Mutter und ihr Freund sollen ihn getötet haben

Tim (2) in Querfurt totgeschlagen - Nachbarin klagt: Warum griff das Jugendamt nicht ein?

21. Juli 2020 - 20:12 Uhr

Querfurt: Seine Schwester kämpfte noch für den kleinen Tim

Tim (2) aus Querfurt in Sachsen-Anhalt erlitt offenbar Höllenqualen vor seinem Tod.  Das Obduktionsergebnis zeugt davon, dass er totgeschlagen und vorher schwer misshandelt wurde. Dafür verantwortlich sollen seine Mutter, Uta F. (36), und ihr Lebensgefährte, Dennis K. (30), sein. Beide schweigen zu dem Vorfall. Eine Nachbarin berichtet im RTL-Interview von monatelanger häuslicher Gewalt, Tims Schwester habe mehrfach um Hilfe geschrien. Doch das Jugendamt hätte nichts unternommen, wie die Nachbarin im Video erklärt.

„Die Schwester vertraute sich in ihrer Verzweiflung mehrmals uns Nachbarn an"

Als Tim noch ein Baby war, schwärmte die Mutter von ihrem "Sonnenschein".
Als Tim noch ein Baby war, schwärmte die Mutter bei Facebook von ihrem "Sonnenschein"
© Privat

Uta F. stellte sich auf Facebook als liebende Mutter dar, doch das Bild der Nachbarn war offenbar ein ganz anderes. Eine Nachbarin (Name der Redaktion bekannt) schrieb in einem Brief an RTL: "Die Schwester des kleinen Tim vertraute sich in ihrer Verzweiflung mehrmals uns Nachbarn an – also quasi völlig fremden Menschen." Die Nachbarschaft hätte versucht zu helfen, mehrmals sei die Polizei trotz anonymen Notrufs gar nicht gekommen oder nur vorbeigefahren.

Die Nachbarin schildert, regelmäßig habe man deutlich hören können, dass sich häusliche Gewalt in der Wohnung von Uta F. abspielte. Der kleine Tim war zu klein, um sich zu wehren, doch seine ältere Schwester soll Polizisten bei einem der Vorfälle, wo Nachbarn die Polizei riefen, gesagt haben: "Nein, ich möchte nicht mehr dahin, wir werden geschlagen." Wie die Nachbarin berichtet, sollen die Beamten daraufhin den Kopf geschüttelt und ihre Ratlosigkeit, warum das Jugendamt nichts unternehme, geäußert haben.

Einige Wochen später soll eine andere Nachbarin dann Tims Halbschwester kurzfristig aufgenommen haben, seitdem lebt diese bei ihrem leiblichen Vater. Doch Tim blieb bei seiner Mutter und ihrem Lebensgefährten – bis zu seinem Tod.

Jugendamt hält dicht, Innenminister kündigt Ermittlungen an

Auf RTL-Anfrage ist das Jugendamt nicht zu einem Interview bereit. Schriftlich heißt es: "Da der Vorfall in Zusammenhang mit einem laufenden Ermittlungsverfahren steht, können zum jetzigen Zeitpunkt keine Auskünfte gegeben werden." Der Bürgermeister von Querfurt, Andreas Nette, erklärte im RTL-Interview, man stünde mit dem Jugendamt in Kontakt, mehr könne man dazu nicht sagen.

Ob es bei der Polizei Versäumnisse gab, wird derweil bereits geprüft. Das kündigte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht am Dienstagnachmittag an. Hintergrund seien Vorwürfe von Nachbarn. "Wir haben diese zum Anlass genommen, das eingehend zu prüfen", sagte der CDU-Politiker. Die Staatsanwaltschaft erklärte auf RTL-Anfrage, es werde geprüft, ob strafbare Pflichtverletzungen seitens der Polizei und des Jugendamts vorliegen.

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Uta F. aus Querfurt steht im verdacht, ihren 2-jährigen Sohn totgeschlagen zu haben.
Uta F. steht im Verdacht, ihren zweijährigen Sohn totgeschlagen zu haben.
© Privat

Am Samstag wurden die Ermittler wegen des toten Kindes alarmiert.  Später gab Staatsanwalt Klaus Wiechmann beim MDR bekannt: "Das Ergebnis spricht ganz eindeutig für äußere Gewalteinwirkung." Detailliert schildert er die brutal klingenden Fakten: "Das Kind ist – juristisch banal gesagt – totgeschlagen worden. Hautunterblutungen, Verletzungen der inneren Organe, Unterblutungen am Kopf – die Verletzungen machen deutlich, dass das Kind ein Martyrium durchlitten haben muss."

Ein Martyrium, das Nachbarn als vermeidbar beschreiben. Wütend fragt eine der Anwohnerinnen in ihrem Brief, der RTL vorliegt: "Was sagt man nun der Schwester, die den Mut aufgebracht hat sich in ihrer Verzweiflung an fremde Menschen zu wenden, um ihren kleinen Bruder zu beschützen? Wer erklärt ihr, dass ihr Bruder nun tot ist, obwohl sie sich mehrmals anvertraut hat?

Eine Bekannte der Mutter glaubt: Der kleine Tim wurde von seinen Schmerzen erlöst.