„Die Kinder lieben ihn”Sebastian S. soll seine Familie gequält haben – für seine neue Frau unvorstellbar

Angeklagter soll unter Psychosen leiden.
Sebastian S. soll seine frühere Familie jahrelang kontrolliert und gequält haben – so der Vorwurf vor dem Landgericht Bremen. Während er einige seiner Taten am zweiten Prozesstag (12. Februar) einräumt, stellt sich seine heutige Ehefrau Katharina S. vor ihn und erzählt, wie das Leben mit ihm ist.
Sebastian S. räumt Taten zum Teil ein
Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft liest sich wie das Drehbuch zu einem Psychothriller: Sebastian S. soll seine damalige Partnerin und deren Töchter über Jahre, von 2013 bis 2019, mit einem perfiden Lügenkonstrukt isoliert, kontrolliert und gequält haben: Er gab sich laut Anklage als BKA-Mitarbeiter und Arzt aus, redete der Familie ein, sie lebe im Zeugenschutzprogramm und die Drogenmafia sei hinter ihnen her. Er soll schwere Krankheiten erfunden und Medikamente verbareicht haben. Außerdem soll er die Mädchen immer wieder in ihr Zimmer eingesperrt haben, wo ihnen statt einer Toilette nur ein Eimer blieb.
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Am zweiten Prozesstag räumt der Angeklagte am Landgericht Bremen viele der Vorwürfe ein, bestreitet einige Taten jedoch und erklärt, er könne sich nicht an alles genau erinnern. Über seine Anwältin lässt Sebastian S. mitteilen, er befinde sich in einer gesundheitlich schwierigen Situation. Der 45‑Jährige leide an Psychosen, die Stimmen erzeugen und ihm sagen würden, was er tun solle. Die Verantwortung für das Geschehene sehe er nicht allein bei sich, sondern betont, seine ehemalige Partnerin sei mit der Situation und ihren Kindern erheblich überfordert gewesen.
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Jetzt spricht seine Neue!
Am zweiten Prozesstag sagt nun seine neue Ehefrau Katharina S. über Sebastian S. aus. Die beiden lernen sich 2019 kennen. Damals ist er noch mit seiner späteren Ex‑Freundin, die heute als Nebenklägerin auftritt, zusammen. Kurz darauf trennt er sich, geht mit Katharina S. eine Beziehung ein und zieht mit ihr zusammen. Über seine frühere Beziehung spreche der 45‑Jährige kaum, doch das fände die 53‑Jährige nicht ungewöhnlich, weil sie selbst aus einer schwierigen Beziehung komme. Sie könne sich nicht vorstellen, dass ihr Mann zu den vorgeworfenen Taten fähig sei. Katharina S. hat selbst zwei Kinder. Das Zusammenleben mit ihrem neuen Partner sei immer harmonisch gewesen. „Die Kinder lieben ihn“, sagt sie vor Gericht.
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Allerdings habe sich sein Zustand in der gemeinsamen Zeit verschlechtert: Er antworte zum Beispiel plötzlich auf Dinge, „obwohl niemand gefragt habe“, schildert sie. Nach ihren Angaben befindet sich Sebastian S. bereits in psychiatrischer Behandlung.
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Er will Schmerzensgeld zahlen: Prozess geht weiter
Vor Gericht lässt der Angeklagte über seine Anwältin ein Angebot machen: „Die Verteidigerin des Angeklagten hat erklärt, dass er anbietet, an die beiden geschädigten Kinder ein Schmerzensgeld in Höhe von jeweils 1.500 € zu zahlen”, erklärt Gerichtssprecher Jan Stegemann im Gespräch mit RTL. Sollte sich bestätigen, dass der Angeklagte unter einer psychischen Krankheit leidet, könnte sich herausstellen, dass seine Schuldfähigkeit zur Tatzeit vermindert war und das würde sich auf seine Strafe auswirken. Am 19. Februar wird der Prozess am Landgericht Bremen fortgesetzt, dann soll auch die Ex‑Partnerin von Sebastian S. als Nebenklägerin aussagen.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche




