Der Killer von Utoya: Andreas Breivik im Porträt

Andreas Breivik, die reche Hand zum rechtsextremen Gruß geballt.
Andreas Breivik, die reche Hand zum rechtsextremen Gruß geballt.
© dpa bildfunk

24. August 2012 - 19:32 Uhr

Breivik bezeichnet sich selbst als zurechnungsfähig

Es ist der 22. Juli 2011. Nachdem er mit einer Autobombe in der Nähe des Regierungssitzes in Oslo acht Menschen getötet hatte, setzte der 32-jährige Anders Behring Breivik auf die nahegelegene Insel Utoya über und erschoss 69 Teilnehmer eines Jugend-Ferienlagers der sozialdemokratischen Partei Norwegens. Ob es sich um die Tat eines Wahnsinnigen oder eines politischen Extremisten handelt, wird das Gericht in seinem Urteil entscheiden.

Die vom Gericht beauftragten Gutachter sind sich nicht einig. Die Psychiater Synne Sorheim und Torgeir Husby halten den Angeklagten laut 'Stern' für paranoid und schizophren. Seine hartnäckigen Behauptungen, dass die Tempelritter existieren, seine menschenverachtende Weltanschauung und seine maßlose Selbstüberschätzung seien Beweise für eine Psychose.

Die Gutachter Agnar Aspaas und Terje Torissen bestätigten Breivik im zweiten Gutachten hingegen volle Zurechnungsfähigkeit. Auch die Psychologen und Psychiater des Gefängnisses in dem Breivik momentan einsitzt, schließen sich dieser Diagnose an. "Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Symptome für eine Psychose nicht entdeckt würden", sagt die Leiterin der psychiatrischen Beobachtungsgruppe, Randi Rosenqvist. Breivik selber betont, er sei zurechnungsfähig.

Die Vorstellung der Berichte der Gutachter gehörte zu den wenigen Situationen während des Prozesses, die eine emotionale Reaktion Breiviks hervorriefen. Als Sorheim und Husby ihn für unzurechnungsfähig erklärten, bedachte er beide mit höhnischem Grinsen und Kopfschütteln. Wohlwollender hörte er Aspaas und Torissen zu, als die ihn für schuldfähig erklärten.

Als ein von ihm selbst gemachtes Video über seinen "Kampf" gegen die "Islamisierung Norwegens" lief, wurde er von einem kurzen Weinkrampf geschüttelt. Er war von sich selbst gerührt. Auch Mitleid zeigte er nur für sich selbst. Er sagte: "Auch ich habe am 22. Juli meine ganze Familie und alle Freunde verloren. Der einzige Unterschied ist, dass ich das gewählt habe. Ich habe mich geopfert."

"Die ersten Schüsse waren sehr schwer, danach wurde es einfacher"

Seine Aussage präsentierte er ohne Reue, dafür mit Stolz auf seine Taten, wie die 'Tagesschau' berichtet. Von der Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel habe er sich mehr Opfer erhofft, er habe die gesamte Regierung töten wollen. Als er im Radio hörte, es habe nur einen Toten gegeben, habe er beschlossen, nach Utoya zu fahren. Ziel sei es gewesen, alle dort anwesenden Teilnehmer des Jugendlagers zu töten. Er habe zwar damit gerechnet, dass die meisten dort über 18 Jahre alt wären, denn es sei für ihn nicht wünschenswert Minderjährige zu töten. Er sagte allerdings auch "das waren keine unschuldigen Kinder, sondern politische Aktivisten, die für den Multikulturalismus arbeiten."

Auf die Frage nach seinen Gefühlen während des Blutbades erzählte er: "Die ersten Schüsse waren sehr schwer, danach wurde es einfacher". Bevor er seine ersten Opfer tötete, hätte sein Körper rebelliert und hunderte Stimmen in seinem Kopf hätten gerufen: "Tu es nicht, tu es nicht."

"Ich bin normalerweise ein sehr sympathischer Mensch", so Breivik über sich selbst. Bis 2006 sei er normal gewesen. Danach habe er eine "Entemotionalisierung" begonnen, man könne niemanden töten, wenn man mental nicht vorbereitet sei. Befragt nach seinem fehlenden Mitgefühl antwortete er "ich glaube, ich würde einen Nervenzusammenbruch erleiden, wenn ich meine mentalen Schutzschilde entferne." Er sei sich voll bewusst, unfassbares Leid ausgelöst zu haben. Er habe das Leben der Angehörigen und Hinterbliebenen zerstört. "Ich kann nicht behaupten, dass ich ihr Leid verstehe", sagte Breivik. "Wenn ich das versuchen würde, könnte ich nicht hier sitzen. Dann könnte ich nicht weiterleben."

In seiner Aussage widmete er viel Zeit der von ihm sogenannten "Islamisierung Europas", die von der norwegischen Regierung gefördert worden sei. Eine friedliche Revolution sei nicht möglich gewesen und so wäre Gewalt der einzige Weg gewesen. Die Taten habe er zwar begangen, sei aber unschuldig, denn er habe aus Notwehr gehandelt.