„Er meinte, dass ich keine Ehre hätte“Stiftete der eigene Vater seinen Sohn (17) zum Mord an seiner Schwester an?

Jetzt treffen Vater und Sohn im Gerichtssaal aufeinander!
Der Vorwurf: Ein geplanter Ehrenmord. Ein Mord, zu dem es nie kommt. Denn der 17-jährige Schüler folgt dem Befehl nicht, seine eigene Schwester zu töten. Stattdessen geht er zur Polizei und bringt seinen Vater in U-Haft. Am Dienstag (10. März) sagt der Jugendliche vor dem Landgericht Stade aus.
Vater darf Handschellen nicht abnehmen
Am zweiten Prozesstag sitzen sich der 46-jährige Ali A. und sein Sohn gegenüber. Als der 17-Jährige in den Zeugenstand kommt, verzieht sein Vater keine Miene. Aggressionsgefahr scheint aber wohl dennoch nicht ausgeschlossen – die Handschellen darf der Angeklagte zuvor auf Wunsch seines Anwalts nicht ablegen. Mit der Begründung, dass der Sohn in den gleichen Raum komme. Und dieser nimmt bei seiner Zeugenaussage kein Blatt vor den Mund und schildert detailliert, wie sein eigener Vater ihn zum Mord seiner 19-jährigen Schwester Randa angestiftet haben soll.
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Wegen Kontakt zu Männern sollte Randa sterben
Die zehnköpfige Familie flüchtet 2019 aus Syrien nach Norddeutschland und lebt in der Gemeinde Wurster Nordseeküste (Landkreis Cuxhaven). Das Familienleben ist immer wieder angespannt, so auch im September 2025. Laut des 17-Jährigen habe sein Vater zwei Wochen lang nicht in die gemeinsame Wohnung kommen dürfen. Grund war ein Vorfall häuslicher Gewalt, zu dem die Polizei gerufen wurde. Wie der Jugendliche weiter erzählt, treffen er und sein Vater sich daraufhin auf einem Parkplatz. Dort habe der 46-Jährige seinem Sohn mitgeteilt, dass er das Problem mit Randa lösen werde.
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Jeglicher Kontakt seiner Töchter zum anderen Geschlecht sei dem Vater ein Dorn im Auge, erzählt der Sohn vor Gericht. Sein Vater habe seine Schwestern daher streng kontrolliert. Als der 46-Jährige heraus findet, dass Randa mit Männern telefoniere und eine sexuelle Beziehung zu einem habe, habe der Vater zunächst mit Gewalt reagiert. Sein Vater habe Randa über drei Jahre immer wieder geschlagen, erzählt der Jugendliche. „Es ist normal, wenn ich als Vater ein bisschen Gewalt einsetze“, habe der 46-Jährige zu seinem Sohn gesagt. Das müsse die Polizei nicht wissen.
Vater soll skrupellosen Plan ausgeklügelt haben
Für den 46-Jährigen zerstört Tochter Randa mit ihrem Verhalten die Familienehre. Daher solle Randa sterben. Ali A. sagte laut seinem Sohn zu ihm: Wenn jemand sie schlägt und sie dabei stirbt, denke man, es war fahrlässige Tötung. Das sei der Plan des Vaters gewesen, den sein Sohn ausführen soll. „Ich habe nein gesagt“, erklärt der Jugendliche am Dienstag vor Gericht. „Er meinte, dass ich keine Ehre hätte.“

Die Wege der zwei trennen sich danach, erzählt der 17-Jährige. Am 9. September wendet er sich an die Polizei und berichtet von dem Mordauftrag seines Vaters. Der wird daraufhin festgenommen. Seit Februar läuft am Landgericht Stade ein Verfahren gegen ihn wegen versuchter Anstiftung zum Mord. Laut Gerichtssprecher hat die Kammer als Mordmerkmale niedrige Beweggründe angenommen. Dem Familienvater droht eine Freiheitsstrafe von drei bis 15 Jahren.
Verwendete Quellen: Eigene RTL-Recherche, Polizeiinspektion Cuxhaven

































