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Putins Sicherheitsrat als Show? Übertragung im russischen TV war gar nicht live

Armbanduhren verraten ihn

Putins Sicherheitsrat als Show? Übertragung im russischen TV war gar nicht live

Putin unterzeichnet die Anerkennung der Separatistengebiete
Putin unterzeichnet die Anerkennung der Separatistengebiete
www.imago-images.de, imago images/ITAR-TASS, Alexei Nikolsky via www.imago-images.de

Russlands Präsident Wladimir Putin könnte das Dekret über die Anerkennung der selbst ernannten „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk möglicherweise bereits Stunden vor der Ausstrahlung im russischen Staatsfernsehen unterschrieben haben. Auf den Fernsehbildern aus dem Kreml ist Putins Armbanduhr zu sehen, deren Stundenzeiger auf der Drei steht. Gesendet wurden die Aufnahmen im russischen Staatsfernsehen jedoch erst ab etwa 22:35 Uhr Moskauer Zeit. Zuvor war Putin dort bei einer Fernsehansprache zu sehen. Und auch ein paar andere Details machen stutzig.

Lese-Tipp: Alle Entwicklungen im Ukraine-Konflikt lesen Sie auch in unserem Live-Ticker.

Wie lange stand Putin Entscheidung schon fest?

Auch die Sitzung des nationalen Sicherheitsrates Russlands, die das Staatsfernsehen ab etwa 17:00 Uhr Moskauer Zeit als angebliche Live-Übertragung ausstrahlte, könnte vorab aufgezeichnet worden sein. Auf Uhren von Teilnehmern, die im Video zu erkennen sind, steht der Stundenzeiger zwischen der Zwölf und der Zwei.

Zudem ist mindestens eine Sequenz in der Übertragung doppelt zu sehen: Sie zeigt unter anderem Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin als Zuhörer. Der identische Ausschnitt taucht als sogenanntes Schnittbild im Abstand von rund 20 Minuten zweimal auf.

Auch diese Armbanduhr ist verräterisch
Auch diese Armbanduhr ist verräterisch
Screenshot

Russische Fernsehsender verkaufen es als "Live-Übertragung"

Die Hinweise im Video wecken Zweifel daran, dass Putin eine Entscheidung zur Anerkennung der „Volksrepubliken“ als unabhängige Staaten erst nach der Sitzung des Sicherheitsrats traf. Gegen Ende der angeblichen Live-Übertragung am frühen Abend hatte Putin eine solche Entscheidung lediglich angekündigt.

Dem Verifizierungsteam von RTL ist ein weiteres Detail aufgefallen: Der Generalstaatsanwalt Krasnov wurde komplett rausgeschnitten. Man kann im Video nur noch das Ende seines Abgangs erahnen. Die Frage ist, wie lange man benötigt, um eine über anderthalb Stunden lange Sitzung zu prüfen, zu schneiden und an Fernsehsender zu überspielen, damit sie drei bis vier Stunden nach ihrem tatsächlichen Beginn ausgestrahlt werden kann. Es ist also sogar möglich, dass die Sitzung bereits am Vortag aufgezeichnet wurde und Putins Entschluss also am Montagabend längst feststand.

Auf der Internetseite des russischen Staatsfernsehens wird der Mitschnitt weiter als Live-Übertragung bezeichnet. In den sozialen Netzwerken kamen aufgrund der sichtbaren Uhren aber rasch Vermutungen auf, dass es sich um eine Aufzeichnung und nicht um eine Live-Sendung handeln könnte. Nutzer berichten, ein russischer Fernsehsender habe schnell erklärt, dass die Uhr des Verteidigungsministers fünf Stunden nachgehe.

Auch der staatliche russische Sender RT kündigte die Übertragung als „live“ an – erst im Nachhinein wurde das YouTube-Video als Aufzeichnung deklariert.

Live oder doch Aufzeichnung?
Live oder doch Aufzeichnung?
Screenshot / Montage: RTL
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Russische Soldaten in Ostukraine

Am Montag hatte Putin per Dekret auch die Entsendung russischer Soldaten in die Ostukraine angewiesen. Russland hat nach westlichen Angaben etwa 150.000 Soldaten an der Grenze zum Nachbarland Ukraine zusammengezogen. Moskau widerspricht seit Wochen hartnäckig Befürchtungen des Westens, dass ein Einmarsch in die Ukraine bevorstehen könnte.

Die Anerkennung der Volksrepubliken belastet die ohnehin gespannten Beziehungen weiter. Russland fordert von den USA einen militärischen Rückzug aus weiten Teilen Osteuropas und Verhandlungen über eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa. (dpa/ema/rcl)

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