Babyentwicklung nach der Geburt

Hören, sehen, fühlen: So entwickelt sich das Baby im 1. Monat

Bereits in seinem ersten Lebensmonat beginnt für das Baby die rasante Entwicklung zu einem kleinen Menschen.
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09. September 2020 - 16:07 Uhr

Babys erster Monat: Das Abenteuer Leben beginnt

Viele Monate wuchs das Kind behütet und geborgen in Mutters Bauch heran. Es brauchte nicht selbst zu atmen und keine Nahrung zu sich nehmen, für alles war gesorgt. Mit der Geburt hat für das Kind jetzt das Abenteuer Leben begonnen. Schon bald wird es beginnen, sich zu einer individuellen Persönlichkeit mit Wünschen und eigenem Willen zu entwickeln. Auch für die Eltern beginnt jetzt eine spannende Zeit, in der sie ihren kleinen Sonnenschein bei seinen Entwicklungsschritten begleiten und unterstützen. Erfahren Sie mehr über Babys erste vier Lebenswochen, seine Fähigkeiten und wie die Kommunikation mit Ihrem Säugling gelingen wird.

Die Entwicklung des Babys im ersten Monat

Der Säugling kommt schon mit einer Reihe an motorischen Fähigkeiten (Reflexen) und perfekt ausgebildeten Muskeln zur Welt. Seine Sinne sind schon in den ersten Tagen aktiv und es nimmt bereits Kontakt mit Ihnen auf. Dabei schreit es nicht nur, wenn es Hunger oder körperliche Beschwerden hat. Es schreit auch, wenn es Langeweile hat, Ihre Zuwendung möchte und probiert dabei schon erste Laute aus. Wenn Sie diese Laute imitieren, werden Sie schnell die Freude darüber bei Ihrem Kind erkennen. Außerdem wird es zu weiteren Lautäußerungen (Sprechen) angeregt.  

Der Körper des Babys im 1. Monat

Die Körperhaltung des Babys entspricht im ersten Lebensmonat noch weitgehend der Haltung, die es im Mutterleib einnahm. Das heißt, die Arme und Beine sind angewinkelt, was man auch als Embryonalstellung bezeichnet. Die Nackenmuskulatur ist noch zu schwach, um den Kopf zu heben oder zu halten. Deshalb ist es beim Hochnehmen des Kindes wichtig, dass man dabei mit einem Arm seinen Rücken und Kopf stützt.

Doch schon bald wird das Kleine mit dem Training der Nackenmuskulatur beginnen. Sie können es unterstützen: Legt man es auf den Bauch und etwas Buntes in sein Gesichtsfeld, wird es versuchen, den Kopf zu heben und das Baby trainiert, den Kopf zu drehen. Das Gehirn ist noch nicht ausgereift und Augen- und Haarfarbe werden sich vermutlich noch ändern.

Das Wachstum des Babys und seine Entwicklung

Das Längenwachstum und die Gewichtsentwicklung werden von den Ärzten und Hebammen immer ganz genau erfasst. Diese Werte sind in den ersten Lebenswochen und Monaten ein Indiz dafür, ob es dem neuen Erdenbürger auch wirklich gut geht. Dabei kann das Kleine durch die Lebensumstellung in den ersten Tagen nach der Geburt etwa zehn Prozent an Gewicht verlieren, was aber kein Grund zur Besorgnis ist.

Insgesamt sollte der Säugling im ersten Monat etwa 150 Gramm pro Woche zulegen. Die individuelle Masse und Größe des Babys hängt aber von Geschlecht, Schwangerschaftsverlauf und der Veranlagung ab. 

Die Reflexe beim Baby

Wenn ein Kind auf die Welt kommt, kann es seinen Körper noch nicht drehen und seinen Kopf nicht heben. Alles, was ihm in jener Zeit zur Verfügung steht, sind seine ihm angeborenen Reflexe, die dem Säugling das Überleben in den ersten Wochen sichern. So hat es einen Saugreflex, der einsetzt, wenn etwas seine Lippen berührt.

Der Suchreflex bewirkt ein Kopf-Drehen des Babys, wenn seine Wangen berührt werden. Es vermutet dann eine potenzielle Nahrungsquelle. Der Greifreflex an Händen und Füßen lässt es nach seiner Bezugsperson greifen, um diese festzuhalten und es besitzt einen Schreireflex. 

Die emotionale Entwicklung des Babys im ersten Lebensmonat

Die Sinne des Säuglings sind nach der Geburt bereits empfangs- und lernbereit. Am wichtigsten ist der Tastsinn. Über Hautkontakt, wie Liebkosungen und Nähe, erfährt das Kind ein Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Vertrauen in andere Menschen und sich selbst. Die liebevolle Zuwendung seiner Bezugspersonen stärkt das so wichtige Urvertrauen des Babys und gibt ihm später ein gesundes Selbstwertgefühl.

Auch der Geruchs- und Geschmackssinn sind schon ausgeprägt, sodass es seine Bezugspersonen ab der zweiten Woche am Geruch erkennt. Um das kleine Wesen nicht zu verunsichern, sollte man auf stark duftendes Parfum verzichten.

Hören und Sehen beim Neugeborenen

Den Hörsinn konnte das Neugeborene bereits im Mutterleib trainieren. So hat es sich schon während der Schwangerschaft die Stimmen aus seiner nächsten Umgebung eingeprägt. Dasselbe geschieht mit den Melodien häufig gehörter Musikstücke. Die Augenmuskulatur ist hingegen noch nicht trainiert, deshalb sieht es nocht nicht besonders gut. Aber Gesichter und Gegenstände in einem Abstand von 25 Zentimetern kann das Kind schon für kurze Zeit fixieren. Mit zunehmendem Training – also mit jedem Tag – gelingt ihm dies aber immer länger.  

Die geistige Entwicklung des Babys

Spielsachen braucht der Säugling in seinen ersten vier Wochen noch nicht. Es genügt ihm schon, wenn er die freundlich lächelnden Gesichter seiner Bezugspersonen sieht und deren liebevolle Worte in seiner Nähe hört. Denn trotz kurzer Schlafphasen schläft das Kleine noch 13 bis 20 Stunden am Tag. In einem Babytragetuch an Mutters Brust ist es restlos glücklich.

Einen O-Ball für die Krabbelfreude oder einen musikalischen Softwürfel kann man dem Baby für seine ersten Greifversuche aber ins Händchen drücken. Ein sich drehendes Musikmobile am Bettchen regt die Wahrnehmung und Intelligenz des Säuglings an, ohne ihn zu überfordern.  

Ärztliche Untersuchungen im ersten Lebensmonat

Gleich nach der Geburt Ihres Kindes steht die erste Vorsorgeuntersuchung für Ihr Neugeborenes an. Bei der Vorsorgeuntersuchung U1 wird überprüft, wie das Baby die Geburt überstanden hat und ob es in guter körperlicher Verfassung ist. Dabei wird das Kleine gewogen, die Körperlänge gemessen und Herzschlag, Atmung sowie Reflexe überprüft.

Die Ergebnisse werden in das gelbe Vorsorgeuntersuchungsheft eingetragen, das Früherkennungsuntersuchungen bis zum fünften Lebensjahr vorsieht. Die Untersuchung U2 erfolgt drei bis zehn Tage nach der Entbindung. Mit zunehmendem Alter Ihres Kindes werden die Abstände zwischen den einzelnen Untersuchungen dann immer größer.

Wann Sie unbedingt ärztlichen Rat einholen sollten

Auch wenn gerade kein Vorsorgetermin ansteht, sollten Sie bei folgenden Symptomen unbedingt einen Arzt zurate ziehen: wenn Ihr Baby stark verklebte Augen hat, die Körpertemperatur über 38 Grad liegt, das Kind Schnupfen hat oder schlaff, benommen und immer sehr müde wirkt. Wenn Sie sich unsicher sind, suchen Sie den Arzt lieber einmal zu oft als zu wenig auf. So ein Säugling ist noch sehr empfindlich. Einen Schnupfen, den ein sechs Monate altes Kind meist leicht überwindet, kann für ein Neugeborenes aufgrund der noch schwächeren Atemmuskulatur leicht gefährlich werden.