Benzinpreise, Porto, E-Rezept, Mindestlohn, Küken und mehr

Die wichtigsten Änderungen: Was uns 2022 erwartet

03. Januar 2022 - 10:23 Uhr

Das sollten Sie für 2022 wissen

Während wir für das neue Jahr wohl alle ganz persönliche Wünsche haben, gibt es eine Menge Änderungen, die bereits feststehen und auf alle Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland zukommen. Ob höhere CO2-Steuer, die erweiterte Pfandpflicht, mehr Mindestlohn oder teureres Porto: Im Video erklären Expertinnen und Experten, was genau das für uns bedeutet. Über welche Neuigkeiten Sie 2022 sonst noch Bescheid wissen sollten, erfahren Sie hier.

Benzin und Diesel wird teurer

Auch 2022 steigt die CO2-Steuer, um den Klimaschutz attraktiver zu machen. Statt 25 Cent je Tonne ausgestoßenem Kohlendioxid sind dann 30 Cent fällig. Das wirkt sich unter anderem auf Kraftstoffpreise aus, allerdings nicht so stark wie Anfang 2021. Nach Berechnungen des ADAC dürften sich Benzin und Diesel durch den CO2-Preis nun ungefähr um je eineinhalb Cent pro Liter verteuern.

Um die steigenden Kosten etwas abzumildern, wurde die Entfernungs- bzw. Pendlerpauschale bei der Steuererklärung ab dem 21. Kilometer um fünf Cent erhöht – sie beträgt jetzt 35 Cent pro Kilometer. Geringverdienende Pendler, die keine Einkommenssteuer zahlen, erhalten eine Mobilitätsprämie von 5 ct/km ab dem 21. Kilometer.

E-Rezept und E-Krankschreibung

Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wird ausgefüllt
Die Krankschreibung als rosa Zettel soll 2022 endgültig der digitalen Version weichen
© deutsche presse agentur

Ursprünglich war geplant, zum 1. Januar das elektronische Rezept für Arztpraxen grundsätzlich zur Pflicht zu machen. Diese Umstellung wird jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben, da die nötige Technik noch nicht überall zur Verfügung steht.

Gesetzlich Versicherte erhalten dann einen QR-Code entweder im Smartphone oder ausgedruckt. Dabei gilt allerdings eine Übergangsregelung: Die Pflicht besteht nur für solche Praxen, die technisch dazu in der Lage sind. Bei manchen könnte es also etwas länger dauern.

Bei der E-Krankschreibung gab es eine solche Übergangsregelung bereits – ab dem 1. Januar 2022 müssen Arztpraxen elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU) verpflichtend an die Krankenkassen senden. Ab Juli 2022 soll dann auch die Übermittlung der Krankschreibung von den Krankenkassen an den Arbeitgeber nur noch elektronisch erfolgen. Somit soll die Pflicht des Arbeitnehmers zur Vorlage der ärztlichen Bescheinigung in Zukunft entfallen.

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Porto kostet mehr

Neue Portokosten ab dem 1.1.2022

ProduktAlter PreisNeuer Preis
Standardbrief80 Cent85 Cent
Postkarte60 Cent70 Cent
Kompaktbrief95 Cent1 Euro
Großbrief1.55 Euro1,60 Euro
Bücher- und Warensendung 500 g1,90 Euro1,95 Euro
Bücher und Warensendung 1.000 g2,20 Euro2,25 Euro

Wegen steigender Löhne und Kosten erhöht die Deutsche Post zum neuen Jahr ihre Portogebühren um 4,6 Prozent. Zuletzt wurden diese 2019 angepasst. Ab dem 1. Januar werden zum Beispiel für einen Standardbrief 85 statt wie bisher 80 Cent fällig, für eine Postkarte sind es 70 statt 60 Cent. Einschreiben werden 15 Cent teurer.

Mindestlohn steigt zweimal

Aktuell liegt der gesetzliche Mindestlohn bei 9,60 Euro pro Stunde. Im neuen Jahr steigt er gleich zweimal: Zum 1. Januar 2022 soll er auf 9,82 und zum 1. Juli 2022 auf 10,45 Euro angehoben werden. SPD, Grüne und FDP wollen den Mindestlohn auf 12 Euro pro Stunde erhöhen. Nach der einmaligen Anpassung soll die unabhängige Mindestlohnkommission über etwaige weitere Erhöhungsschritte entscheiden, wie es im Koalitionsvertrag heißt.

Erweiterte Pfandpflicht

Weibliche Hand wirft Flasche in Pfandautomaten
Auf viele Plastikflaschen gab es bisher keinen Pfand - das soll sich jetzt ändern.
© picture alliance

Zum 1. Januar wird die Pfandpflicht für Getränke in Plastikflaschen ausgeweitet. Waren bisher etwa Frucht- und Gemüsesäfte vom Einweg-Pfand von 25 Cent ausgenommen, gilt dieser künftig auch für sie. Auch Getränkedosen werden ohne Ausnahme pfandpflichtig.

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Keine Fahrkarten im Zug mehr

Bisher kann man auch dann noch ein Bahnticket beim DB-Personal kaufen, wenn der Zug bereits losgefahren ist. Ab dem 1. Januar geht das nicht mehr – dann werden vor Ort keine Papierfahrkarten mehr ausgestellt. Die Alternative ist dann ein digitales Ticket, das bis zehn Minuten nach Abfahrt auf bahn.de oder per App gebucht werden kann. Voraussetzung ist dabei, dass planmäßig zwischen dem Einstiegsbahnhof und dem nächsten Haltebahnhof mehr als zehn Minuten Fahrzeit liegen.

Verbot von Plastiktüten

Ab dem 1. Januar dürfen an den Kassen im Supermarkt und anderen Läden keine Einkaufstüten aus Plastik mehr verkauft werden. Bei dem Verbot geht um die sogenannten leichten Kunststofftragetaschen mit einer Wandstärke zwischen 15 und 50 Mikrometer - das sind die Standard-Tüten, die man beim Einkaufen bekommt. Ausgenommen sind besonders stabile Mehrweg-Tüten sowie die dünnen Plastikbeutel, die man etwa am Obst- und Gemüsestand findet.

Führerschein-Tausch: Erste Frist läuft ab

Erste Umtauschfristen für EU-Führerschein laufen bald ab
Der alte Papier-Führerschein wird nach und nach abgeschafft
© deutsche presse agentur

Nach einer EU-Richtlinie müssen alle vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Führerscheine bis 2033 in fälschungssichere Scheckkarten-Führerscheine umgetauscht werden. Für Menschen, die zwischen 1953 und 1958 geboren wurden, bedeutet das eigentlich Eile: Sie müssen ihren grauen oder rosafarbenen "Lappen" bis spätestens 19. Januar 2022 getauscht haben. Da es bei der Beantragung coronabedingt zu langen Wartezeiten und Verzögerungen kommen kann, hat die Verkehrsministerkonferenz allerdings vorgeschlagen, bis zum 19. Juli 2022 keine Bußgelder zu verhängen. Betroffene sollten sich trotzdem möglichst bald um einen Termin kümmern.

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Verträge einfacher kündigen

Wer einen Vertrag im Internet schließt, kann ihn künftig einfacher kündigen. Zum 1. Juli gilt für sogenannte Dauerschuldverhältnisse die Pflicht zu einem Kündigungsbutton, mit dem Verbraucher ihre Verträge ohne großes Suchen und Briefeschreiben wieder loswerden können.

Verträge, die ab dem 1. März abgeschlossen werden, dürfen zudem nur noch eine Kündigungsfrist von einem Monat haben. Wird diese verpasst, verlängert sich der Vertrag nur noch auf unbestimmte Zeit und nicht etwa zwei Jahre. Innerhalb eines Monats kommt man so problemlos wieder heraus.

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Verbot für Kükentöten

Männliche Küken sitzen in einem Korb.
Millionen von männlichen Küken dürfen ab 2022 weiterleben
© dpa, Bernd Wüstneck, bwu;cse jai wok jol kno dul

Das millionenfache Kükentöten in der Legehennenhaltung wird im neuen Jahr ein Ende haben. Bisher wurden in deutschen Brütereien jährlich fast 45 Millionen männliche Küken getötet, da sie weder für die Eierproduktion noch als Masthühner nutzbar sind. Ab dem 1.1.2022 gilt ein neues Gesetz, das diese Praxis verbietet. Deutschland ist das erste Land weltweit, das diesen Schritt geht. Wie die ehemalige Landwirtschaftsministerin bereits vor Monaten ankündigte, dürften Eier in der Folge um einige Cent teurer werden.

Corona-Bonus

Noch bis zum 31. März können Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern einen steuerfreien Corona-Bonus in Höhe von maximal 1.500 Euro auszahlen. Eine Voraussetzung ist unter anderem, dass das Geld der Abmilderung der zusätzlichen Belastung durch die Corona-Krise dient und zusätzlich zum Arbeitslohn gezahlt wird.

So bekommen etwa eine Million Beschäftigte im öffentlichen Dienst der Bundesländer bis spätestens März eine steuer- und abgabenfreie Corona-Sonderzahlung von 1.300 Euro. Azubis, Praktikantinnen und Praktikanten und studentische Beschäftigte in diesem Tätigkeitsbereich bekommen einen Corona-Bonus von 650 Euro. In Hessen wurde der Bonus separat ausgehandelt, hier bekommen Landesbeschäftigte 1.000 Euro.

Was Pflegekräfte angeht, ist derzeit ein Bonus von bis zu 3.000 Euro im Gespräch. Die Entscheidung der neuen Regierung zu Höhe und Auszahlungsdatum steht allerdings noch aus.

Rücknahme von Elektrogeräten

Je nach Ladengröße und Sortiment müssen Discounter und Supermärkte künftig alte Elektrogeräte wie elektrische Zahnbürsten, Rasierer oder Handys zurücknehmen – auch dann, wenn sie anderswo gekauft wurden. Größere Geräte wie alte Fernseher können jedoch nur abgegeben werden, wenn ein neues Gerät gekauft wird. Auch Online-Händler müssen den Elektroschrott kostenlos und unkompliziert zurücknehmen und recyceln.

Steuern: Höherer Grundfreibetrag

2022 steht Steuerzahlern etwas mehr Geld steuerfrei zur Verfügung, denn der Grundfreibetrag steigt um 204 Euro. Damit soll das Existenzminimum für Erwachsene steuerfrei gestellt werden, erklärt der Bund der Steuerzahler in Berlin.

Bei einer ledigen Person werden demnach erst ab einem zu versteuernden Einkommen von mehr als 9.948 Euro im Jahr Einkommensteuern fällig. Bei Ehepaaren beziehungsweise eingetragenen Lebenspartnern verdoppelt sich der Betrag auf 19.896 Euro.

Längere Gewährleistung für gekaufte Produkte

Wer ein Produkt kauft, das sich später als mangelhaft herausstellt, hat ab dem 1. Januar 2022 unter Umständen – abhängig vom Datum des Kaufvertrags – bessere Karten. Möglich macht dies die Erweiterung des Gewährleistungsrechtes: Bisher wurde bei Fehlern oder Defekten innerhalb von sechs Monaten nach dem Kauf angenommen, dass der Mangel schon beim Kauf vorlag. Diese Frist wird nun auf 12 Monate ausgeweitet.

Mehr zu den neuen Shopping-Regeln erklärt RTL-Verbraucherexperte Ron Perduss hier.

Erhöhung des Kinderzuschlags

Der Kinderzuschlag, eine Leistung zusätzlich zum Kindergeld für Familien mit geringem Einkommen, wird leicht erhöht. Er steigt von 205 Euro um 4 Euro auf bis zu 209 Euro pro Monat pro Kind. Das gilt nach Angaben des Familienministeriums allerdings nur, falls nicht kurzfristig eine Kindergelderhöhung zum 1. Januar beschlossen wird.

Öko-Strom: EEG-Umlage sinkt

Fotovoltaik / Solaranlage auf Hausdach - Symbolbilder  Windpark Lichtenau Westfalen *** Wind farm Lichtenau Westphalia
Die EEG-Umlage dient der Finanzierung des Ökostrom-Ausbaus
© imago images/Olaf Döring, Olaf Döring via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Die Umlage, mit der der Ausbau der Erneuerbaren Energien finanziert wird (EEG-Umlage) und die für Verbraucher grundsätzlich Teil des Strompreises ist, sinkt zum Jahreswechsel auf 3,723 Cent je Kilowattstunde und damit um mehr als 40 Prozent. Billiger dürfte der Strom entgegen aller Hoffnungen aber nicht werden, weil die Umlage nur ein Bestandteil des Preises ist und Versorger beim Einkauf mehr als noch vor einem Jahr zahlen.

Zuschuss für betriebliche Altersversorgung

Wer seit 2019 eine betriebliche Altersvorsorge abgeschlossen hat, bekommt 15 Prozent Zuschuss vom Arbeitgeber. Ab 2022 muss dieser Zuschuss auch für Altverträge gezahlt werden, erklärt die Stiftung Warentest.

Den vollen Zuschuss erhält, wessen Verdienst unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Krankenversicherung liegt - die beträgt 58.050 Euro brutto im Jahr 2022. Bei höherem Verdienst darf der Zuschuss gleitend abgesenkt werden.

Elektroautos: Förderung verlängert

E-Auto an Ladesäule
E-Autos werden auch 2022 weiter gefördert.
© deutsche presse agentur

Der neue Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck verlängert die deutlich erhöhte staatliche Förderung von Elektroautos bis Ende 2022. Sie war bisher bis Ende dieses Jahres befristet. Demnach erhalten Käuferinnen und Käufer von rein elektrisch betriebenen Autos 2022 weiter bis zu 9.000 Euro Förderung, Plug-in-Hybride werden mit maximal 6.750 Euro gefördert. (rka/dpa)