Gangsterrap trifft auf Juristendeutsch

Absurde Diskussion bei Abou-Chaker-Prozess: "Was bedeutet f***en?"

Yasser Abou-Chaker bei seinem ersten Prozess Tag nach der Haftentlassung
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20. Januar 2021 - 9:42 Uhr

Verhandlung gegen Arafat Abou-Chaker verschoben

Fast einen Monat lang lag der Prozess zwischen Deutschrapper Bushido und Clan-Chef Arafat Abou-Chaker auf Eis. Schon vergangene Woche sollte es weitergehen, aber wegen der Corona-Erkrankung eines Kammermitglieds musste die Verhandlung verschoben werden. Nachdem der Rapper zuletzt im Saal den Tränen nah war, wirkte der 17. Prozesstag heute fast unfreiwillig komisch. Zumindest die Angeklagten mussten sich das Lachen verkneifen, denn es ging um die Bedeutung einer ganz bestimmten Beleidigung.

Mitangeklagter Yasser Abou-Chaker nicht mehr in U-Haft

Der Tag beginnt mit einer Premiere: Zum ersten Mal kann auch der mitangeklagte Bruder Yasser Abou-Chaker das Berliner Landgericht durch den Vordereingang betreten. Er wurde vergangene Woche unter Auflagen aus der U-Haft entlassen. Gemeinsam mit seinen Brüdern Arafat, Rommel und Nasser verfolgt er amüsiert die Befragungen zu Bushidos Einlassungen vor einem Monat. Im Mittelpunkt: Der 18 Januar 2018, der Tag an dem Arafat und seine Brüder Bushido eingeschlossen, bedroht und verletzt haben sollen.

Bei seiner Aussage im Dezember hatte der Rapper, der mit bürgerlichem Namen Anis Ferchichi heißt, Tränen in den Augen. Besonders getroffen hatte ihn diese Beleidigung Arafats: "Ich werde deinen Vater f***, dann f*** ich deine Mutter, dann deine Frau, deine Kinder und wenn ich mit denen fertig bin, dann f*** ich dich."

Bushido als Beleidigungs-Experte vor Gericht

Die Nachfragen der Staatsanwälte und Verteidiger führten heute zu absurden Szenen. Hochseriös diskutieren die Richter, Anwälte und Bushido die Bedeutung der Beleidigungen. Die Kammer fragt: "F***en ist ein Synonym für viele Dinge. Was ist damit gemeint?"

Bushido antwortet: "Ich benutze es selbst. Es besteht natürlich ein Unterschied zum körperlichen Akt. Darüber sprechen wir nicht. Arafat wollte damit sagen, dass er keinen Respekt vor irgendwelchen Grenzen hat." Mit ernster Miene geht Bushido weiter ins Detail: "Mutterf***en bedeutet nicht, sie anzutatschen, sondern die Ehre zu verletzen. Die Ehrverletzung hat mir die Tränen in die Augen getrieben. Natürlich hat die Drohung des Mutterf***ens eine finanzielle Grundlage."

Bushido wirkt im Laufe des Prozesses immer gereizter

Die Intention des Rappers ist klar: Er will erklären, dass er körperlich und psychisch bedrängt wurde, als er versuchte, die Geschäftsbeziehung zum Clan-Chef zu beenden: "Arafat hat nie vorgehabt, sich zu trennen, beziehungsweise mir zu erlauben, sich zu trennen", sagt Bushido.

Laut der RTL-Gerichtsreporterin Samina Faizi wirkt Bushido bei seinen Antworten zunehmend gereizt, weit entfernt von seinem showhaften Auftreten zu Beginn des Prozesses. Offenbar zehrt die mühsame Detailarbeit der Justiz an seinen Nerven. Die Angeklagten dagegen müssen sich angesichts der absurd anmutenden Diskussion das Lachen verkneifen. Am 18. Januar, also genau drei Jahre nach den heute diskutierten Vorfällen, soll die Befragung des Rappers weitergehen.