„Wo ist das Coronavirus?“: Schule wieder sicher machen

Homegurgeling statt Homeschooling: Ist das die Lösung für die Schulen?

Utensilien für einen Gurgeltest 
Foto: Nicolas Armer/dpa
Utensilien für einen Gurgeltest Foto: Nicolas Armer/dpa
© deutsche presse agentur

30. April 2021 - 13:24 Uhr

Tests an Schulen: Gurgeltest gegen Homeschooling

Kinder leiden erheblich unter Einschränkungen der Pandemie: Isolation, fehlende Lernentwicklung und depressive Symptome. Bundesgesundheitsminister Spahn rechnet damit, dass über 12-jährige nach den Sommerferien geimpft ins nächste Schuljahr gehen können und so der Isolation entkommen. Doch, bevor die angekündigte Impfung für Kinder kommt, zeigt eine Gurgeltest-Studie, was bereits jetzt gegen das Leiden der Kinder helfen könnte. Das Motto: Homegurgeling statt Homeschooling.

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Corona: Infektionen frühzeitig erkennen

Corona-Tests zum Gurgeln sollen in Schulen möglichst bald die Tests mit Stäbchen ersetzen – darauf setzen die Verantwortlichen der Studie Wicovir. Die Abkürzung steht für "Wo ist das Coronavirus". Um den Präsenzunterricht wieder sicher zu gestalten, "muss man an Schulen so testen, dass Infektionen möglichst frühzeitig erkannt und Ansteckungen verhindert werden. Das geht am besten mit PCR-Tests, denn Antigentests erkennen Infektionen erst relativ spät", sagte Studienleiter und Chefarzt der Regensburger Kinderklinik Michael Kabesch im "Spiegel"-Interview.

Die Gurgeltests sind reguläre PCR-Tests, die im Labor ausgewertet werden. Im Gegensatz zum unangenehmen Nasen- oder Rachenabstrich, gurgeln die Schüler für einige Sekunden eine Kochsalzlösung und spucken dann in einen Becher. Ein weiterer Vorteil: Der Test sei ungefährlich und auch für Schüler in unteren Jahrgangsstufen einfach zu machen, sagt Studienleiter. "Das tut nicht weh und ist nicht schlimmer als Zähneputzen."

Zweimal wöchentlich müssen sich die teilnehmenden Schulklassen testen. Das heißt: Morgens nach dem Aufstehen Leitungswasser gurgeln, die Flüssigkeit in zwei Röhrchen füllen, fertig. In der Schule schütten sie den Inhalt eines der beiden Röhrchen in einen "Pool". Die gesammelte Flüssigkeit der Gruppe wird getestet. Wenn sich dabei Hinweise auf eine Corona-Infektion ergeben, müssen die Kinder ihr zweites Röhrchen für Einzeltests abgeben, so dass der oder die infektiösen Schüler herausgefiltert werden können – das Ergebnis gibt es am selben Tag. An der Studie beteiligen sich seit März immer mehr Schulen in Bayern. Die Tests brächten bei geringerem Aufwand ein schnelleres Ergebnis als die Stäbchentests, sagt Kabesch.

Das Robert Koch-Institut weist auf seiner Website darauf hin, dass es zu den Gurgeltests noch wenige Erfahrungswerte gibt. Die geringen wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen jedoch, dass die Genauigkeit der Ergebnisse der Corona-Tests zum Gurgeln ähnlich der Nasenabstrich-Tests ist – je nach Spülvolumen oder Technik könnte es aber zu Verdünnungseffekten kommen.

TVNOW Doku "Zwischen Hoffnung und Tod - wer hat Schuld am deutschen Impf-Desaster?"

HANDOUT - 09.02.2017, Bayern, Regensburg: Das Foto zeigt Prof. Michael Kabesch, ärztlicher Direktor am Klinikum St. Hedwig der Barmherzigen Brüder in Regensburg. (zu dpa «Studie zu Gurgeltests: Immer mehr Schulen beteiligen sich») Foto: Clemens Mayer
"Wicovir"-Studienleiter Michael Kabesch
© dpa, Clemens Mayer, fuw reu

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Chefarzt: „Die Pandemie darf nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden“

Michael Kabesch ist der Meinung, dass nur Tests und Impfungen aus der Corona-Pandemie herausführen werden. Vor allem Kinder leiden unter den einschränkenden Maßnahmen und können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geimpft werden. "Die Schulen werden immer wieder geschlossen, die Kinder müssen sich den Lernstoff zu Hause erarbeiten, haben wenige bis gar keine sozialen Kontakte – dabei ist das für die Entwicklung von Kindern so wichtig", so der Studienleiter im "Spiegel"-Interview. "Es geht so nicht weiter, dass die Pandemie auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird."

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