Nutzen-Risiko-Abwägung

Mediziner Dr. Specht: "Ich würde meine Kinder nicht impfen lassen"

31. Mai 2021 - 11:12 Uhr

Dr. Christoph Specht: "Nicht jedes Kind impfen!"

Ab dem 7. Juni können nun auch Kinder und Jugendliche geimpft werden, das haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten heute beim Impfgipfel beschlossen. Inzwischen hat die Europäische Arzneimittelagentur EMA den Impfstoff von Biontech ab zwölf Jahren zugelassen. Aber wie sinnvoll ist eine Corona-Impfung für diese Altergruppe wirklich? Ärzte sind sich uneinig. So sagt etwa der Allgemeinmediziner und selbsternannte Impf-Fan Dr. med. Christoph Specht, er würde seine Kinder nicht impfen lassen. Warum - das sehen Sie im Interview im Video.

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"Impfen ist immer eine Entscheidung zwischen Nutzen und Risiko!"

In den USA und in Kanada ist bereits ein Covid-19-Impfstoff für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Wie es bei uns weitergeht, entscheidet sich vielleicht schon diesen Freitag. Die Frage, ob sie ihre Kinder überhaupt gegen das Coronavirus impfen lassen sollten, bereitet vielen Eltern rauchende Köpfe. Das Problem für viele Eltern: Nicht mal die Kinderärzte sind sich einig, was in puncto Corona-Impfung das Beste für die Kleinen ist.

Allgemeinmediziner und Medizinjournalist Dr. Christoph Specht hat eine klare Meinung zu diesem Thema und findet es unnötig, gesunde Kinder zu impfen. Er sagt, die Wahrscheinlichkeit, dass sie schwer an Corona erkranken, sei zu gering. "Wir wissen, dass Kinder, vor allem die [...] unter 12-Jährigen, wenn sie dann auch kommen würden, ein so geringes Risiko haben, dass ich hier sagen würde: Nein, warum sollen wir sie denn impfen?", so Dr. Specht. "Ich würde da kranke Kinder auf jeden Fall impfen, aber nicht jedes Kind."

Es gibt Befürworter und Kritiker

Es gibt Kinderärzte, wie Dr. Martin Karsten aus Berlin, die sagen: "Es sind ja Impfstoffe, die nicht ganz neu sind", "die sind weltweit bereits millionenfach erprobt, und wir wissen, dass es sehr sichere Impfstoffe sind, ohne starke Impfreaktionen." Grundsätzlich, sagt Dr. Karsten, sei ja schon lange bekannt, dass die Altersgruppe der 12- bis 18-Jährigen Impfstoffe generell gut vertrage, und es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass Kinder die Corona-Impfung schlechter verarbeiten. Kritiker sind jedoch der Meinung, dass Risiken höher als Nutzen sein könnten. Der Münchner Kinderarzt Dr. Martin Hirte argumentiert zum Beispiel in einem Online-Video: Kinder hätten starke Risiken der Impfung zu tragen, und das ihr Leben lang. Deswegen fordert er: "Keine Notfallzulassung schlecht geprüfter Impfstoffe, und keine Impfung von Kindern - das wäre Kindeswohlgefährdung." Tatsächlich erkranken Kinder weniger stark an Covid-19 oder Folgeerkrankungen wie PIMS, räumt Karsten ein. Aber für den Kinder- und Jugendarzt ist es wichtiger, dass Kinder bald wieder zur Schule gehen können und am sozialen Leben teilhaben können - da sei die Impfung ein Baustein.

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Wird es zusätzlichen Impfstoff für Kinder geben?

Wie aus einem Beschlussprotokoll, das RTL vorliegt, hervorgeht, sollen Kinder und Jugendliche sich um Termine "insbesondere bei den niedergelassenen Ärzten bemühen". Berlin Regierender Bürgemeister Michael Müller stellte bei der Pressekonferenz jedoch klar, dass es keinen zusätzlichen Impfstoff speziell für Kinder und Jugendliche geben werde. Auch soll es für sie keine Priorisierung geben. Sie müssen sich die vorhandenen Menge also mit den übrigen Menschen teilen.

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