STIKO warnt vor zu viel Eile

Corona-Impfung bei Kindern: Mit welchen Nebenwirkungen müssen wir rechnen?

Kinder impfen - ja oder nein? Fakt ist: Auch für Kinder und Jugendliche sind Corona-Impfungen bald verfügbar.
Kinder impfen - ja oder nein? Fakt ist: Auch für Kinder und Jugendliche sind Corona-Impfungen bald verfügbar.
© picture alliance, dpa, Frank Hoermann/SVEN SIMON

18. Mai 2021 - 11:23 Uhr

Experten sehen die Chancen

Kinder impfen - ja oder nein? Fakt ist: Auch für Kinder und Jugendliche sind Corona-Impfungen bald verfügbar. Experten sehen die Impfung der Jüngeren als Chance im Kampf gegen Corona. Sie müsse aber absolut sicher sein, wird allerdings immer wieder betont. Mit welchen Nebenwirkungen und Problemen ist bei der Impfung von Kindern zu rechnen?

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EMA-Zulassung noch im Mai

Das Impftempo in Deutschland hat ordentlich angezogen, der Impfzug rollt und rollt. Bald soll es auch für die jüngsten Menschen ganz schnell gehen mit der Impfung gegen das Coronavirus. Noch im Mai will die europäische Arzneimittelbehörde EMA wohl über die Empfehlung zur Zulassung des Impfstoffs von Biontech/Pfizer ab 12 Jahren entscheiden. Bislang gibt es in der EU für das Vakzin eine Zulassung erst ab 16, für jüngere Minderjährige gibt es noch keinen Covid-19-Impfstoff. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zeigt sich optimistisch. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kritisiert die Pläne aber als "überambitioniert".

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STIKO mahnt zur genauen Prüfung - anderes Nebenwirkungsspektrum möglich

Die STIKO warnt deswegen vor zu viel Eile: Vor einer generellen Impfempfehlung für Kinder steht laut deren Chef Thomas Mertens eine sehr genaue Prüfung der Daten zu Sicherheit, Verträglichkeit und Wirksamkeit der Impfung bei ihnen. Für sie brauche es unbedingt eine eigene Zulassung, betont Mertens, denn "Kinder sind keine kleinen Erwachsenen".

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Dass Kinder wegen ihres besonders aktiven Immunsystems besonders heftig auf eine Impfung reagieren könnten, könne nicht ausgeschlossen werden, so Mertens. "Insgesamt ist auch ein etwas anderes Nebenwirkungsspektrum möglich." Impfreaktionen seien bei jüngeren Erwachsenen bei Corona-Impfstoffen häufiger als bei älteren Menschen, so Mertens. Die immunologische Erfahrung mit anderen humanen Coronaviren sei bei Kindern wesentlich geringer.

Epidemiologe erwartet keine heftigeren Reaktionen

Grundsätzlich sei bei Kindern nach einer Impfung "ein sehr guter Schutz bei sehr seltenen Nebenwirkungen" zu erwarten, ähnlich wie bei Erwachsenen, ist der Berliner Epidemiologe Timo Ulrichs überzeugt. Nach der Impfung seien auch bei Kindern leichte und vorübergehende Impfreaktionen wie leichtes Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit möglich.

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Dass Kinder heftiger auf den Impfstoff reagieren könnten als etwa junge Erwachsene, glaubt er nicht. "Und auch hier gilt, dass so etwas tolerabel ist angesichts der Vermeidung der eigentlichen Erkrankung", sagt Ulrichs mit Verweis auf die zwar sehr seltenen, aber möglichen schweren Erkrankungen und Langzeitfolgen bei Kindern. Wegen des geringen Risikos im Zuge einer Infektion sei aber eine besonders sichere Prüfung der Impfstoffe angezeigt.

Kinder mit Vorerkrankungen schützen, Herdenimmunität sichern

Die Impfung von Kindern sei bei der Bewältigung der Pandemie in mehrfacher Hinsicht von Bedeutung, betont STIKO-Chef Mertens. Zunächst könnten besonders Kinder mit Vorerkrankungen geschützt werden - diese sollten nach einer Zulassung zuerst geimpft werden. Weil Kinder zudem als mögliche Überträger des Virus an dessen Zirkulation beteiligt seien, spielten sie eine Rolle für die Herdenimmunität. Es müsse zudem so wenig Virusvermehrung wie möglich geben - denn während dieser könnten potenziell gefährliche Mutanten entstehen.

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Auch schwere Verläufe bis hin zum Tod treten bei Kindern auf

Doch auch wenn Kinder seltener an Covid-19 erkranken als Erwachsene: Wenn Kinder sich Corona einfangen, dann können alle Krankheitsbilder auftreten, warnt Ulrichs. Auch schwere Verläufe bis hin zum Tod treten auf. Und manche der Kinder leiden über den Infekt hinaus am Long-Covid-Syndrom, also an andauernden Erschöpfungszuständen. Eine Impfung könnte die Kleinen vor solchen Folgen bewahren.

(dpa/ija)

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