Weil sie am letzten Prozesstag mit Arafat Abou-Chaker sprach

Anwalt von Bushido will RTL-Reporterin als Zeugin laden

Bushido vor Gericht im Prozess gegen Abou-Chakers
© dpa, Paul Zinken, pdz lop fux

16. Dezember 2020 - 18:14 Uhr

Schockmoment für RTL-Reporterin

Seit vier Monaten läuft der Prozess gegen Arafat Abou-Chaker bereits. Seit vier Monaten sitzt auch RTL-Reporterin Samina Faizi im Gerichtssaal und verfolgt das Geschehen aus dem Hintergrund. Doch heute am 16. Prozesstag zieht sie plötzlich alle Blicke auf sich, als Bushidos Anwalt einen ungewöhnlichen Antrag stellt: Faizi soll als Zeugin gehört werden.

Gereizte Stimmung am Landgericht Berlin

RTL-Reporterin Samina Faizi ist wieder vor Ort
16. Prozesstag im Fall Arafat Abou-Chaker
© RTL

Gleich zu Beginn nimmt RTL-Reporterin Faizi eine andere Stimmung im Gerichtssaal wahr. Bushido wirkt auf sie gereizt, wird dieses Mal von acht statt fünf bis sechs Personenschützern bewacht und liefert sich direkt zu Beginn genervte Diskussionen mit den Verteidigern der Abou-Chakers.

Bevor Bushido mit seiner Aussage beginnt, stellt sein Anwalt dann einen Antrag: Er will eine Zeugin hören – und zwar Samina Faizi, RTL-Reporterin und Prozessbeobachterin. "Als mein Name gefallen ist, war ich natürlich im ersten Moment wie vom Schlag getroffen. Ich habe versucht mir nichts anmerken zu lassen und regungslos zuzuhören", schildert Faizi den Moment.

Bushido: "Ich muss aufpassen, was ich sage."

Alle im Saal fixieren sie sofort mit ihren Blicken: die Pressekollegen, die Abou-Chaker-Brüder, die Anwälte und natürlich auch Bushido. "Wir hatten bestimmt fünf Sekunden direkten Augenkontakt. Er wollte sehen, wie ich das aufnehme. Ich denke, dass ihm unsere letzte Überschrift nicht gefallen hat. Zumindest hat er im weiteren Verlauf einige Male gesagt: 'Ich muss aufpassen, was ich sage, sonst ist das wieder überall zu lesen'", erklärt Faizi. In dem Artikel ging es unter anderem um Bushidos Aussage, dass Arafat Abou-Chaker ihn zum Weinen gebracht hatte.

Doch was war passiert? Wie kommt es zu dem Antrag?

15. Prozesstag- RTL-Reporterin und Abou-Chaker-Brüder im Flur des Gerichts
15. Prozesstag- RTL-Reporterin und Abou-Chaker-Brüder im Flur des Gerichts
© RTL

Bereits seit dem Prozessbeginn ist Faizi als Gerichtsreporterin vor Ort, beobachtet die Angeklagten Abou-Chaker und auch den Kläger Bushido. Auch beim letzten Prozesstag ist sie dabei und berichtet auf rtl.de über die Neuigkeiten des Prozesses. Im Artikel wird auch erwähnt, was Arafat Abou-Chaker ihr beim 15. Verhandlungstag in der Pause auf dem Flur zu den Vorwürfen gesagt hat: "Es ist alles gelogen. Es geht nur ums Geld."

In der Hauptverhandlung sagt Arafat Abou-Chaker nicht aus. Da er allerdings mit Reporterin Faizi gesprochen hat, soll sie nun dazu gehört werden. Der Quellenschutz würde laut Nebenklage weg fallen, da die Quelle ja bekannt ist.

Heute keine Entscheidung mehr über den Antrag

Nach dem kurzen Schockmoment für Faizi geht es dann mit Bushidos Aussage weiter. Heute wird wieder einmal deutlich, welche Rolle seine Frau Anna-Maria in seinem Leben spielt. Nachdem Arafat und seine Brüder Bushido eingesperrt, bedroht und verletzt haben sollen, ist es seine Frau, die die Sache in die Hand nehmen will.

Sie geht nicht nur ohne Bushidos Wissen zur Polizei und nimmt Kontakt mit dem LKA auf, sondern vereinbart auch ein Treffen mit Arafat, um endlich zu klären, wie er und Bushido ihr Geschäftsverhältnis auflösen können. "Meine Frau hat permanent das Wort ergriffen und hat Ansage gemacht.", beschreibt Bushido das Treffen. Sie soll zu Arafat auch gesagt haben: "Das was du gemacht hast, geht nicht. Entweder wir finden einen Kompromiss oder Du bekommst gar nichts." Es folgt ein weiteres Treffen, doch wieder kommt es zu keiner finalen Einigung.

Bereits vor der Mittagspause endet der Verhandlungstag, denn wegen des Lockdowns wurde etwas verkürzt. Ob RTL-Reporterin Faizi wirklich als Zeugin aussagen muss, wird heute nicht mehr entschieden. Jetzt heißt es: Abwarten bis zum nächsten Prozesstag im neuen Jahr.