Bei Kontakt zu Infizierten!

Epidemiologe fordert Quarantäne auch für Geimpfte!

Sollten geimpfte Kontaktpersonen in Zukunft auch wieder in Quarantäne gehen?
Sollten geimpfte Kontaktpersonen in Zukunft auch wieder in Quarantäne gehen?
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26. November 2021 - 10:31 Uhr

Infektionszahlen steigen weiter

von Maximilian Storr

Wer vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist und Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatte, muss derzeit nicht in Quarantäne. Doch ist das bei den explodierenden Fallzahlen (heute 76.414 Neuinfektionen) wirklich die richtige Entscheidung? Wir haben mit Experten gesprochen und beim Robert-Koch-Institut nachgefragt.

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Vorsorglich in Quarantäne? Auch RKI diskutiert

Prof. Timo Ulrichs ist Epidemiologie und betreut einen Lehrstuhl an der Akkon-Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin. Dort setzen sie im Kollegium um, was Ulrichs für ganz Deutschland fordert: Wer Kontakt zu einer corona-positiven Person hat, muss sich – unabhängig von seinem Impfstatus – in Quarantäne begeben. "Die Einschläge kommen auch bei uns näher. Wir hatten gerade den Fall, dass ein vollständig geimpfter Beschäftigter unserer Hochschule in der Familie Kontakt zu einer mit Corona infizierten Person hatte. Er geht jetzt vorsichtigerweise in Quarantäne. Das wäre genauso ein vorsorgliches Verhalten, das man jetzt an den Tag legen sollte, um in dieser schwierigen Phase dazu beizutragen, dass die Zahlen nicht immer weiter steigen", erzählt er RTL. Sollten vollständig Geimpfte also künftig wieder bei Kontakt zu Infizierten in Quarantäne? Darüber wird offenbar auch im Robert-Koch-Institut diskutiert.

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Bisher keine Empfehlung des RKI

Aktuell empfiehlt das RKI auf seiner Webseite Folgendes: "Vollständig gegen COVID-19 geimpfte Personen sind nach Exposition zu einem bestätigten SARS-CoV-2-Fall von Quarantäne-Maßnahmen ausgenommen, ebenso wie Personen, die in der Vergangenheit eine PCR-bestätigte und symptomatische COVID-19-Erkrankung durchgemacht haben ("Genesene") und mit einer Impfstoffdosis geimpft sind." Also für Geimpfte gibt es derzeit keine Quarantäne-Empfehlung!

Die Einschränkung: "Bis zum 21. Tag nach Exposition zu dem SARS-CoV-2-Fall sollte ein Selbstmonitoring (Körpertemperatur, Symptome) erfolgen. Entwickelt die Kontaktperson trotz vorausgegangener Impfung Symptome, so muss sie sich in eine Selbstisolierung begeben und eine zeitnahe Testung veranlassen." Aber laut einem Bericht der "Berliner Zeitung" vom 14. November wird diese Empfehlung gerade im RKI diskutiert. Chef Lothar Wieler antwortete bei der Bundespressekonferenz auf die Frage, warum das RKI diese Empfehlung in ihrer jetzigen Form noch gebe und und ob diese Empfehlung nicht geändert werden, dies sei "eine sehr gute Frage". Man würde "tatsächlich momentan überlegen, ob wir das ändern".

RTL hat gestern (25. November) beim RKI nachgefragt, ob die Empfehlung tatsächlich geändert werden könnte. Antwort: "Wir kommentieren das nicht."

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Epidemiologe Stöhr: "Nicht verhältnismäßig"

Bislang bleibt das RKI bei seiner Empfehlung, die durch andere Experten gestützt wird. "Wenn die Regierung weiter so konservativ sein will, dann kann man auch Geimpfte nach Kontakt mit einer positiven Person wieder in Quarantäne schicken. Für mich wäre das aber weder verhältnismäßig noch alternativlos. In der Regel infizieren sich, erkranken und scheiden Immunisierte das Virus viel seltener und kürzer und weniger aus. Natürlich bleibt ein Restrisiko, dass sich jemand trotz Impfung infizieren kann und vielleicht auch noch infektiös ist. Aber die Wahrscheinlichkeit ist so gering, das muss man wahrscheinlich als normales Lebensrisiko betrachten", sagt der Epidemiologe und Virologe Klaus Stöhr RTL.

"Impflücken schließen"

Für den Epidemiologen Dr. Timo Ulrichs ist dagegen klar: "Leider lässt uns die epidemische Lage eigentlich keine Wahl, als dass die vollständig Geimpften dabei mitmachen, Kontakte zu reduzieren und wenn da ein Verdacht vorliegt, erst recht."

Die entscheidende Maßnahme sei aber, den Impfschutz in der gesamten Bevölkerung zu ergänzen. Also Booster-Impfungen, "aber vor allen Dingen, dass sich die Ungeimpften endlich impfen lassen."