden sagte am Dienstag, er bete dafür, dass das "richtige Urteil" gefällt werde.

Wegen einer möglichen Eskalation schickte der Bundesstaat Minnesota Tausende Nationalgardisten nach Minneapolis. Das Gerichtsgebäude, aber auch die Polizeistationen und der Ort, an dem George Floyd starb, wurden abgeriegelt und zusätzlich geschützt. Viele Geschäftsleute verbarrikadierten ihre Läden. Nach Floyds Tod war es in Minneapolis bei Protesten zu Ausschreitungen gekommen; mehrere Gebäude gingen damals in Flammen auf. Floyds Tod hatte die "Black Lives Matter"-Proteste weltweit verbreitet.

Wieder Polizeigewalt im US-Bundesstaat Minneapolis: Weiße Polizistin erschießt Schwarzen

Der Großraum Minneapolis wird bereits seit einer Woche erneut von vereinzelten Protesten erschüttert. Der Auslöser war ein tödlicher Schuss einer weißen Polizistin auf den 20-jährigen Schwarzen Daunte Wright bei einer Verkehrskontrolle im Vorort Brooklyn Center.

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