Cold Case vor der Aufklärung?„Papa lebt im Himmel” – jetzt spricht die Lebensgefährtin von Horst Georg Linnemann

Es ist ein Schmerz, der niemals heilt.
Elf Jahre lang spürt Jessica T. Ungewissheit, Hoffnung und Angst. Jetzt, während Ermittler mit Spürhunden wieder nach der Leiche von Horst Georg Linnemann suchen, spricht seine damalige Lebensgefährtin und Mutter seiner Tochter mit RTL über ihre Erlebnisse.
Frisch verliebt und schwanger
Seit Dienstag (3. Februar) sucht die Cold Case Unit des LKA Schleswig-Holstein im Wattenbeker Gehege bei Neumünster. Auch am Mittwoch sind wieder Spürhunde im Einsatz. Die Ermittler vermuten dort die Leiche des seit 2014 vermissten Maschinenbau-Studenten Horst Georg Linnemann. Als er damals spurlos verschwindet, ist seine Partnerin Jessica T. im vierten Monat schwanger.
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„Wir waren ja relativ frisch zusammen. Also, wir waren ein dreiviertel Jahr zusammen, als er verschwand“, erzählt die heute 43-Jährige im Gespräch mit RTL. An jenem Tag bringt er noch Einkäufe vorbei, bevor er für immer geht. „Wenn man gerade frisch verliebt ist, in einer solchen Phase, gerade schwanger – und dann ist er weg. Das war schon eine sehr, sehr schlimme Zeit. Das Gefühl wünsche ich niemandem.“
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Die letzte Nachricht: „Viel Spaß auf dem Weihnachtsmarkt“
Die letzten Worte, die sie von ihm liest, kommen per SMS. Jessica will mit ihrer zweijährigen Tochter auf den Weihnachtsmarkt, er schreibt ihr noch: „Viel Spaß beim Weihnachtsmarkt und passt auf mein Karussellfahren.” Es ist das letzte Lebenszeichen. Als sie abends nach Hause kommt, ist sein Handy aus. „Er hatte sein Handy nie aus. Als hätte er das immer am Ohr kleben. Das war wirklich merkwürdig“, meint sie im RTL-Interview. Erst hofft sie noch, er sei einfach unterwegs. Aber am nächsten Tag geht sie zur Polizei.
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„Wie ein Schlag ins Gesicht”
Ermittler gehen früh von einem Gewaltverbrechen aus. Es gibt Hinweise auf ein mögliches Doppelleben und mutmaßliche kriminelle Geschäfte. Für Jessica T. bricht eine Welt zusammen: „Im Endeffekt war das wie ein Schlag ins Gesicht. Es war, als hätte ich einen zweiten Menschen kennengelernt, den ich nicht kannte.” Sogar bei der Geburt ihres Kinds verfolgen sie die Schlagzeilen über den vermissten Studenten. „Bei der Geburt meiner Tochter hatte ich den Zeitungsartikel über ihn eher auf dem Bauch als mein Kind im Arm”, erzählt sie.

Bis heute bleiben für Jessica T. viele Fragen offen. Auch, weil sie als unverheiratete Partnerin keine Informationen und Akteneinsicht bekommt. Zu Linnemanns Familie besteht kein Kontakt.
Ihre Tochter lernte ihren Vater nie kennen
Die neuen Suchmaßnahmen reißen alte Wunden auf. „Man versucht, es über die Jahre wegzuschieben, aber dann kommt wieder so ein Schlag, und man zittert innerlich. Das hat mich total gezeichnet. Bis heute. Es ist bis heute schlimm.”

Ihre gemeinsame Tochter ist mittlerweile zehn Jahre alt. Wenn sie heute nach ihrem Papa fragt, gibt es nur eine Antwort: „Papa lebt im Himmel.”
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche
































