Schrecklicher Tod in Pforzheimer KlinikFixierter Patient verbrennt – Ärzte und Pfleger vor Gericht

29.01.2026, Baden-Württemberg, Karlsruhe: Blick auf die Anklagebank im Schwurgerichtssaal des Landgerichts zu einem Prozess wegen eines tödlichen Brands in einer Pforzheimer Klinik. Ein Patient verbrannte in der Klinik, weil er auf seiner Liege mit Gurten fixiert war. Zwei Ärzte und zwei Pflegekräfte sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Einem der Angeklagten wird auch Freiheitsberaubung mit Todesfolge vorgeworfen.
Die Angeklagten standen am 29. Januar vor dem Landgericht in Karlsruhe.
Uli Deck/dpa

Wer hat Schuld?
Innerhalb weniger Minuten und in Todespanik schreiend verbrennt ein auf einer Liege fixierter Patient (58) in einem Krankenhaus in Pforzheim (Baden-Württemberg). Nun stehen zwei Ärzte und zwei Pflegekräfte vor Gericht – die Vorwürfe wiegen schwer!

Pfleger sind in Zigarettenpause, als das Feuer wütet!

Die Angeklagten waren laut Anklage für den Mann zuständig, der 2023 auf so schreckliche Weise starb. Mehrere Vorschriften rund um die Fixierung sollen versäumt worden sein. Drei der Beschuldigten wird fahrlässige Tötung vorgeworfen, einem der Ärzte sogar Freiheitsberaubung mit Todesfolge. Dieser wies die Vorwürfe gleich zum Verhandlungsauftakt über seinen Verteidiger vollumfänglich zurück.

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Der 58 Jahre alte Patient war in einer Pforzheimer Klinik im Mai 2023 mit Gurten auf einer Liege gefesselt verbrannt: Er hatte versucht, die Gurte mit einem Feuerzeug in Brand zu setzen, um sich zu befreien. Stattdessen fingen Matratze und die Kleidung des Mannes Feuer. Das Klinikpersonal konnte die Flammen des in einem Zimmer neben der Notaufnahme untergebrachten Mannes so schnell nicht löschen. Als das Feuer ausbrach, seien die beiden angeklagten Pflegekräfte in einer Zigarettenpause gewesen, hieß es.

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58-Jähriger wurde in der Notaufnahme aggressiv

Eingeliefert worden war der 58-Jährige mit einer Kopfplatzwunde, nachdem er auf einem Parkplatz betrunken und unter Medikamenteneinfluss stehend gestürzt war. Er habe psychisch angeschlagen gewirkt, sei aber letztlich einsichtig gewesen, sagte die Notfallsanitäterin, die ihn auf dem Weg ins Krankenhaus betreut hatte. In der Notaufnahme hatte er sich laut Anklage aber aggressiv verhalten, einen Drucker geworfen und eine Pflegekraft geschlagen.

Um sich und andere nicht zu gefährden, sei er an beiden Beinen, beiden Armen und dem Oberkörper auf einer Liege angegurtet – und dann laut Staatsanwaltschaft über Stunden entgegen den Vorschriften unbeaufsichtigt gelassen worden. Eigentlich ist in solchen Fällen eine Eins-zu-eins-Betreuung vorgeschrieben. Auch eine richterliche Genehmigung, wie sie für eine längere Fixierung unerlässlich ist, gab es den Vorwürfen zufolge nicht.

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„Verbrannte bei lebendigem Leib und vollem Bewusstsein”

Er „verbrannte bei lebendigem Leib und vollem Bewusstsein”, sagte Anwalt David Schneider-Addae-Mensah, der die Frau des Opfers und auch dessen drei erwachsene Kinder als Nebenkläger vertritt. Die Witwe sei seither traumatisiert und in Therapie. Die stundenlange Fixierung und die fehlende Sitzwache seien ein klarer Verstoß gegen die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes.

Die Beweisführung dürfte sich schwierig gestalten. Vorwürfe gegen weitere Mitarbeiter der Klinik waren fallengelassen worden. Für den Prozess mit insgesamt neun Verhandlungstagen sind neun Zeugen und vier Sachverständige geladen, außerdem will das Gericht ein Gutachten erstellen lassen. Ein Urteil könnte am 19. März fallen. (nlu/dpa)

Verwendete Quellen: DPA