Richter ermahnt den angeklagten Rapper

Fler lacht über Polizeiaussagen bei Prozessauftakt: "So ein Blödsinn“

15. Januar 2021 - 16:15 Uhr

Prozess gegen Fler in Berlin: Neuverhandlung wegen Krankheit des Rappers

Auf Polizisten ist Rapper Fler nicht gut zu sprechen, wie er heute im Gerichtsaal mehrfach beweist. Gleich elf Beamte sagten heute gegen den 38-Jährigen aus. Sie berichten von aggressivem Verhalten und primitiven Beleidigungen. Vor Gericht äußert sich Fler dazu nicht, doch was er von den Vorwürfen hält, erzählt er der RTL-Reporterin im Video.

Fler drohen zwei Jahre Haft

Der Rapper Fler ist wieder gesund und bereit zur Vernehmung. Eigentlich hatte die Verhandlung gegen den 38-Jährigen schon am 4. November begonnen. Aufgrund einer Erkrankung des Rappers wurde aber die maximale Frist zwischen den Gerichtsterminen überschritten. Deshalb beginnt das Verfahren heute von vorne.

Patrick Losensky alias Fler werden in der Sammelklage acht Punkte vorgeworfen, unter anderem Beleidigungen gegen die Polizei und im Internet, versuchte Nötigung eines Journalisten, Sachbeschädigung durch Graffiti und Fahren ohne Führerschein. Nicht mitverhandelt wird hingegen Flers Angriff auf einen RTL-Kameramann. Dem 38-Jährigen drohen zwei Jahre Haft ohne Bewährung.

RTL-Gerichtsreporterin Samina Faizi ist dabei

Um 9:49 Uhr verweigert Fler am Morgen zunächst die Aussage. Trotzdem meldet sich der Rapper während der Verhandlung später ein Mal ungefragt zu Wort. Erstmal reden aber die Zeugen, darunter auch Polizisten, die den Rapper im September 2019 in seinem weißen Daimler-Mercedes mit ausländischem Kennzeichen kontrolliert hatten. Sie berichten vom aggressiven Verhalten Flers. "Er schaute mich mit seiner hasserfüllten Fratze an und schlug direkt mit voller Wucht auf seine Windschutzscheibe. Ich dachte sie geht kaputt", sagt einer der Beamten aus.

Sein Kollege erzählt: "Mir war klar, dass ich ihn auf einer Sachebene nicht erreichen kann. Deswegen warteten wir auf die anderen Beamten. Ich bin mir sicher, in dem Moment, wo ich ihn angefasst hätte, wäre er körperlich geworden."

Strafrechtlich geht es bei diesem Vorfall um minutenlange Beleidigungen gegen die Polizisten: "Es sind Worte gefallen wie Lappen und Schwanz. Meine Oma hätte früher gesagt, wasch dir den Mund mit Kernseife aus, mein Junge", sagt einer der Zeugen.

Fler wird vom Richter ermahnt

Ein Polizist erzählt, Fler habe sich von Anfang an aufgespielt und darauf verwiesen, dass er der Rapper sei. Plötzlich fängt der 38-Jährige im Saal des Berliner Amtsgerichts an, zu lachen und ruft abfällig: "Ich soll ihm gesagt haben, ich bin Fler? Also so ein Blödsinn." Daraufhin wird er vom Richter ermahnt.

Der Rapper kritisiert das Verfahren scharf. Er hat selbst Strafanzeige gegen zwei Polizisten gestellt. Sein Anwalt bezeichnet die Anklagepunkte heute als schwammig und schikanös und sowie keinesfalls ausreichend, um einen so umfangreichen Prozess während der Corona-Pandemie zu führen. So seien beispielsweise Beleidigungen im März 2020 gegen Rapper Bushido und dessen Ehefrau Anna-Maria im Kontext des Rap-Milieus zu beurteilen und keinesfalls mit Beleidigungen unter Normalpersonen zu vergleichen. Anna-Maria hatte er mehrfach als "Nutte" beleidigt.

Rache für Abou-Chaker-Prozess?

Vielmehr vermutet der Verteidiger eine bewusste Stimmungsmache der Staatsanwaltschaft gegen Fler, weil dieser sich weigerte, im Prozess gegen den Clan-Chef Arafat Abou-Chaker auszusagen – anders als Rap-Kollege Bushido. Auch in diesem Prozess war es am Mittwoch um die Einordnung von Beleidigungen im Rap-Milieu gegangen.

Ein weiterer Vorwurf gegen Fler lautet, er habe die Adresse eines Journalisten rausgefunden und ihm damit gedroht, ihm die Zähne auszuschlagen. Für den Prozess sind vier Verhandlungstage angesetzt.