Täter bleibt auf freiem Fuß: Fassungslosigkeit nach Zug-Drama in Ettlingen
Video lädt...
Ein Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn ist am Freitag (17. Juli) bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung aus einem fahrenden Zug gestürzt.
Fassungslosigkeit bei den Fahrgästen in Ettlingen bei Karlsruhe: An diesem Bahnsteig nahm die Polizei den mutmaßlichen Täter fest.
Eine Anwohnerin zeigt sich tief erschüttert: Sie fahre selbst häufig mit der Bahn und könne nicht begreifen, wie sich eine Zugtür während der Fahrt öffnen konnte. Normalerweise müsse man beim Aussteigen warten, bis der Türknopf von Rot auf Grün wechsle. Dass sich die Tür plötzlich geöffnet habe und es anschließend zu einem handgreiflichen Vorfall gekommen sei, sei für sie unvorstellbar.
Auslöser des Geschehens war ein Zwischenfall am Freitagabend während einer Ticketkontrolle. Ein möglicherweise alkoholisierter 36-jähriger Fahrgast geriet mit einem Sicherheitsmitarbeiter der Bahn in Streit. Während des Gerangels gab eine Zugtür nach. Der 26-jährige Bahnmitarbeiter stürzte durch einen Spalt aus dem fahrenden Zug auf die Gleise und erlitt schwere Verletzungen. Der Tatverdächtige wurde zwar festgenommen und vernommen, kam jedoch nicht in Untersuchungshaft.
Ein Rechtsexperte erklärt, dass für eine Untersuchungshaft bestimmte Haftgründe wie Flucht- oder Wiederholungsgefahr vorliegen müssten. Das zuständige Gericht habe diese Voraussetzungen offenbar nicht als ausreichend gegeben angesehen und den von der Staatsanwaltschaft beantragten Haftbefehl deshalb abgelehnt.
Nach Angaben des Gerichts in Karlsruhe wurden die Überwachungsaufnahmen kurz nach der Anhörung des Beschuldigten gesichtet. Diese hätten Zweifel am genauen Ablauf des Geschehens aufgeworfen. Wie sich der Vorfall tatsächlich ereignet hat, ist nun zentraler Bestandteil der laufenden Ermittlungen. Der mutmaßliche Täter bleibt trotz einschlägiger Vorstrafen und einer laufenden Bewährung zunächst auf freiem Fuß.
Auch bei der Bahn sorgt der Vorfall für große Betroffenheit. Für die Kolleginnen und Kollegen, die täglich ihren Dienst verrichten – auch nachts und in den Abendstunden –, sei es ein beklemmendes und belastendes Gefühl, dass sich solche Vorfälle immer wieder ereigneten.
Was auf den Überwachungsaufnahmen genau zu sehen ist, wollen die Ermittler derzeit noch nicht bekannt geben. Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht nun die Frage, wie die Zugtür während der Fahrt überhaupt nachgeben konnte.
