Andreas E. (26) löschte in Kitzbühel Familie aus

Kriminologe Christian Pfeiffer: „Es muss etwas im Dunkeln liegen“

20200812 Verhandlung gegen den mutmaßlichen fünffach Mörder von Kitzbühel INNSBRUCK, ÖSTERREICH - AUGUST 12: Der mutmaß
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12. August 2020 - 19:22 Uhr

„Es muss etwas im Dunkeln liegen“

Andreas E. (26) tötete im Oktober 2019 im österreichischen Kitzbühel die Familie seiner Ex-Verlobten – aus Eifersucht, weil sie sich von ihm getrennt hatte. Er kam mit seinen Emotionen nicht mehr klar und wurde zum Killer. Nichts in seinem Leben habe auf die Wahnsinnstat hingedeutet. Er sei ganz normal und behütet aufgewachsen, heißt es vor Gericht. Eine schöne Kindheit habe er gehabt. Doch davon ist Kriminologe Christian Pfeiffer nicht überzeugt. "Es muss etwas im Dunkeln liegen", erklärt er im RTL-Interview.

Ursache liege meistens in der Kindheit

ARCHIV - Der Kriminologe Christian Pfeiffer steht am 23.03.2015 während eines Interviews in Hannover (Niedersachsen) vor einer Bücherwand. Angesichts der Gewaltkriminalität unter Flüchtlingen haben Kriminologen eine bessere Präventionsarbeit angemahn
Es muss daher etwas im Dunkeln liegen, meint Kriminologe Christian Pfeiffer.
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Andreas E. sei offenkundig nicht mit der Trennungssituation klar gekommen, erklärt Pfeiffer, der mit dem Fall gut vertraut ist. Psychologen sagen in solchen Prozessen später, "sein Blickfeld habe sich röhrenförmig verengt, auf diese eine Geschichte, den Schmerz, den er nicht ausgehalten hat." Meistens liegt die Ursache dafür in der Kindheit, so der Kriminologe. Es reiche aus, ein geprügelter Menschen zu sein, einer der "viele Ängste in der Kindheit bekommen hat" und dem es an "Selbstvertrauen mangelt", um solch eine Tat zu begehen, sagt er und fügt hinzu: "Wer mit viel Liebe und gewaltfrei erzogen wird, kommt mit solche Schicksalsschlägen klar. Der leidet auch, aber bringt niemanden um." 

Es muss daher etwas im Dunkeln liegen, meint Pfeiffer. Daher wird spannend sein, ob E. selbst, seine Eltern und Freunde vor Gericht ehrlich waren. Dann könne auch ans Licht kommen, ob seine Kindheit doch nicht so gut gelaufen ist, wie zunächst angenommen.

Es muss daher etwas im Dunkeln liegen, meint Pfeiffer. Daher wird spannend sein, ob E. selbst, seine Eltern und Freunde vor Gericht ehrlich waren. Dann könne auch ans Licht kommen, ob seine Kindheit doch nicht so gut gelaufen ist, wie zunächst angenommen. 

Andreas E. zu lebenslanger Haft verurteilt

"Ich habe soeben fünf Personen ermordet", sagte E., als er nach der Tat auf der Polizeiwache erschienen ist. Der 26-Jährige musste sich am Mittwoch vor dem Landgericht Innsbruck verantworten, weil er seine 19 Jahre alte Ex-Freundin Nadine H., deren Vater (59), deren Mutter (51), den 23-jährigen Bruder sowie einen 24 Jahre alten Freund der jungen Frau erschossen hat.

Er gestand die Taten bereits zu Prozessbeginn und bekannte sich schuldig. Er erklärte aber, dass er sich an die Tat selber nicht mehr erinnern könne – nur die letzten Atemgeräusche, die seine Opfer gemacht hätten, könne er nicht mehr vergessen. Das Gericht sprach ihn nun schuldig und verurteilte den Maurer zu lebenslanger Haft.