Ex-Freundin und Familie erschossen

Urteil nach Fünffachmord in Kitzbühel: Andreas E. zu lebenslanger Haft verurteilt

20200812 Verhandlung gegen den mutmaßlichen fünffach Mörder von Kitzbühel INNSBRUCK, ÖSTERREICH - AUGUST 12: Der mutmaß
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12. August 2020 - 19:35 Uhr

Andreas E. erschoss seine Ex und ihre Familie

"Ich habe soeben fünf Personen ermordet", sagte Andreas E., als er im Oktober 2019 auf der Polizeiwache erschien. Der 26-Jährige musste sich am Mittwoch vor dem Landgericht Innsbruck verantworten, weil er seine 19 Jahre alte Ex-Freundin Nadine H., deren Vater (59), deren Mutter (51), den 23-jährigen Bruder sowie einen 24 Jahre alten Freund der jungen Frau erschossen hat. Er gestand die Taten zu Prozessbeginn und bekannte sich schuldig. Er erklärte aber, dass er sich an die Tat selber nicht mehr erinnern könne – nur die letzten Atemgeräusche, die seine Opfer gemacht hätten, könne er nicht mehr vergessen, erklärte Andreas E. unter Tränen. Das Gericht sprach den Angeklagten schuldig und verurteilte ihn zu lebenslanger Haft.

Im Video: So kaltblütig ging der Amokschütze von Kitzbühel vor

Ein Streit soll der Auslöser für die Tat gewesen sein

Die Tat hatte damals über die Grenzen Österreichs hinaus schockiert. Laut Anklage soll der junge Mann damals aus Enttäuschung über das Ende der Beziehung zur Waffe gegriffen haben. Wegen des ausführlichen Geständnisses des Angeklagten und der eindeutigen Spurenlage endete der Prozess bereits nach einem Verhandlungstag. Es waren nur wenige Zeugen geladen.

Andreas E. fuhr in den frühen Morgenstunden des 6. Oktober 2019 zum Haus der Familie seiner Ex. Nur wenige Stunden zuvor waren die beiden sich zufällig in einem Lokal in Kitzbühel begegnet. Nach Angaben der Mutter des Verdächtigen waren ihr Sohn und die 19-Jährige seit fünf Jahren zusammen und hätten im kommenden Jahr heiraten wollen. Zwei Monate vor der Tat trennten sich das Paar aber. Bei dem Zufallstreffen in dem Lokal kam es zu einer kleinen Auseinandersetzung zwischen Nadine H. und Andreas E. Dass Nadine zu ihm sagte: "Dann sind wir eben keine Freunde mehr", soll der Auslöser für die Bluttat gewesen sein.

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Der Tatort - abgesperrt durch die Polizei - in Kitzbühel
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Opfer wurden aus kurzer Distanz erschossen

Daraufhin fuhr der damals 25-Jährige bei seiner Ex-Freundin zuhause vorbei. Der Vater der jungen Frau öffnete und machte Andreas E. klar, dass er in dem Haus nichts mehr zu suchen habe. Er sah das Auto des Eishockeyspielers Florian J. vor dem Haus stehen und schloss, dass der jetzt der neue Freund von Nadine war. Andreas H. fuhr nach Hause und holte die Pistole seines Bruders.

Als er dann wieder vor dem Haus auftauchte, öffnete der Familienvater ahnungslos die Tür. Er und die anderen vier Opfer wurden aus kurzer Distanz erschossen. Der Angeklagte hatte bei der Tat auch noch ein Messer und einen Baseballschläger bei sich, die er aber nicht benutzte.

Verhandlung gegen den mutmaßlichen fünffach Mörder von Kitzbühel
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Angeklagter soll schon vor der Tat mit Gewalt gedroht haben

Vor Gericht erklärte der Angeklagte, dass er und Nadine 2013 ein Paar wurden. Sie war damals 14, er 19 Jahre alt. In der Beziehung habe alles gepasst, bis sie 2018 von einem Ausflug mit ihren Freundinnen zurückkam und im sagte, sie wolle eine offene Beziehung haben. Im Mai 2019 zogen Nadine und Andreas in die Einliegerwohnung im Haus der Eltern. Danach sei die Beziehung noch schlechter geworden, er habe gemerkt, dass Nadine sich von ihm entfernte. Dann habe sie Schluss gemacht.

Damit konnte Andreas E. offenbar nicht umgehen. immer wieder versuchte er, sie zurückzugewinnen, schlug ihr eine Trennung auf Zeit vor, wollte eine Aussprache. Einen Freund bedrohte er vor der Tat mit den Worten: "Wenn Du mit Nadine etwas am Laufen hast, dann bringe ich dich um." Außerdem soll er gesagt haben, dass er Nadine umbringen wolle, wenn sie einen neuen Freund habe. "Sie kann froh sein, wenn sie behindert überlebt."