100.000 Corona-Tote in Deutschland

Mehr Männer unter den Opfern: Grafik zeigt, wer die Corona-Toten wirklich sind

Insgesamt starben deutlich mehr Männer als Frauen an Covid-19.
Insgesamt starben deutlich mehr Männer als Frauen an Covid-19.
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26. November 2021 - 11:09 Uhr

RKI-Wochenbericht bringt Licht ins Dunkel

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach bringt gerne den Vergleich mit einem Flugzeugabsturz, wenn es um die täglichen Corona-Toten geht. Mittlerweile gab es tausende dieser Abstürze, denn die Zahl der an oder mit Corona gestorbenen Menschen in Deutschland hat insgesamt die Schwelle von 100.000 Toten überschritten. Das geht aus aktuellen Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Doch welche Menschen stecken hinter dieser Zahl? Der RKI-Wochenbericht bringt Licht ins Dunkel und erlaubt eine Annäherung.

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Die meisten Todesopfer über 70 Jahre alt

Es ist nicht viel über die Todesopfer bekannt, die in den letzten 20 Monaten ihr Leben lassen mussten. Eine Statistik des RKI verrät ein paar Eckdaten, die die Zahlen leichter greifbar machen. Etwa die Hälfte aller deutschen Opfer war über 84 Jahre alt oder älter. Jede vierte Person über 90 Jahren starb seit Beginn der Pandemie im März 2020 an einer Infektion.

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Der überwiegende Großteil der Gestorbenen, 86 Prozent, sei 70 Jahre und älter gewesen. Mit dem Alter steigt bei Corona das Risiko für schwere und tödliche Verläufe. Die Zahl der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 20, die in dem Zusammenhang starben, ist laut Bericht mit 33 wesentlich niedriger. Die Todesfälle bei jungen Menschen prüft das RKI einzeln.

Männer sterben eher an Corona

Ein weiterer Unterschied zeigt sich beim Geschlecht: Insgesamt starben deutlich mehr Männer als Frauen an Covid-19, obwohl sich etwa gleich viele Männer und Frauen angesteckt hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann an einer Corona-Infektion stirbt, ist etwa 40 Prozent höher als bei einer Frau. Studien haben verschiedene mögliche Ursachen dafür gefunden. Demnach kommt ein Rezeptor, über den das Coronavirus Zellen attackiert, bei Männern häufiger vor. Auch scheint die Immunabwehr von Frauen besser gegen das Virus gerüstet zu sein, wie andere Untersuchungen nahelegen. Männer leiden zudem häufiger an Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Beschwerden, Krebs oder chronischen Lungenkrankheiten.

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Vorerkrankte und Schwangere haben erhöhtes Risiko

Neben dem Alter und dem Geschlecht gehen auch eine Reihe von Vorerkrankungen und Behinderungen mit einem höheren Covid-19-Risiko einher. Wie die Ständige Impfkommission aufzählte, gilt das etwa bei dialysepflichtigen chronischen Nierenerkrankungen, Demenz, Down-Syndrom, starkem Übergewicht, Diabetes, bestimmten Lungenerkrankungen und psychiatrischen Erkrankungen wie schwerer Depression. Auch Schwangere haben ein deutlich erhöhtes Corona-Risiko: Ärzte berichteten wiederholt von Fällen, in denen Babys noch gerettet werden konnten, die Mütter aber starben.

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Wer arm ist, für den endet Corona häufiger tödlich

Was man ebenfalls sagen kann: Wer arm ist, für den endet Corona häufiger tödlich - das jedenfalls legen zwei Studien des RKI nahe, die den sozialen Status der Todesopfer berücksichtigen. Grundlage ist der "German Index of Socioeconomic Deprivation" (GISD), der Landkreise und kreisfreie Städte in sozial Stärkere und Schwächere aufteilt.

Während der zweiten Welle zum Jahreswechsel 2020/2021 starben in Regionen mit schlechteren Lebensbedingungen 50 bis 70 Prozent mehr Menschen an einer Corona-Infektion als in Regionen mit besseren, schreibt das RKI. Experten führen das auf Wohn- und Arbeitsverhältnisse zurück, die das Risiko einer Ansteckung und damit eines tödlichen Verlaufs erhöhen. Auch litten ärmere Menschen häufiger an Vorerkrankungen.

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Winter fordert die meisten Toten

Die meisten Corona-Toten gab es laut RKI im vergangenen Winter mit teils mehr als 1.000 pro Tag gemeldeten Fällen. Momentan sind die Sterbezahlen wesentlich niedriger, obwohl es deutlich mehr Infektionen gibt. Dass jetzt weniger Infizierte sterben, liegt auch daran, dass große Teile der Bevölkerung geimpft sind - insbesondere bei älteren Menschen, die anfälliger für schwere Verläufe sind.

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Laut RKI gehen in die Statistik Todesfälle ein, bei denen ein laborbestätigter Corona-Nachweis vorliegt und die in Bezug auf diese Infektion verstorben sind. Erfasst werden demnach sowohl Menschen, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind, als auch Infizierte mit Vorerkrankungen, bei denen sich nicht abschließend die Todesursache bestimmen lässt.

Mehr Tote in anderen EU-Ländern

Gegenüber anderen Industrienationen steht Deutschland bei den Toten-Zahlen noch vergleichsweise gut da, wie aus Daten der Johns-Hopkins-Universität (JHU) in Baltimore hervorgeht. Deutlich mehr Tote pro 100.000 Einwohner sind es in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien. Fast doppelt so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie Deutschland verzeichnen die USA, mehr als dreimal so viele sind es in Bulgarien. Dagegen gibt es in Dänemark bislang weniger als halb so viele Corona-Tote pro 100.000 Einwohner wie in Deutschland. Allerdings ist zu beachten, dass die Zahlen wegen unterschiedlicher Meldesysteme nur bedingt Vergleiche zulassen. (dpa/ntv/lkr/ija)