So findet ihr die MitgliedskarteienNazi-Akten veröffentlicht – jetzt kann jeder herausfinden, ob Oma und Opa drin standen

Millionen Namen, ein dunkles Kapitel!
Das US-Nationalarchiv stellt erstmals alle überlieferten Karteikarten von NSDAP-Mitgliedern zur Verfügung. Damit kann nun jeder nach seinen Vorfahren suchen – doch die Ergebnisse sind mit Vorsicht zu betrachten. Alles, was ihr zu dem Archiv wissen müsst.
Millionen NSDAP-Karteikarten jetzt frei zugänglich
Was lange verborgen blieb, ist jetzt für alle sichtbar: Das US-Nationalarchiv hat eine riesige Sammlung von NSDAP-Mitgliedsdaten ins Netz gestellt (die Seite findet ihr HIER). Darin finden sich Millionen Einträge mit Namen, Geburtsdaten, Eintrittsdatum und teils sogar Fotos. Zum ersten Mal lässt sich dieses Material durchsuchen – und das kostenlos. Für viele bedeutet das: Die eigene Familiengeschichte könnte plötzlich ganz neue Facetten bekommen.
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Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs traten rund 8,5 Millionen Menschen der NSDAP bei. Für jedes Mitglied legte die Partei akribisch mehrere Karteikarten an. Dass diese Dokumente überhaupt noch existieren, ist einem mutigen Entschluss zu verdanken: Kurz vor Kriegsende widersetzte sich ein Verantwortlicher dem Befehl zur Vernichtung – und versteckte die Unterlagen. So blieben große Teile, wohl rund 80 Prozent, erhalten.
Nach dem Krieg landeten die Karteien bei den Alliierten und wurden unter anderem zur Überprüfung ehemaliger NSDAP-Mitglieder genutzt.
Historiker warnen vor Deutung der Datenbank
Wer jetzt neugierig wird und selbst recherchieren möchte, braucht Geduld. Die Datenbank ist alles andere als selbsterklärend.
Hilfreich ist es, Namen in der Form „Nachname, Vorname“ einzugeben – idealerweise in Anführungszeichen. Auch Geburtsdaten können die Suche deutlich erleichtern. Wer zusätzlich den Wohnort kennt, hat noch bessere Chancen. Ein Klick auf einen Treffer führt oft zu umfangreichen Dokumenten. Dort hilft eine Trefferliste, die richtige Stelle zu finden – aber nur, wenn man direkt aus der Suche darauf zugreift.
So spannend die Recherche auch ist: Die Ergebnisse sollte man mit Vorsicht betrachten. Ein Historiker warnt im Gespräch mit dem Spiegel davor, vorschnelle Schlüsse zu ziehen. Denn die Daten sind lückenhaft. Ein fehlender Eintrag bedeutet nicht automatisch, dass jemand kein NSDAP-Mitglied war. Gleichzeitig sagt ein Eintrag allein noch nichts über persönliche Überzeugungen aus. Besonders wichtig ist das Eintrittsdatum: Wer schon vor 1933 beitrat, galt oft als überzeugter Anhänger des Regimes.
Die Online-Datenbank kann ein erster Schritt sein – mehr aber auch nicht. Wer tiefer in die eigene Familiengeschichte eintauchen will, kommt an weiteren Archiven und fachlicher Einordnung kaum vorbei. Trotzdem gilt: Noch nie war es so einfach, sich mit der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen. (fkl)
Verwendete Quellen: Spiegel, National Archives Catalog


