Prozess um fünffachen Mord in Kassel

So dreist täuschte die falsche Ärztin Meike W. ihr Umfeld

28. Januar 2021 - 15:58 Uhr

Fünf Menschen durch Behandlungsfehler getötet?

Dieser Fall macht fassungslos: Eine Frau gibt sich jahrelang als Narkose-Ärztin in einer Klinik im hessischen Fritzlar aus – ohne ärztliche Zulassung oder Ausbildung. Fünf Menschen sind gestorben – vermutlich wegen der falschen Behandlung durch die 50-Jährige. Weitere Patienten haben dauerhafte Gesundheitsschäden. Nun beginnt der Prozess gegen die Hochstaplerin am Kasseler Landgericht. Im Video zeigen wir, wie es ihr gelang, ihr Umfeld jahrelang zu täuschen – und wie dreist sie dabei wirklich vorging.

Untersuchungshaft seit 2019

Seit November 2019 sitzt die Fake-Ärztin in Untersuchungshaft. Die Liste der Vorwürfe gegen die Angeklagte ist lang. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr unter anderem Mord in fünf Fällen in Tateinheit mit unerlaubter Ausübung der Heilkunde vor, versuchten Mord in elf Fällen in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Urkundenfälschung sowie den Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen.

Angeklagte erschlich Krankenhaus-Job durch gefälschte Zulassung

Die heute 50-Jährige war laut Anklage zwischen 2015 und 2018 im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar (Schwalm-Eder-Kreis) beschäftigt. Sie hatte sich demnach den Job durch eine gefälschte Zulassung und unter Vortäuschung einer ärztlichen Qualifikation erschlichen. Dabei arbeitete sie unter anderem als Assistenzärztin in der Abteilung für Anästhesie und soll dort mehrfach eigenverantwortlich Patienten betäubt haben - obwohl sie nicht über die nötige Ausbildung verfügte.
In fünf dieser Fälle seien Patienten aufgrund der Fehlbehandlungen gestorben. In weiteren elf Fällen sollen die Betäubungen Folgeschäden nach sich gezogen haben.

Selbst nach den Todesfällen betrog sie weiter

Selbst danach machte die Frau laut Anklage weiter: Unter anderem soll sie durch Betrug ein teures Auto finanziert und Ende 2018 für vier Monate in einer Klinik in Schleswig-Holstein als Reha-Ärztin gearbeitet haben. Die Öffentlichkeit scheute sie nicht. So sei die Frau auch in Nordhessen als freie Dozentin in einer Schule für Gesundheitsberufe aufgetreten und habe die akademischen Titel "Dr. med." und "Dr. Dr." geführt.

Letztendlich hatte die Angeklagte Selbstanzeige wegen Anstellungsbetrugs gestellt, allerdings ging parallel auch eine Anzeige der Landesärztekammer Hessen ein. Denn die mutmaßliche Betrügerin war bei einem Mitgliedschaftswechsel der Ärztekammer von Hessen nach Schleswig-Holstein aufgeflogen, als ein Mitarbeiter Unstimmigkeiten in der Approbationsurkunde entdeckte.

Es sind zunächst 13 Verhandlungstage bis Ende März angesetzt. Zum Auftakt soll neben der Anklageverlesung ein Zeuge und ein Sachverständiger gehört werden.

Quelle: dpa/ RTL.de