Kann ein Erwachsener eine neue Sprache wirklich so schnell und einfach lernen wie ein Kind, das seine erste Sprache lernt? Und wollen wir das überhaupt? Schauen wir uns an, wie der Unterschied zwischen dem Erlernen einer Muttersprache als Kind und dem Erlernen einer Zweitsprache als Erwachsener aussieht.
Die Muttersprache erlernt sich von selbst
Der Erwerb einer ersten Sprache, der so genannten Muttersprache, ist ein faszinierendes Phänomen, über das seit langem geforscht, geschrieben und diskutiert wird — und über das es keinen klaren Konsens zu geben scheint. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie es möglich ist, eine Sprache zu lernen, ohne die Fähigkeiten und Konzepte, die sich nach dem Erleben der Welt durch Sprache entwickeln.
Tatsache ist, dass wir als Kinder unabhängig von der Sprache und unabhängig von unserer gegebenen “Intelligenz” oder “Begabung” in der Regel innerhalb eines Jahres das Niveau eines Muttersprachlers in unserer ersten Sprache erreichen. Interessanterweise durchlaufen alle Kinder ähnliche Stufen des Erlernens von Lauten und grammatikalischen Strukturen, egal ob es sich um Englisch oder eine Sprache handelt, die für ältere Lernende schwieriger wäre, wie z. B. Schwedisch.

Diese Entwicklung vollzieht sich ohne Anleitung, fast “von selbst” nur durch den Kontakt des Kindes mit der Sprache, ohne unangenehme Grammatikerklärungen und ohne mühsame Vokabelwiederholung. Explizite Korrekturen sind nicht einmal notwendig. Die Forschung hat herausgefunden, dass das Korrigieren der sprachlichen “Fehler” eines Kindes seine sprachliche Entwicklung nicht beschleunigt. Alles, was es für den Erwerb der ersten Sprache braucht, ist Input und Zeit.
Aber keine Angst, mit unseren Tipps können auch ältere Erwachsene über 50 auf kreative Weise eine Fremdsprache lernen!
Der Unterschied zur Zweitsprache
Es gibt ein Zeitfenster für den Erstspracherwerb: Im Idealfall muss ein Kind bis zum Alter von drei Jahren mit seiner ersten Sprache in Berührung kommen, in manchen Fällen sogar fünf oder mehr Jahre lang intensiv. Das bedeutet jedoch nicht, dass jemand die Sprache in diesem Alter vollständig beherrscht.
Ab der Pubertät verlangsamt sich die sprachliche Entwicklung rapide. Man kann zwar mehr als eine “Erstsprache” haben (was wir “Bilingualismus” oder “Mehrsprachigkeit” nennen), aber ab einem bestimmten Punkt ist es nicht mehr möglich, eine Sprache so zu lernen wie ein Kind, und schon gar nicht auf Muttersprachlerniveau oder mit Input allein.

Erwachsene lernen viel effektiver, wenn der sprachliche Input mit dem Wissen und den Fähigkeiten kombiniert wird, die sie besitzen (im Gegensatz zu Kindern, die sich nur auf den Input verlassen können). Schließlich brauchen Zweitsprachenlerner nicht ein ganzes Jahr, bevor sie ihre ersten verständlichen Wörter in der Sprache sprechen können.
Der grundlegende Unterschied zwischen dem Zweitspracherwerb und dem Erstspracherwerb besteht darin, dass wir bereits (mindestens) eine Sprache beherrschen — wir haben die Welt bereits durch diese Sprache kennengelernt. Eine zweite Sprache wird daher immer im Kontext der ersten Sprache(n) erworben, was man leicht an den Fehlern der Lernenden beobachten kann.
Zum Beispiel sagen viele Deutsche fälschlicherweise “Can I become a beer?” statt “Can I get a beer?”. Das liegt daran, dass das Verb bekommen ein falscher Freund des englischen to become ist — sie klingen gleich, haben aber zwei völlig unterschiedliche Bedeutungen. Abgesehen von diesen falschen Freunden sind auch grammatikalische Fehler keine Seltenheit.

Andererseits kann eine erste Sprache das Erlernen einer zweiten Sprache auch erleichtern. Bestimmte Sprachen sind miteinander verwandt. Französischsprachige Lernende haben es zum Beispiel leichter, eine andere romanische Sprache zu lernen als Lernende, deren Muttersprache Englisch oder Deutsch ist. So oder so ist es für die Lernenden einer zweiten Sprache ein wichtiger Anhaltspunkt, wenn ihnen Unterschiede und Ähnlichkeiten zwischen ihrer Muttersprache und einer neuen Sprache aufgezeigt werden.
Sprachlern-Apps zum Erlernen einer Sprache
Sprachlern-Apps und -Programme sind eine exzellente Möglichkeit, neue Sprachen zu lernen, denn Sie kombinieren passives und aktives Lernen. Der Lernende wird passiv in die Grammatik eingeführt, genauso wie ein Kind seine erste Sprache lernt. Aber während die Struktur der Beispiele geübt wird, wird die Grammatik ebenfalls erklärt. Wählen Sie Ihren Favoriten aus den besten Anbietern auf dem Markt:
Unser Fazit
Erfolgreiches Sprachenlernen sieht für jeden anders aus — als Erwachsener können wir zwar keine Zweitsprache genauso wie unsere Erstsprache als Kind lernen, aber wir können uns einige Konzepte zunutze machen. Aktuelle Programme und Apps kombinieren Sprachlernmethoden von Kindern mit Lernmethoden für Erwachsene. So macht das Lernen einer neuen Sprache Spaß und ist (fast) kinderleicht.
Weitere interessante Artikel
