Vakzin von Biontech in USA ab 12 Jahren zugelassen

Experte: Ohne geimpfte Kinder keine Herdenimmunität

In den USA dürfen nun auch Kinder und Jugendliche das Vakzin von Biontech und Pfizer erhalten. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Corona-Impfstoff des deutschen Herstellers zugelassen.
In den USA dürfen nun auch Kinder und Jugendliche das Vakzin von Biontech und Pfizer erhalten. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Corona-Impfstoff des deutschen Herstellers zugelassen.
© iStockphoto, stefanamer

11. Mai 2021 - 18:54 Uhr

Aussicht auf Impfung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Kinder und Jugendliche können jetzt in den USA eine Impfung erhalten. Die US-Arzneimittelbehörde hat den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer ab 12 Jahren zugelassen. Und bald könnte es auch in Europa so weit sein. Doch noch prüft die europäische Zulassungsbehörde EMA das Vakzin. Dabei ist es wichtig, die Jüngeren ebenfalls zu impfen, sagt Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs im Interview mit RTL.

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Prüfung des Impfstoffs läuft

In Deutschland wird der Impfstoff bisher nur Personen ab 16 Jahren geimpft. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hatte im Februar einen für Kinder und Jugendliche geeigneten Impfstoff gegen das Coronavirus für diesen Sommer in Aussicht gestellt. Inzwischen rechnet er damit, dass über 12-Jährige schon nach den Sommerferien geimpft ins nächste Schuljahr starten können. Hoffnung macht dabei der Impfstoff von Biontech und Pfizer. Das Unternehmen hatte bei der Europäischen Union eine bedingte Marktzulassung des Vakzins für 12- bis 15-Jährige schon im April beantragt. Die Prüfung des Impfstoffs durch die europäische Zulassungsbehörde EMA läuft derzeit noch.

Studien machen Hoffnung: Hohe Wirksamkeit

Die bisher ermittelten Ergebnisse sprechen für eine baldige Zulassung: Denn bei den klinischen Studien in den USA habe das Vakzin in der Altersgruppe der 12- bis 15-Jährigen eine Wirksamkeit von 100 Prozent gezeigt, teilte das Unternehmen vor einigen Wochen mit. Von einer hohen Wirksamkeit geht auch Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs aus: Er schätzt, dass das Vakzin bei Kindern und Jugendlichen ähnliche Ergebnisse erziele wie bei den Erwachsenen. Und er setzt noch einen drauf: Möglicherweise könnte die Impfung in der jüngeren Altersgruppe noch besser schützen, "weil das Immunsystem jung und fit ist, sodass man auch davon ausgehen kann, dass es sehr plastisch prägsam ist, dass es also sehr schnell lernt, mit diesen Antikörpern des Coronavirus umzugehen."

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Europäische Zulassungsbehörde prüft mögliche Nebenwirkungen bei Kindern

Denkbar wäre dann eine bedingte Marktzulassung: "Mit der Notfallzulassung kann man schneller agieren, aber man muss hier auch sehr vorsichtig sein", sagt Ulrichs im Gespräch mit RTL. Nur die Wirksamkeit allein reicht noch nicht aus, um das Vakzin einzusetzen. Auch die Sicherheitsdaten müssten vorliegen und gut sein, betont Ulrichs.

Denn Kinder erkranken sehr viel seltener an Covid-19 als Erwachsene, sagt er: "Deswegen muss nochmal besonders sicher festgestellt werden, dass dieses Verhältnis von Risiko zu Nutzen für die Kinder auch wirklich eindeutig ist."

Ohne Impfung für Kinder keine Herdenimmunität

Doch auch wenn Kinder seltener an Covid-19 erkranken als Erwachsene: Wenn Kinder sich Corona einfangen, dann können alle Krankheitsbilder auftreten, warnt Ulrichs. Auch schwere Verläufe bis hin zum Tod treten auf. Und manche der Kinder leiden über den Infekt hinaus am Long-Covid-Syndrom, also an andauernden Erschöpfungszuständen.

Eine Impfung könnte die Kleinen vor solchen Folgen bewahren. Und nicht nur wegen des individuellen Schutzes sollten Kinder und Jugendliche sobald wie möglich die Impfung erhalten: "Die andere Seite ist eben, dass man andere Altersgruppen, also Jüngere, auch braucht, um die Herdenimmunität in Deutschland zu erreichen. Beim stringenten Durchimpfen sind wir darauf angewiesen, dass wir auch bis in die jüngeren Jahrgänge hinein impfen können."

Ulrichs geht davon aus, dass die Zulassung des Vakzins für Jugendliche ab 12 Jahren in Europa nicht mehr lange auf sich warten lässt. Biontech und Pfizer untersuchen zudem weiterhin die Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern zwischen sechs Monaten und elf Jahren. Biontech geht nach eigenen Angaben davon aus, dass belastbare Daten dazu bis September verfügbar sein werden. Auch andere Corona-Impfstoffe werden derzeit an Kindern und Jugendlichen getestet.

Im Video: AstraZeneca, Biontech und Co. - Impfstoffe im Vergleich

Nachdem für Erwachsene zunächst die Vakzine von Biontech und Moderna zugelassen wurden, hat die Europäische Kommission Ende Januar auch grünes Licht für den schwedisch-britischen Wirkstoff von AstraZeneca gegeben. Seit Mitte März ist noch ein vierter Impfstoff dazu gekommen – mit einer Besonderheit: denn der Wirkstoff von Johnson & Johnson braucht als einziger nur eine Dosis. Das Vakzin von Biontech und Pfizer könnte nun das erste sein, das in Europa an Kinder und Jugendliche verimpft wird. Wie die Impfstoffe wirken – im Video gibt's den Vergleich. (dpa, ebr)

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