Forscherin wurde auf Joggingrunde überfallen

Mordfall Suzanne Eaton: Mörder auf Kreta zu lebenslanger Haft verurteilt

13. Oktober 2020 - 23:12 Uhr

Entsetzen über Tod von Dresdner Forscherin

Angefahren, missbraucht, erstickt – die Umstände des Todes der Dresdner Wissenschaftlerin Suzanne Eaton sorgen auch über ein Jahr nach der Tat für Entsetzen. Die zweifache Mutter wurde am Rande eines Expertentreffens auf der griechischen Insel Kreta ermordet. Seit Dienstag musste sich der mutmaßliche Täter vor Gericht  in der kretischen Küstenstadt Rethymno verantworten. Die Richter verurteilten den 28-jährigen Angeklagten zu lebenslanger Haft.

Giannis P. bestritt die Vergewaltigungsvorwürfe vor Gericht

Giannis P. - Sohn eines Priesters, verheiratet, zwei Kinder - hatte zugegeben, die Biologin mit seinem Wagen zweimal angefahren zu haben. Der damals 27-Jährige hatte die Frau nach Angaben griechischer Medien dann vergewaltigt und die Leiche in einen Schacht geworfen, der während des Zweiten Weltkriegs als Bunker genutzt worden war.

Der Verurteilte hatte während des Verfahrens geltend gemacht, es habe sich um einen Unfall gehandelt, und hatte die Vergewaltigung stets bestritten, berichtete die griechische Zeitung "To Proto Thema". Er habe seine ursprünglichen Aussagen auf Druck der Polizei hin gemacht. Das Gericht sah es aber als erwiesen an, dass er die 59-jährige US-Amerikanerin vergewaltigt und getötet hatte. Mildernde Umstände, die die Verteidigung vorgebracht hatte, erkannte das Gericht nicht an.

Leiche von Suzanne Eaton wurde in Höhle gefunden

Suzanne Eaton war am 2. Juli 2019 in der Nähe von Kolimbari auf Kreta zu einer Joggingrunde aufgebrochen und nicht mehr zurückgekehrt. Die mehrfach ausgezeichnete Biologin sollte als Gastrednerin bei einem Expertentreffen in der kleinen Hafenstadt auftreten. Doch dazu sollte es nicht kommen: Während ihres Laufs wurde die 59-Jährige laut Staatsanwaltschaft mit dem Auto angefahren, missbraucht und erstickt. Wanderer fanden den Leichnam sechs Tage später in einer Höhle nahe der Ortschaft Maleme, rund zehn Kilometer von Kolimbari entfernt. Ganze sieben Meter tief führt der Schacht, in den Eatons Mörder die Leiche warf. Die Höhle wurde während des Zweiten Weltkriegs von der deutschen Wehrmacht, die die Insel damals besetzt hatte, als Depot für Munition und Waffen benutzt.

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Angeklagtem Giannis P. droht lebenslange Haft

In einer schusssicheren Weste sitzt der Angeklagte Giannis P. (unten rechts) im Gerichtssaal.
In einer schusssicheren Weste sitzt der Angeklagte Giannis P. (unten rechts) im Gerichtssaal.
© AP, Giannis Angelakis, TS

Giannis P. habe sich gezwungen gesehen, die Frau niederzureißen, als er sie am Straßenrand joggen sah, sagte er aus. Das psychiatrische Gutachten beschreibt Giannis P. als zynisch und kalt, laut eigener Aussage hätte ihn schwarze Magie zur Tat getrieben.

Eatons Ehemann: "Meine Frau fehlt jeden Tag"

Dr. Anthony Hyman, Suzanne Eatons Ehemann und Direktor des Dresdner Max-Planck-Instituts, ist für den Prozessauftakt nicht nach Kreta gereist. Zu schwer belaste ihn das Geschehene, wie er in einem Gespräch mit dem Mitteldeutschen Rundfunk erzählt. "Meine Frau fehlt jeden Tag und dann ist es sehr schwierig, ohne sie zu leben. Ich glaube, meine Frau hat sich sehr gefreut, die Kinder als Erwachsene zu sehen und wie sie heiraten", so Hyman.

An ihrem Todestag: Max-Planck-Institut erinnert an Suzanne Eaton

Familie trat als Nebenkläger auf

Eine griechische Anwältin wird Eatons Ehemann und die gemeinsamen Söhne im Gerichtssaal als Nebenkläger vertreten. Anthony Hyman erhoffte sich eine gerechte Strafe für den Mörder seiner Frau. "Ich habe keine Rachegefühle in mir drin, sondern nur Traurigkeit und Sehnsucht, was man sagen kann in solchen Momenten. Ich bedaure, dass wir diese Zukunft, die wir zusammen erwartet haben, nicht mehr zusammen haben können"

Eaton galt als galt als Koryphäe auf ihrem Gebiet

Die aus Oakland (Kalifornien/USA) stammende Biologin war 2000 an das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik nach Dresden gekommen, wo ihr Mann einer der Direktoren ist. Mit ihrem Team erforschte sie an Fruchtfliegen, wie Zellen miteinander kommunizieren, um Gewebe einer bestimmten Größe und Form zu bilden. Als Professorin am Biotechnologischen Zentrum der TU Dresden war sie zudem maßgeblich beteiligt am Erfolg der Hochschule in der Exzellenzinitiative.