Wenn Emotionen unser Essverhalten bestimmen

Wie Sie Frustessen ganz einfach stoppen können

11. Mai 2022 - 9:03 Uhr

von Thorsten Sleegers

Frust, Stress oder Ärger lassen uns schneller zu Schokolade, Chips oder auch Alkohol greifen. Ich kenne dieses Phänomen nur zu gut. Aber warum ist das eigentlich so, und wie kann ich das sogenannte emotionale Essen in den Griff bekommen? In einem Selbstexperiment will ich genau das herausfinden. Der Ernährungsexperte Alexander Nicolai begleitet mich dabei und zeigt mir einfache Tricks für den Alltag.

"Ich brauche erst mal Nervennahrung"

Kennen Sie das auch? Sie stehen im Stau, haben sich über jemanden geärgert oder sind einfach nur gefrustet. Der Griff zum sogenannten "Seelentröster", wie etwa dem Schokoriegel, ist vorprogrammiert. "In dem Moment versuchen wir, unsere Emotionen durch Essen zu kompensieren", erklärt der Ernährungsexperte Alexander Nicolai. Bei vielen Menschen geht so eine Handlung auf die frühe Kindheit zurück. Hat man sich nicht benommen, musste man ohne Essen ins Bett, hatte man die Eins in Mathe, gab es zur Belohnung eine Tafel Schokolade. Die große Kunst ist es, das Essen von den Gefühlen zu entkoppeln. Darum geht es in meinem Reporter-Selbstexperiment.

Negative Gedanken können dick machen

Das klingt erst mal kurios, aber tatsächlich haben viele von uns etwa während der Corona-Pandemie zugenommen. Gesundheitsstudien belegen, dass viel mehr Süßigkeiten konsumiert und deutlich mehr Alkohol getrunken wurde. Als die Pandemie dann gefühlt auf der Zielgeraden war, kam direkt das nächste belastende Ereignis, der Krieg in der Ukraine. Obwohl ich Reporter bin und seit mehr als 20 Jahren auch solche Ereignisse hautnah in der Berichterstattung mitbekomme, belastet mich die Situation emotional sehr.

Eine Woche lang habe ich in einem Videotagebuch mein Essverhalten dokumentiert. Egal ob der Schokoriegel im Stau auf der Autobahn oder das Bier aus der Mini-Bar im Hotel, während ich die neuesten Nachrichten aus den Kriegsgebieten verfolge. Mir fällt auf, dass ich permanent aus bedrückenden Emotionen heraus esse oder trinke. Das will ich jetzt ändern!

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Die S.T.O.P.-Regel soll helfen

Dreharbeiten zum RTL-Experiment
Thorsten Sleegers und Alexander Nicolai
© RTL, Bilderhafen Produktions GmbH, Dennis Drechsler

Ernährungsexperte Alexander Nicolai gibt mir einige hilfreiche Tipps mit an die Hand. Die S.T.O.P.-Regle etwa ist ein guter Leitfaden für alle, die etwas an diesem Verhalten ändern wollen.

S steht für "Situation annehmen, ohne Wertung", T für "Tue etwas anderes" (Ersatzhandlung), O für "Ordne Deine Gedanken" und P für "Plane die Zukunft". Wie das in der Praxis funktioniert, teste ich in Phase 2 meines Experiments. Während der ganzen Zeit werde ich gesundheitlich überwacht, vor allem mein Blutzuckerspiegel und die sogenannte Herzfrequenzvariabilität. Letztere gibt nämlich Aufschluss darüber, wie schnell sich mein Körper nach einer emotionalen Belastung wieder entspannen kann.

Das überraschende Ergebnis sehen Sie im Video. Außerdem sprechen wir im Podcast "Gesund Gefragt" ganz ausführlich über das Phänomen "Emotionales Essen".