Wissenschaftler der Humboldt-Universität in Berlin zeigen auf

Corona-Studie: An neun von zehn Ansteckungen ist ein Ungeimpfter beteiligt

Wenn die Covid-19-Impfung abgelehnt wird: Welche Auswirkungen hat das auf das aktuelle Pandemiegeschehen?
Wenn die Covid-19-Impfung abgelehnt wird: Welche Auswirkungen hat das auf das aktuelle Pandemiegeschehen?
© Kemal Yildirim

02. Dezember 2021 - 10:23 Uhr

Anhand Ansteckungsmodell: Wissenschaftler belegen Rolle der Ungeimpften

Welche Rolle spielen Ungeimpfte in der vierten Welle der Coronavirus-Pandemie? Diese Frage stellt sich aktuell immer wieder. Wissenschaftler der Humboldt-Universität Berlin haben das jetzt anhand eines Ansteckungsmodells untersucht. Sind die Nicht-Geimpften wirklich die Treibenden im Infektionsgeschehen? In der Gruppe der Geimpften ist die Ansteckung jedenfalls gering. Das sind die Ergebnisse.

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Geimpfte nicht automatisch vor Infektion geschützt

Zwei Fragen sorgen weiterhin für Verwirrung: Woher kommen die hohen Corona-Zahlen und in welcher Bevölkerungsgruppe herrscht das größte Infektionsrisiko? Wenn man einen Blick auf die Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen wirft, sieht man: Die Zahl der ungeimpften Covid-19-Erkrankten ist deutlich höher als die der Geimpften.

Aber auch Geimpfte sind nicht automatisch vor einer Ansteckung geschützt: So entwickelten, wie die FAZ berichtet, "seit Beginn der Impfkampagne bis Mitte November mehr als 260.000 Geimpfte nach einer Covid-Infektion Symptome." Es zeigt sich vor allem, wie wichtig die Booster-Impfung ist, denn: "Der Beginn der Impfkampagne liegt zehn Monate zurück, die Wirkung der Impfungen, insbesondere bei den früh geimpften Alten, hat nachgelassen." Daher könne man nicht einfach nur von einer "Pandemie der Ungeimpften" sprechen.

Lese-Tipp: Vierte Corona-Welle: Wer sind eigentlich die Ungeimpften?

Bis zu 9 von 10 Neuinfektionen gehen auf Ungeimpfte zurück

Trotzdem spielen die Ungeimpften die wichtigste Rolle im aktuellen Pandemiegeschehen. Stand 2. Dezember 2021 sind 79,3 Prozent der erwachsenen Deutschen bereits vollständig gegen Covid-19 geimpft. Etwa ein Fünftel hat sich vorerst gegen den Piks entschieden, was die Ungeimpften zur deutlichen Minderheit macht. Trotzdem sind sie die Treiber der vierten Welle.

Benjamin Maier und Dirk Brockmann, Wissenschaftler der Humboldt-Universität, haben ein mathematisches Ansteckungsmodell entwickelt, das jetzt in einer Preprint-Studie veröffentlicht wurde. "Wir schätzen, dass etwa 67 bis 76 Prozent aller Neuinfektionen von ungeimpften Personen verursacht werden, was bedeutet, dass nur 24 bis 33 Prozent von geimpften Personen verursacht werden. Insgesamt dürften ungeimpfte Personen an 8 bis 9 von 10 Neuinfektionen beteiligt sein – als Ansteckende und Angesteckte", heißt es darin.

In ihrer Studie haben sie sich vor allem mit dem exponentiellen Wachstum der Neuinfektionen vom 11. Oktober bis zum 7. November beschäftigt. Ihre Ergebnisse basieren auf der vom RKI bekannt gegebenen Impfaktivität. Dieses Ergebnis zeigt deutlich: In dieser Bevölkerungsgruppe müssen weitere Maßnahmen her, um das Infektionsgeschehen so schnell wie möglich in den Griff zu kriegen. Zudem kommt die Projektgruppe rund um Brockmann und Maier zu dem Fazit: Je effektiver der Impfschutz ist, desto weniger Ansteckungen werden letzten Endes durch geimpfte Personen verursacht.

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© imago images/agrarmotive, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Was jetzt in den Augen der Wissenschaftler getan werden sollte:

  • Kontakte zwischen geimpften und nicht geimpften Personen verringern. Das führe nämlich zu einer Verringerung der effektiven Reproduktionszahl (R-Wert), so das Forscherteam.
  • Generell auf eine Kontaktreduzierung achten.
  • Auf die Impfeffektivität achten und die Impfstoffausschöpfung erhöhen. Bedeutet: Mehr Booster-Impfungen!
  • Impfkampagne noch einmal ordentlich hochfahren, denn: Die Impfraten seien aktuell viel zu niedrig, um das Coronavirus effektiv eindämmen zu können. Nach den Berechnungen der Forscher wäre ein rasches Abflauen der Epidemie erst bei einer Impfquote von 90 Prozent realistisch.
  • Das Gesundheitssystem vor dem Kollaps retten

Die Autoren der Studie warnen vor einer Überinterpretation der Ergebnisse, wollen aber noch einmal unterstreichen, wie die Infektionsdynamik unter Kontrolle gebracht werden könnte und vor allem, wie wichtig die (Booster-)Impfung aktuell ist. (vdü)

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