Fall sorgt für Entsetzen in BrasilienGynäkologe soll Patientin in den Wehen missbraucht haben – wieder auf freiem Fuß

Ein Fall aus dem brasilianischen Bundesstaat Paraná sorgt derzeit landesweit für Entsetzen.
Der 81-jährige Gynäkologe Felipe Lucas, der zugleich ehemaliger Bürgermeister, Ex-Abgeordneter und früherer Stadtrat ist, wurde beschuldigt, mehrere Patientinnen sexuell missbraucht zu haben – darunter eine Frau während der Geburt.
Arzt soll Patientin während der Geburt missbraucht haben
Die schwerwiegendsten Vorwürfe stammen von einer Frau aus Teixeira Soares im Zentrum des Bundesstaates Paraná. Sie gab an, im Jahr 2011 während der Wehen von dem Arzt sexuell missbraucht worden zu sein. Nach Angaben der brasilianischen Zivilpolizei soll der Gynäkologe die Situation ausgenutzt haben, als sich die Patientin kurz vor der Entbindung in einem besonders verletzlichen Zustand befand.
Die Frau erstattete erst vor Kurzem Anzeige. Auslöser seien Berichte anderer mutmaßlicher Opfer gewesen, die ihr den Mut gegeben hätten, selbst zur Polizei zu gehen.
Die Ermittler werfen dem Mediziner „Vergewaltigung einer schutzbedürftigen Person“ vor. Laut Polizei habe der Arzt die Patientin während einer Untersuchung in eine Lage gebracht, in der sie sich nicht habe wehren können.
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Weitere Frauen berichten von ähnlichen Erlebnissen
Inzwischen haben mindestens vier Frauen Vorwürfe gegen den Gynäkologen erhoben. Drei weitere Anzeigen stammen aus der Nachbarstadt Irati. Die Schilderungen der mutmaßlichen Opfer ähneln sich laut Polizei auffallend.
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Die Ermittler sprechen von einem möglichen „über Jahrzehnte bestehenden Verhaltensmuster“. Demnach soll der Arzt intime Berührungen und angebliche „Massagen“ mit medizinischen Behandlungen begründet haben.

Gericht hebt Untersuchungshaft wegen Alters auf
Der Gynäkologe war zunächst festgenommen worden. Bereits einen Tag später ordnete ein Gericht jedoch seine Freilassung an.
Entscheidend dafür war offenbar sein Alter. Nach brasilianischem Recht verjähren vergleichbare Straftaten grundsätzlich nach 20 Jahren. Da der Beschuldigte jedoch über 70 Jahre alt ist, wurde die Verjährungsfrist halbiert – auf zehn Jahre.
Dadurch gilt der Fall aus dem Jahr 2011 nach Einschätzung des Gerichts inzwischen als verjährt. Auch zwei weitere Anzeigen könnten deshalb nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden.
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Die Anwälte des Arztes bestreiten alle Vorwürfe. Laut dem brasilianischen Nachrichtenportal „g1” bezeichnete die Verteidigung die Festnahme als „ungerecht und unnötig“.
Zur Begründung hieß es unter anderem, die untersuchten Vorfälle lägen bereits viele Jahre zurück. Zudem habe der Arzt lediglich eine „routinegemäße Entbindung“ durchgeführt.
Erste Anzeige nach Untersuchung in Klinik
Die erste öffentlich bekannte Anzeige wurde Anfang des Jahres von einer 24-jährigen Frau erstattet. Sie hatte sich nach einer gynäkologischen Untersuchung in einer öffentlichen Klinik an die Polizei gewandt.
Nach Angaben der Ermittler befand sich ihr fünfjähriger Sohn während der Behandlung im Raum. Der Arzt soll den Jungen angewiesen haben, sich mit dem Rücken zur Untersuchung zu setzen.
Die Frau erklärte später, sie habe mehrere Tage gebraucht, um Anzeige zu erstatten, weil sie sich nach dem Vorfall in einem „extremen emotionalen Schockzustand“ befunden habe.
Die Polizei beantragte daraufhin neben der Festnahme auch die Suspendierung der ärztlichen Zulassung sowie die Entfernung des Mediziners aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst.
Felipe Lucas bleibt trotz seiner Freilassung weiterhin Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Verwendete Quelle: g1


