Bundesweite Übersicht

Kosmetikstudios und Nagelstudios dürfen wieder öffnen: Unter welchen Auflagen und was dürfen sie anbieten?

Nagelstudios haben in vielen Bundesländern wieder geöffnet. Doch nicht überall.
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18. Mai 2020 - 10:36 Uhr

Sind Wimpernverlängerung und Waxing wieder möglich?

Friseure, Kosmetik- und Nagelstudios, Podologen, Waxing, Sonnenstudio, Tätowierung & Co: Alle Bundesländer haben ein Ende der Zwangspausen für fast alle körpernahen Dienstleistungen umgesetzt. Allerdings teils unter strengen Auflagen. Aber was heißt das konkret? Darf ich jetzt tatsächlich überall endlich wieder zur Pediküre und meine Winterfüße in Schuss bringen? Und wie sieht es mit dem Waxing, der Gesichtsenthaarung und Wimpernverlängerung aus? Wir erklären in einer Übersicht, in welchem Bundesland welche Regeln für Kosmetikstudios gelten und was das für Kundinnen und Kunden bedeutet.

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Bei Gesichtsbehandlungen muss der Erbringer sich schützen

Uneinigkeit herrschte in den einzelnen Bundesländern in der jüngeren Vergangenheit vor allem darüber, wie es mit den Dienstleistungen aussieht, bei denen kein Mund-Nasenschutz ​getragen werden kann. Das heißt im Klartext, jede Form von Gesichtsbehandlung, sogenannte "gesichtsnahe Dienstleistungen". Einige Bundesländer wie Bayern hatten ihre Hygienebestimmungen dahingehend gelockert, andere genehmigen zwar die Öffnung von Kosmetikstudios, verpflichten jedoch Kundin und Behandlerin zum Tragen eines Nasen-Mund-Schutzes. Wieder andere lassen nur medizinisch notwendige Behandlungen (mit Attest) zu. Richtlinien sehen jetzt zumeist vor, dass sich der Dienstleistende im Falle von Anwendungen, bei denen der Kunde keine Maske tragen kann, Profi-Masken und Augenschutz tragen muss.

Die Deutsche Handwerks Zeitung (DHZ) hat in allen 16 Bundesländern nachgefragt, welche Dienstleistungen ab wann und unter welchen Voraussetzungen wieder angeboten werden dürfen. Den aktuellen Stand (13.05.2020) gibt die folgende Übersicht wieder.

Diese Kosmetikanwendungen sind in den einzelnen Bundesländern erlaubt

  • Baden-Württemberg
    Am 11. Mai durften Kosmetikstudios und Nagelstudios wieder den Betrieb aufnehmen. Medizinische und nicht-medizinische Fußpflegeeinrichtungen durften bereits ab dem 4. Mai wieder öffnen. Auch das mobile Arbeiten beim Kunden ist wieder erlaubt. Friseurbetriebe sind ebenfalls schon seit dem 4. Mai unter strengen Hygienevorgaben wieder ihre Dienstleistungen geöffnet. Seit dem 11. Mai sind auch gesichtsnahe Dienstleistungen wie Bartpflege, Wimpernfärben und Augenbrauenzupfen wieder gestattet.

  • Bayern
    Bereits seit 4. Mai konnten wieder sämtliche Dienstleistungen im Zusammenhang mit der Fußpflege in Anspruch genommen werden. Seit dem 6. Mai dürfen auch Kosmetikbetriebe und Nagelstudios wieder öffnen. Dabei ist es Kosmetikstudios erlaubt, Gesichtsbehandlungen durchführen. Waxing ist ebenfalls wieder möglich.
  • Berlin
    Dienstleistungen dürfen grundsätzlich angeboten und in Anspruch genommen werden. Allerdings sind insbesondere für körpernahe Dienstleistungen – meist im Bereich der Körperpflege – besondere Auflagen zu beachten, da deren Erbringung in Massagestudios, Tattoo-Studios, Friseurläden, Kosmetikstudios und ähnlichen Betrieben nicht unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,5 Metern möglich ist.

  • Brandenburg
    Seit dem 11. Mai sind körpernahe Dienstleistungen wie zum Beispiel Fußpflege, Kosmetikstudios, Nagelstudios, Tattoo- und Sonnenstudios oder Massagesalons wieder erlaubt, auch wenn es sich um medizinisch nicht notwendige Behandlungen handelt. Alle Dienstleistungen, bei denen ein physischer Kundenkontakt stattfindet, haben geeignete Maßnahmen zur Steuerung des Zutritts, zur Vermeidung von Warteschlangen und zur Beachtung des Abstandsgebots zu beachten. Kunden und Beschäftigte müssen eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen.​

  • Bremen
    Seit dem 6. Mai 2020 dürfen Kosmetikstudios, Fußpflegebetriebe und Nagelstudios wieder öffnen. Es gelten die gleichen Hygienevorschriften wie bei den Friseuren. Gesichtsnahe Dienstleistungen dürfen nur unter besonderen Schutzmaßnahmen angeboten werden! Wenn die Person bei gesichtsnahen Dienstleistungen, wie Hautpflege, Gesichtsenthaarung oder Make-up, keine Mund-Nasen-Bedeckung tragen kann, müssen Beschäftigte eine Atemschutzmaske - mindestens FFP2-Masken, auch gleichwertige Masken mit der Bezeichnung N95 und KN95 - tragen, ergänzt von einer Schutzbrille oder einem Gesichtsschild zum Schutz vor Kontaktinfektionen bei gesichtsnahen Tätigkeiten. Zum Schutz der Kunden dürfen Atemschutzmasken kein Ausatemventil enthalten.

  • Hamburg
    Laut der 6. Fassung der Verordnung zur Eindämmung der Ausbreitung des Corona-Virus die am 13. Mai in Kraft getreten ist, dürfen Kosmetikstudios, Nagelstudios, Massagesalons, Tattoo-Studios wieder arbeiten. Bei gesichtsnahen Dienstleistungen, etwa der Gesichtskosmetik, muss eine Atemschutzmaske der Klasse FFP-2 sowie eine Schutzbrille oder ein Gesichtsschild getragen werden.

  • Hessen
    In Hessen dürfen seit dem 4. Mai Fußpflegen, Kosmetik- und Nagelstudios wieder ihre Dienste anbieten. Auch Gesichtsbehandlungen und Waxing dürfen wieder durchgeführt werden. Alle Mitarbeiter in Friseur-, Fußpflege- und Kosmetikbetrieben müssen während des Kundenkontakts durchgängig Mund-Nase-Bedeckungen tragen. Für Kunden gilt, dass die "Maske" während des gesamten Aufenthalts im Salon oder Studio getragen werden muss. Die Mund-Nase-Bedeckung darf abgenommen werden, wenn und solange die konkrete Dienstleistung dies erfordert.

  • Mecklenburg-Vorpommern
    Nach den Friseuren können Kosmetikstudios, Massagepraxen, Nagelstudios, Sonnenstudios, Tattoo-Studios, Fußpflege, Physiotherapeuten und Logopäden und ähnliche Unternehmen ihren Betrieb seit dem 7. Mai fortsetzen. Kundinnen und Kunden müssen, sofern die Art der Leistung beziehungsweise Behandlung dies zulässt, eine Mund-Nase-Bedeckung tragen.

  • Niedersachsen
    In Niedersachsen dürfen aktuell nur Podologen ihre Dienstleistungen anbieten. Seit dem 11. Mai können auch kosmetische Fußpfleger, Nagelstudios, Kosmetiker und Massagepraxen unter Beachtung der Hygienevorschriften ihre Arbeit wieder aufnehmen dürfen.

  • Nordrhein-Westfalen
    Geschäfte dürfen unabhängig von ihrer Größe unter Auflagen zu Abstands- und Hygieneregeln (1 Person pro 10 qm Verkaufsfläche) seit 11. Mai wieder öffnen.
    Das gilt unter vom Gesundheitsministerium festgelegten strengen Hygiene- und Infektionsschutzstandards auch für Kosmetik, Nagelstudios, Maniküre und Massage. Tätowieren bleibt weiterhin untersagt.
  • Rheinland-Pfalz
    Ab dem 13. Mai dürfen neben Friseuren und Fußpflege auch alle anderen Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege, wie Kosmetikstudios, Nagelstudios, Massage, Tattoostudios, Solarien unter Einhaltung strenger Hygieneregeln wieder öffnen. 

  • Saarland
    Seit dem 4.5. dürfen Frisöre, Kosmetikstudios, Fußpflegepraxen, Piercing- und Tattoo-Studios öffnen. Die Maskenpflicht bleibt dabei bestehen. Besitzer von Ladenlokalen haben dafür Sorge zu tragen, dass sowohl Angestellte als auch Kunden Masken tragen. Bei Einhaltung des Mindestabstandes sind vier Kunden oder Besucher unabhängig von der Gesamtfläche stets zulässig. 

  • Sachsen
    In Sachsen dürfen Fußpfleger, Kosmetik- und Nagelstudios seit dem 4. Mai wieder öffnen, sofern sie entsprechende Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen einhalten. Auch Waxing ist bereits wieder möglich. Gesichtsnahe Dienstleistungen dürfen seit dem 11. Mai wieder angeboten werden. Für Tätigkeiten, bei denen der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht sicher eingehalten werden kann, müssen Beschäftigten mindestens Mund-Nasen-Bedeckungen und unter bestimmten Umständen Atemschutzmasken und Gesichtsschutz zur Verfügung gestellt werden. Kunden und Kundinnen müssen ebenfalls eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Als geeignete Schutzmaßnahme für gesichtsnahe Dienstleistungen, müssen Beschäftigte, um eine Infektion mit dem Coronavirus zu vermeiden, eine Atemschutzmaske, zum Beispiel eine FFP2-Maske ohne Ausatemventil, tragen.

  • Sachsen-Anhalt
    In Sachsen-Anhalt sind seit dem 4. Mai Massage- und Fußpflegepraxen, Nagelstudios und Kosmetikstudios wieder geöffnet. Alle Behandlungen sind erlaubt, sofern sie die Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Ist es dem Kunden bei gesichtsnahen Behandlungen nicht möglich, eine Mund-Nasen-Bedeckungen zu nutzen, müssen die Beschäftigten mindestens eine FFP2-, KN95- oder N95-Maske tragen – ergänzt um Schutzbrille oder Gesichtsschild zum Schutz vor Kontaktinfektionen. Zum Schutz der Kunden dürfen diese Masken kein Ausatemventil enthalten.

  • Schleswig-Holstein
    Auch in Schleswig-Holstein dürfen seit dem 4. Mai wieder medizinische und kosmetische Fußpflege sowie Nagelstudios öffnen. Gesichtsnahe Dienstleistungen sind weiterhin untersagt.

  • Thüringen
    Podologen, kosmetische Fußpfleger, Nagelstudios und Kosmetiker dürfen ihre Dienstleistungen anbieten, sofern sie dabei die Abstands- und Hygienevorgaben laut Verordnung einhalten. Behandlungen im Gesicht dürfen in Jena vorerst nicht vorgenommen werden.

Experte: Ansteckungsrisiko für den Behandelnden deutlich erhöht

Deutlich erhöht ist das Risiko einer Infektion für einen Serviceleistenden, wenn er einen Kunden im Kopfbereich behandelt, bestätigt uns Hygiene-Experte Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor Hygienezentrum Bioscientia. "Allein schon, wenn der Kunde spricht und atmet und erst recht, wenn er niesen muss, dann bekommt der Behandelnde die volle Ladung an Viren ab", so der Experte, "und das ist tatsächlich ein relevantes Infektionsrisiko." Dass sich diese Berufsgruppe an den Maßnahmen von Zahnärzten orientieren können und was sie dabei beachten sollten, erklärt er in diesem Video:

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Welche Lehren können wir aus der bisher größten Krise der Nachkriegszeit ziehen? Wir haben mit Experten gesprochen. War der Staat zu inkonsequent? Wurden die Schulen zu schnell geschlossen? Was tun gegen den Hamsterchaos? Und was ist der tatsächliche Grund, dass tausende Urlauber auf der ganzen Welt gestrandet sind? Sehen Sie hierzu die TVNOW-Doku: "Was wir aus der Krise lernen".

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