Er tötete 77 Menschen

Massenmörder Breivik: Gericht prüft "Freilassung auf Probe"

Massenmörder Breivik: Gericht prüft "Freilassung auf Probe" Er hat 77 Menschen ermordet
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Er hat 77 Menschen ermordet
Massenmörder Breivik: Gericht prüft "Freilassung auf Probe"

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Gericht muss klären, ob von Breivik weiterhin Gefahr ausgeht

Im Juli 2011 tötete der rechtsextreme Terrorist Breivik in Norwegen 77 Menschen. Die Taten in Oslo und auf der Insel Utøya zählen zu den schlimmsten Terrorangriffen der europäischen Nachkriegszeit. Jetzt erscheint der Täter erstmals seit langem wieder vor Gericht. Er will früher aus dem Knast.

Breivik will vor Gericht eine Erklärung vortragen

Eine Kombo mit Fotos, die von den Familien der Opfer zur Verfügung gestellt wurden, zeigt 50 der 77 überwiegend jungen Menschen, die bei dem Doppelattentat vom 22.07.2011 auf der norwegischen Insel Utøya und im Osloer Regierungsviertel getötet worden
Eine Kombo mit Fotos, die von den Familien der Opfer zur Verfügung gestellt wurden, zeigt 50 der 77 überwiegend jungen Menschen, die bei dem Doppelattentat vom 22.07.2011 auf der norwegischen Insel Utøya und im Osloer Regierungsviertel getötet worden sind.
dpa, norsk

Rund ein Jahrzehnt nach den rechtsextremen Terroranschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya wird in Norwegen über einen Antrag des Täters auf vorzeitige Haftentlassung verhandelt. Das Bezirksgericht Telemark prüft ab heute, ob der verurteilte Massenmörder Anders Behring Breivik nach Ablauf der Mindestdauer seiner Strafe auf Bewährung freigelassen werden kann.

Im Wesentlichen muss das Gericht in Skien rund 130 Kilometer südwestlich von Oslo die Frage klären, ob Breivik weiterhin eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Es hat in dieser Woche drei Verhandlungstage sowie einen Reservetag eingeplant. Zum Auftakt am Dienstag ist nach einleitenden Worten von Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine Erklärung durch Breivik angesetzt. Ein Gerichtsbeschluss soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden, möglicherweise bereits in der kommenden Woche.

Vorzeitige Haftentlassung gilt als unwahrscheinlich

Das Regierungsviertel von Oslo, Minuten nachdem die Autobombe des rechtsextremen Terroristen Anders Behring Breivik explodiert war.
Das Regierungsviertel von Oslo, Minuten nachdem die Autobombe des rechtsextremen Terroristen Anders Behring Breivik explodiert war.
imago stock&people, imago/Kamerapress

Breivik hatte bereits im September 2020 Antrag auf "prøveløslatelse" gestellt, was wörtlich übersetzt soviel heißt wie „Freilassung auf Probe“. Die Staatsanwaltschaft hält ihn jedoch auch zehneinhalb Jahre nach den Terroranschlägen für jemanden, der erneut schwere Straftaten begehen könnte, und somit für eine Gefahr für die norwegische Gesellschaft. Sie strebt deshalb an, dass er weiter hinter Gittern bleibt.

Dass Breivik vorzeitig freikommt, gilt als unwahrscheinlich. Das Osloer Gericht hatte bei seiner Verurteilung festgestellt, dass er auch nach Verbüßen seiner Strafe aller Wahrscheinlichkeit nach weiter die Absicht und die Fähigkeit habe, viele und sehr brutale Morde zu begehen. 21 Jahre nach den Taten werde die norwegische Demokratie, die er abschaffen wolle, weiter bestehen, schrieben die Richter in ihrem Urteil – einschließlich Einwohnern mit verschiedenen ethnischen Hintergründen, Kulturen und Religionen.

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Breivik nennt sich inzwischen Fjotolf Hansen

Der heute 42 Jahre alte Breivik, der sich mittlerweile Fjotolf Hansen nennt, hatte am 22. Juli 2011 zunächst eine Autobombe im Osloer Regierungsviertel gezündet und dabei acht Menschen getötet. Danach richtete er auf Utøya ein Massaker unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des jährlichen Sommerlagers der Jugendorganisation der sozialdemokratischen Arbeiterpartei an. 69 vor allem junge Menschen wurden auf der Insel getötet. Die Verbrechen gelten als schlimmste Gewalttat der norwegischen Nachkriegszeit.

Breivik nannte rechtsextreme und islamfeindliche Motive für seine Taten. Im Sommer 2012 war er vom Bezirksgericht Oslo zur damaligen Höchststrafe von 21 Jahren Sicherheitsverwahrung mit einer Mindestdauer von zehn Jahren verurteilt worden. In diesen Zeitrahmen waren 445 Tage in Untersuchungshaft eingerechnet worden. Damit ist die Mindestdauer am 5. Juni 2021 abgelaufen, am 5. Juni 2032 gilt auch die Verwahrungszeit als beendet. Sicherheitsverwahrung bedeutet im Gegensatz zu einer normalen Haftstrafe jedoch, dass die Strafdauer alle fünf Jahre verlängert werden kann - und somit offen bleibt, ob Breivik jemals wieder aus dem Gefängnis in Skien entlassen wird. In der Haftanstalt findet auch die Verhandlung statt. (dpa)